Suhr

«Hätte es nicht anders gewollt» – Generationenwechsel beim «Blumen Racheter»

Yvonne Bachofner hat in ihrer einstigen Lehrtochter Manuela Perrone die richtige Nachfolgerin gefunden.

Yvonne Bachofner hat in ihrer einstigen Lehrtochter Manuela Perrone die richtige Nachfolgerin gefunden.

Yvonne Bachofner (67) übergibt «Blumen Racheter» nach fast 40 Jahren in die Hände von Manuela Perrone (39), die wird den Blumenladen ab Januar 2019 führen wird. Yvonne Bachofner hat in ihrer einstigen Lehrtochter Manuela Perrone die richtige Nachfolgerin gefunden.

«Jetzt passt es einfach», sagt Yvonne Bachofner und lächelt. Jetzt passt es. Mit dem Wechsel, dem Abgeben, dem Kürzertreten. Noch ein strenger Dezember, noch einmal Tage voller Tannnadeln und Glitzerstaub. Dann wird Yvonne Bachofner (67) den «Blumen Racheter» an der Tramstrasse 15 in Suhr nach knapp 40 Jahren in die Hände ihrer einstigen Lehrtochter übergeben. Manuela Perrone (39) wird den Blumenladen ab Januar 2019 führen.

Mit dem Wechsel endet eine über 60-jährige Familiengeschichte: Yvonne Bachofner ist die Tochter von Ernst und Heidi Racheter, die den Blumenladen 1955 eröffnet haben. Als sie die Lehre als Floristin begann, zarte 15 Jahre alt und der Schule überdrüssig, tat sie es gern, aber auch mit einer grossen Portion Pflichtgefühl. «Eine Lehre als Coiffeuse wäre auch toll gewesen», sagt sie. Oder eine Ausbildung zur Textilentwerferin, wie der Berufsberater es vorgeschlagen hatte. «Aber noch einmal vier Jahre Schule und kein eigenes Geld» – Yvonne Bachofner lacht und schüttelt den Kopf, das kam nicht infrage. Also wurde sie Floristin. Nicht im elterlichen Betrieb, sondern bei Frau Boos im badischen Rheinfelden, der einstigen Mitarbeiterin ihrer Eltern.

Tierfutter im Blumenladen

Noch keine zwanzig Jahre alt, kam Yvonne Bachofner zurück nach Suhr, um den Eltern unter die Arme zu greifen. Damals habe der Laden noch anders ausgesehen als heute. «Früher hatten die Leute nicht die Möglichkeit, viel Geld für Blumen auszugeben», sagt sie. Also wurden bei «Racheter» Blumenzwiebeln, Samen, Setzlinge, sogar Tierfutter verkauft.

Auch bei den Blumen gab es deutlich weniger Auswahl als heute. Blumen aus Übersee? Undenkbar. Yvonne Bachofner erinnert sich an Nägeli aus Italien, die im Bastkörbli geliefert wurden, an die Tulpen aus Holland, die mit dem Nachtzug kamen und morgens mit dem Leiterwägeli am Bahnhof abgeholt werden mussten. Und natürlich an die Tannäste, die sie jeweils im Wald zusammensuchte. «Wir haben einfach das Beste aus dem gemacht, was wir zur Verfügung hatten und was die Saison gerade hergab», sagt sie. So schöne Rosen wie heute habe man damals übrigens auch nicht gehabt, sagt sie, und befühlt zärtlich ein rotes Blüten-Köpfchen.

Das letzte Jahr mit Baustelle

Mit knapp 30 Jahren übernahm Yvonne Bachofner den Laden, als Mutter zweier Buben, die sie alleine grosszog. Oftmals habe sie bis tief in die Nacht gearbeitet, sagt sie, sei bereits morgens zum Umfallen müde gewesen. Rund 30 Lehrtöchter und einen Lehrling hat sie in all den Jahren ausgebildet, hat sich durch Tiefs geplagt und über Höhen gefreut wie das jeder Selbstständige tut, hat Generationen von Suhrern aufwachsen sehen, hat Sträusse für Bräute und später für deren Töchter gebunden, einmal gar schon für eine Enkelin, und sagt heute zufrieden: «Ich hätte das alles nicht anders gewollt.»

Selbst über die Konkurrenz durch die Grossverteiler, die heute wie sie Sträusse wie Gestecke anbieten, sagt sie nur: «Wir würden gar nicht alles stemmen können, die Nachfrage ist heute so gross.» Ausserdem biete sie im Blumenladen etwas, was die Grossverteiler nicht haben: Zeit für einen Schwatz, für Persönliches. Sie kennt ihre Kundinnen und Kunden, kennt Vorlieben und Lebensgeschichten. Ein unbezahlbarer Vorteil.

Yvonne Bachofner ist sogar so zufrieden, dass sie noch nicht einmal die Mega-Baustelle aus der Ruhe bringt, die sich seit Februar direkt vor ihrer Ladentür durch Suhr zieht. Natürlich habe die Bauerei Auswirkungen auf die Anzahl Kunden gehabt. «Aber mir hat gefallen, dass da draussen etwas lief, da gab es immer was zu sehen.»

Es bleibt fast alles beim Alten

Und jetzt wird dieses Kapitel nun also per Ende Jahr geschlossen. Wobei – ganz geschlossen doch nicht. Yvonne Bachofner wird auch weiterhin einen Tag pro Woche bei Manuela Perrone im Laden stehen und ausserdem aushelfen, wenn viel zu tun ist. So, wie das auch Manuela Perrone seit der Lehrzeit oft gemacht hat. «Wir haben uns all die Jahre nie ganz aus den Augen verloren», sagt Manuela Perrone.

Deshalb und mit 20 Jahren Berufserfahrung im Rücken weiss Manuela Perrone auch ganz genau, was auf sie zukommt. «Ich freue mich sehr darauf, nach 20 Jahren zurückzukehren und dieses Geschäft mit seiner Familientradition weiterzuführen», sagt sie. Verändern will sie mit der Übernahme nicht allzu viel. Zwar werde sie zwei, drei Sachen modernisieren. «Aber es bleibt blumig und grün, ich werde aus diesem Laden keinen Accessoires-Laden machen.» Gleich bleiben auch die Öffnungszeiten. Und natürlich der Name: Das Geschäft ist und bleibt der «Blumen Racheter».

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