Dranbleiben, vernetzt denken, «up to date» sein: Für niemanden gilt dieses Credo so sehr wie für die Schulen. Sie bereiten die Jugend von heute auf die Herausforderungen von morgen vor und sorgen dafür, dass sich die nächste Generation in der komplexen Welt zurechtfinden wird.

Das kabellose Internet nimmt dabei eine immer wichtigere Rolle ein. Das zeigt eine Umfrage bei den Schulen in der Region. Zwei Drittel der befragten Schulen setzen auf drahtloses Internet in den Schulhäusern, ein Drittel auf Kabellösungen direkt in den Klassenzimmern. Die Zeiten, in denen sich jede Klasse einmal wöchentlich für einen halben Nachmittag im Computerraum zusammenfand, um an klappernden Kisten erste Schritte in der Online-Welt zu unternehmen, sind vorbei.

«Die fixen Computerräume sind ein Auslaufmodell. Wir arbeiten heute vorwiegend mit Laptops, Tablets und Smartphones in den Schulzimmern», erklärt Edgar Kohler, Schulleiter im Lenzburger Schulhaus Lenzhard. Er ist überzeugt, dass in Zukunft auch der Einsatz eigener Smartphones und Tablets, welche die Schüler von zu Hause mitbringen, im Schulunterricht immer häufiger wird.

Daher ist für Kohler klar: Ein moderner Schulunterricht ohne kabelloses WLAN-Netz kann kaum noch funktionieren. «Wenn man neue Medien integriert in den Unterricht einsetzen möchte, gibt es wohl keine praktische Alternative zum WLAN. Alles andere scheint mir eher weltfremd», sagt Kohler.

Handyverbot und Strahlenlast

Starren die Schüler also bald nur noch auf ihre Smartphones statt auf die Wandtafel? Das ist trotz allem noch Zukunftsmusik. Heute gilt an allen befragten Schulen ein Handyverbot im Klassenzimmer, in Menziken und Gontenschwil gar auf dem gesamten Schulareal. Nur Suhr und Lenzburg lassen gelegentlich zu, dass private Geräte bei bestimmten Projekten an den Schulen zum Einsatz kommen.

Roger Mäder von der Beratungsstelle Digitale Medien in Schule und Unterricht imedias begrüsst diesen gezielten Einsatz mobiler Geräte in Schulstunden. «Viele Jugendliche nutzen sie ja auch privat. Es ist deshalb sinnvoll, mobile Geräte im Unterricht einzusetzen. So können die Jugendlichen lernen, wie man mit ihnen umgeht», sagt Mäder.

Es sei zwar grundsätzlich möglich, entsprechende Medien- und Informatikkompetenzen ohne WLAN zu schulen. Trotzdem: Die Bedenken jener Kritiker, die vor der Strahlenbelastung für die Schüler warnen und Konzentrationsschwierigkeiten und Unruhe festgestellt haben wollen, teilt Mäder nicht. «Mir persönlich sind keine Studien bekannt, die sagen, dass WLAN an Schulen eine Gefahr darstellen könnte», betont er.

Auch Angela Rittener von der Schweizerischen Fachstelle für Informationstechnologien im Bildungswesen SFIB sieht kein Problem bei der Anwendung von WLAN-Lösungen im Klassenzimmer: «Wenn ich an all die Natelantennen denke, dann glaube ich persönlich nicht, dass das WLAN für die Schüler wirklich eine zusätzliche Gesundheitsgefährdung darstellt», sagt Rittener.

BAG gibt keine Entwarnung

Der Schöftler Schulleiter Heinz Leuenberger will dennoch auf Nummer sicher gehen. «Wir wollen keine unnötigen Strahlen im Schulzimmer», sagt Leuenberger. Als die Schule Schöftland 2005 ans Internet angeschlossen worden sei, habe man sich deshalb für eine Kabellösung entschieden. Wenn mobile Geräte (Tablets) zum Einsatz kommen, dann wird im entsprechenden Klassenzimmer ein temporäres WLAN erstellt. «Es war und ist noch immer nicht abschliessend bekannt, ob elektromagnetische Felder von WLAN-Routern ein gesundheitliches Risiko für die Schüler darstellen.»

Leuenberger verweist auf die entsprechenden Anmerkungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Das BAG schreibt auf seiner Homepage: «Ob die elektromagnetischen Felder von WLANs ein gesundheitliches Risiko darstellen, ist im Moment nicht bekannt.»

Hans-Ulrich Jakob vom Verein Gigaherz, der die Bevölkerung über die Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung informieren will, sagt dazu: «Die Risiken sind real.» Die Installation von WLAN an Schulen sei eine Folge des Spardrucks im Bildungswesen, da WLAN-Router günstiger seien als Kabellösungen.

Jakob geht soweit, den Entscheid für kabelloses Internet in den Klassenzimmern als «Dummheit der Schulbehörden» zu bezeichnen. Die Gefahr gehe vor allem vom zu geringen Abstand zwischen den sendenden Routern in den Klassenzimmern und den Schülern aus. «Die einzige Alternative sind Kabelanschlüsse», erklärt Jakob.

Kabel gibt Sicherheit

Gänzlich auf WLAN verzichten die Schulen in Othmarsingen, Seon, Zetzwil sowie das Schulhaus Husmatt in Gontenschwil und das Centralschulhaus der Kreisschule Homberg in Reinach. Fürchtet man hier negative Auswirkungen der WLAN-Strahlen auf die Schüler? «Nein», erklären die fünf Schulen unisono.

Die Schulen geben an, die installierten Kabellösungen hätten sich bewährt, Handlungsbedarf gäbe es bisher keinen und die Netzsicherheit sei bei den WLAN-Lösungen – anders als bei den herkömmlichem Kabellösungen – nicht gewährleistet. Von Strahlenangst keine Spur.