Der 56-jährige Schweisser und Gleisarbeiter M.M. aus Bosnien,  der seit 1999 in der Schweiz lebt, bestritt am Montag vor Bundesstrafgericht vehement, am frühen Morgen des 3. April 2014 in Buchs eine Handgrante gegen seine von ihm getrennt lebende Ehefrau geworfen zu haben.

Der Vorfall ereignete sich kurz nach 6.30 Uhr. Er habe um diese Zeit noch geschlafen, etwas später seine Sachen gepackt, um nach Bosnien zu fahren.

Prozess gegen mutmasslichen Handgranaten-Werfer von Buchs eröffnet

Verteidiger: «Er wirkt auf mich erstaunlich gefasst und er wirkt auch irgendwie resigniert.»

Der in Slowenien aufgewachsene Mann trat  im grauen Anzug vor Gericht. Ein Dolmetscher übersetzte seine Aussagen ins Deutsche. Er bestritt nicht, dass es gravierende Eheprobleme gab, negierte allerdings jegliche Art von Gewalt. «Ich habe nie geschlagen, nie ein böses Wort gesagt», beteuerte er.

Und obwohl auf der Handgranate, die an diesem Morgen auf dem Troittoir explodierte, seine DNA-Spuren sichergestellt worden waren, sagte er: «Ich habe nie eine Handgranate oder andere Waffe in der Hand gehabt.»

Den Ort, an dem seine inzwischen von ihm geschiedene Frau verletzt wurde, kannte er aber gut, da er selbst in der Nähe mit seiner Ex-Frau gewohnt hatte und seit der Trennung fast täglich mit dem Auto dort vorbei fuhr.

Anklage gegen den Handgranatenwerfer von Buchs - deshalb glaubt der Verteidiger an seine Unschuld und so geht es dem Opfer heute. "Tele M1"-Bericht vom 19. Januar 2015.

Anklage gegen den Handgranatenwerfer von Buchs - deshalb glaubt der Verteidiger an seine Unschuld und so geht es dem Opfer heute. «Tele M1»-Bericht vom 19. Januar 2015.

Ganz anders tönte es am Montagnachmittag, als seine 60-jährige Ex-Frau vor Gericht als Auskunftsperson befragt wurde. Um eine Gegenüberstellung zu vermeiden, verfolgte der Beschuldigte die Befragung aus seiner Sicherheitszelle im Keller des Bundesstrafgerichts.

Die Frau schilderte das helle Licht und den plötzlichen Knall am Tag der Tat, als sie auf der Lenzburgerstrasse zu Fuss unterwegs war. Sie habe zuerst gar nicht begriffen, was vor sich ging, sei aber dann sicher gewesen, dass ihr Mann sich im Wald versteckt hatte, um von dort die Granate zu werfen.

Ihren Mann habe sie aber nicht selbst gesehen, erklärte sie, im Gegensatz zu einer Aussage gegenüber der Polizei nach der Tat. Damals hatte sie zu Protokoll gegeben, ihren Ehemann gesehen zu haben. «Ich meinte einfach, dass er es 100-prozentig war», erklärte sie diesen vermeintlichen Widerspruch.

Mann wirft in Buchs Handgranate auf seine Frau

Ein Mann wirft in Buchs Handgranate auf seine Frau - das sagen die Anwohner und ein Verwandter. «Tele M1»-Bericht vom April 2014.

Denn ihr Mann habe sie schon tagelang verfolgt, habe ihr nachgestellt und sie fotografiert. Früher habe er sie auch schon mal geschlagen oder in einen dunklen Raum eingesperrt. Es gab auch SMS mit Drohungen.  

Sicher ist, dass der ganze Vorfall in komplizierten und zerrütteten Verhältnissen geschehen ist. Für M.M. war es die zweite Ehe, er hat ein 23-jähriges Kind aus erster Ehe in Slowenien. Er hatte nach eigenen Aussagen keine Freunde in der Schweiz, doch finanziell ging es ihm gut: Dank Nacht- und Sonntagsschicht kam er auf 7000 Franken Bruttomonatslohn.

Die mittlerweile geschiedene Ehefrau war zuvor schon zwei Mal in Bosnien verheiratet gewesen und hat einen Sohn, der auch im Kanton Aargau lebt. Sie war Tellerwäscherin, erhielt dann in der Schweiz eine IV-Rente, die  aber widerrufen wurde. Grund für diesen Widerruf sind gemäss ihrer Darstellung unter anderem Fotografien, die ihr Mann von ihr gemacht hat.

Seit der Tat leidet die Frau nach eigenen Angaben unter Schlaflosigkeit und dauerhaften Schmerzen. Ein Splitter der Handgranate hatte sie im Unterleib getroffen, allerdings hatte sie diesen offenbar nicht sofort bemerkt. Sie zeigte eine Schachtel mit etlichen Tabletten, die sie jeden Tag schlucken müsste.

Die Hauptverhandlung wird am Dienstag fortgesetzt. Bundesstaatsanwalt Peter Lehmann wird plädieren und seinen Strafantrag stellen. Er geht davon aus, dass der Beschuldigte die Ehefrau beseitigen wollte, um sich Vorteile zu verschaffen (die az berichtete). Dann folgt das Votum der Verteidigung. Das Datum der Urteilseröffnung steht noch nicht fest.