Ab heute muss sich ein Bosnier aus dem Kanton Aargau vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona wegen versuchten Mordes verantworten. Die Tat ereignete sich vor einem Jahr in Buchs.

Es war Donnerstag, der 3. April 2014. Morgens um 6.30 Uhr warf der beschuldigte M. M. an der Lenzburgerstrasse in Buchs eine Handgranate unmittelbar vor seine von ihm getrennt lebende Ehefrau. Diese war auf dem Trottoir unterwegs. Die Granate explodierte auf offener Strasse und verletzte die Frau am mittleren Finger. Ein Kügelchen drang zudem rund sieben Zentimeter in deren Unterleib ein. So beschreibt Bundesstaatsanwalt Peter Lehmann den Tathergang in der Anklageschrift und spricht von «einer besonders skrupellosen Tat». 

Mann wirft in Buchs Handgranate auf seine Frau

Ein Mann wirft in Buchs Handgranate auf seine Frau - das sagen die Anwohner und ein Verwandter. "Tele M1"-Bericht vom April 2014.

Die Ermittlungsbehörde ist überzeugt, dass es sich um einen versuchten Mord handelt. Die Ehe sei zerrüttet gewesen. Und der beschuldigte Bosnier, ein 56-jähriger Schweisser und Gleisarbeiter, habe viele Motive gehabt, die Ehefrau beseitigen zu wollen. Insbesondere habe er sich der richterlich angeordneten Unterhaltszahlungen in der Höhe von 2400 Franken pro Monat entledigen wollen. Zudem habe er daran gedacht, ein Eigenheim mit Umschwung in Bosnien-Herzegowina nicht mit der Ehefrau teilen zu müssen. Mehr noch: Laut Bundesanwaltschaft spekulierte er auf eine Witwer-Rente, um sich materiell besserstellen zu können. Zudem störte die Ehefrau offenbar eine neu eingegangene Liebesbeziehung des Mannes.

Prozess auf zwei Tage angesetzt

Drei Tage nach dem Delikt wurde der Beschuldigte in Chiasso gestellt. Seither befindet er sich in Haft. Die Ehefrau hat sich als Zivilklägerin konstituiert, ebenfalls eine Immobilienbesitzerin. Bei der Detonation wurden drei Fensterscheiben eines benachbarten Gebäudes beschädigt. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Bosnier mit dem Wurf der Handgranate des Typs M75 zumindest in Kauf nahm, dass seine Ehefrau lebensgefährlich verletzt werden würde. Er habe um die Kraft dieser Granate gewusst, die noch heute in den Armeen der Länder des ehemaligen Jugoslawien weit verbreitet und auf dem Schwarzmarkt für 10 Euro erhältlich sei. Bei einer Detonation werden gemäss Anklageschrift rund 3000 Stahlkügelchen weggeschleudert.

Anklage gegen den Handgranatenwerfer von Buchs - deshalb glaubt der Verteidiger an seine Unschuld und so geht es dem Opfer heute. "Tele M1"-Bericht vom 19. Januar 2015.

Anklage gegen den Handgranaten-Werfer von Buchs - deshalb glaubt der Verteidiger an seine Unschuld und so geht es dem Opfer heute. "Tele M1"-Bericht vom 19. Januar 2015.

Am Montag beginnt die Hauptverhandlung vor Bundesstrafgericht in Bellinzona. Und man darf gespannt sein, was der Beschuldigte zu seiner Verteidigung vorzubringen hat. Laut Bundesanwaltschaft hat die Ehefrau keinen bleibenden körperlichen Schaden davongetragen, leidet aber seit dem Vorfall unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Das Gericht stuft diesen Fall als schweren ein. Der Spruchkörper besteht aus drei Richtern. Der Prozess ist vorerst auf zwei Tage angesetzt. Das Datum der Urteilseröffnung steht noch nicht fest.