Zum Gedenken
Hammerwerfer Hansruedi Jost starb an seinem 82. Geburtstag

Zum Gedenken an den Hammerwerfer Hansruedi Jost: Der Hinschied seines sportlichen Entdeckers und Mentors trifft den Autor dieser Zeilen persönlich. Er erinnert sich, wie sich vor 50 Jahren aus einem Meister-Lehrling-Verhältnis Jost-Wehrli rasch das Spitzenduo der Schweizer Hammerwerfer-Szene herausbildete.

Hansruedi Wehrli*
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KEYSTONE

Wir waren im selben Aarauer Quartier aufgewachsen, der Kaminfeger und der Bezirksschüler, die sich im Herbst 1956 auf dem Turngelände des fünfjährigen Gönhard-Schulhauses «vor ihren Haustüren» erstmals und zufällig begegneten, er 22, ich 14. Was wir teilten, waren der Vorname Hansruedi und die Begeisterung für die Leichtathletik. Der Ältere war der aufstrebende Stern unter den Schweizer Werfern, und am Ende des Nachmittags war der Jüngere ein anderer Kugelstösser.

Hansruedi Jost hatte mich in die neue Technik des Olympiasiegers O’Brien eingeführt: Beginn mit dem Rücken zur Stossrichtung, Anschwung, Gleiten auf einem Fuss, Abstoss aus maximaler Körperspannung.

Die Offerte an den Zögling

Mit der Kugel (15,32 Meter) und dem Diskus (45,97 Meter) mischte der Modellathlet mit dem Gardemass 186 cm und dem Bürstenschnitt nach Mode der US-Cracks an der Schweizerspitze mit. Weltklasse aber verkörperte er mit dem 7,26 kg schweren Wurfhammer, was ihn 1960 an die Olympischen Spiele in Rom führte. Der siebenfache Schweizer Meister verbesserte die Rekordweite von Roger Veeser innert weniger Jahre von 51,21 Metern auf 61,93 Meter. Was für eine Ambiance und Chance für den Verfasser dieser Zeilen!

Ich verdanke Hansruedi Jost alles: meine Entdeckung, meine Begeisterung, meine Schulung als Hammerwerfer, kurz, meine «Erstkarriere von 1957 bis 1965. (Die «Zweitkarriere» von 1979 bis 1989 hatte mit Jost nur noch insofern zu tun, als ich zu Neubeginn eben bereits ein Hammerwerfer war.)

«Dies mirabilis»: Drei Rekorde auf einen Streich

Sonntag, der 3. Juni 1962, mein 20. Geburtstag, schenkte dem BTV die Sternstunde der Hammerwerfer. In einem Versuch der Schweizerischen Vereinsmeisterschaft SVM, Kategorie A, auf der Heimanlage im Aarauer Schachen katapultierte der Maestro seinen letzten Schweizerrekord auf phänomenale 61,93 Meter (heute noch gültiger Aargauer Rekord), während sein Zögling, das Geburtstagskind, als erster Schweizer Junior die Schallmauer von 50 Meter exakt «tüpfte».

Der Disziplinen-Durchschnitt von 56 Meter (und damit eine Riesenpunktzahl) war unser dritter Landesrekord an diesem wundersamen Tag – ein Triumph von Josts Perfektion und Beharrlichkeit als Athlet und Betreuer und eine nationale Anerkennung für den BTV Aarau.

*Hansruedi Wehrli ist Schreiber und Werber am Rohrdorferberg. Als Hammerwerfer zeichnete er sich in seiner Jugend und in seinem Alter aus. Dazwischen pausierte er 14 Jahre. In der Aargauer Bestenliste aller Zeiten liegt er mit 59,14 m an zweiter Stelle.

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