Aarau
Hackbrett und Klavier: Volksmusik, bis auch der Letzte heimgegangen ist

Peter Roschi organisiert die Auftritte von 300 Volksmusikgruppen und 1500 Volksmusikern, die alle über vier Tage verteilt am Eidgenössischen Volksmusikfest auftreten werden.

Hubert Keller
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Peter Roschi programmiert die 300 Volksmusikgruppen, die am Eidgenössischen Volksmusikfest in Aarau auftreten werden.

Peter Roschi programmiert die 300 Volksmusikgruppen, die am Eidgenössischen Volksmusikfest in Aarau auftreten werden.

Chris Iseli

«Eines ist sicher», sagt Peter Roschi, «von Donnerstag, fünf Uhr, bis Sonntagabend, wenn der Letzte heimgegangen ist, wird Musik in der Stadt sein.» Roschi scrollt auf seinem Computer über die Excel-Tabellen: Über 300 Formationen, 1500 Musikanten und Musikantinnen, verteilt auf vier Tage, vier Konzertlokale und 16 Bühnen in den Gassen und auf den Plätzen.

Peter Roschi, Einwohnerrat, Musiklehrer und Turmbläser, organisiert und koordiniert die Wettvorträge und Auftritte der Musikformationen am Eidgenössischen Volksmusikfest, das vom 10. bis 13. September über die Bühne geht. Am Bildschirm kontrolliert er die Tabellen: Wer tritt wann wo wie lange auf? Sind Musikgruppen, Auftrittsorte und -zeiten korrekt eingetragen? «Über 99 Prozent stimmen. So viel ist sicher. Ob es aber 100 Prozent sind?»

Das Telefon läutet. «Warum wollen die nicht begreifen, dass wir für 84 Leute keine Bühne stellen können?» Am andern Ende ist Esther Schmid vom Tourismusbüro aarau info. «Ich habe denen doch erklärt, dass sie die ganze Stadt zur Verfügung haben.» Die Rede ist vom «Grossen Siedlerhof», einer Musikformation aus Baden-Württemberg. «Ich bin froh, dass die kommen.», erklärt Roschi, «aber eine so grosse Bühne liegt einfach nicht drin.»

«Schrecken vor nichts zurück»

Baden-Württemberg ist zusammen mit Reutlingen, der Partnerstadt von Aarau, Gastregion am Volksmusikfest. Die deutschen Nachbarn lassen sich nicht lumpen: Rund 20 deutsche Gruppen werden anreisen. Unter anderen Blechsach, ein Blechbläserquintett, das dieses Jahr das SWR-Blechduell gewonnen hat. Auf ihrer Tournee durch Europa machen sie einen Abstecher in die Schweiz.

«Die schrecken vor nichts zurück», sagt Roschi. Volksmusik ist das nicht, was Gruppen wie Blechsach bieten, zumindest nicht im Sinne der rund 300 Musikformationen aus der Schweiz. «Zu einer ordentlichen Volksmusikbesetzung gehören hierzulande Schwyzerörgeli und Akkordeon, Klarinette, Hackbrett und Klavier, kein Gesang», erklärt Roschi. Doch aus dem Tessin reist eine Bandella an, mit Blechbläsern, das ist selbstverständlich auch Volksmusik.

Und Roschi selber eröffnet das Fest am Donnerstag auf dem Kirchplatz mit seinen Turmbläsern und dem Bläsertrio «entweder-aber» aus Zofingen, in deren Melodien sich vom Oberturm her das Glockenspiel einmischen wird. Streng genommen keine Volksmusik, aber immerhin volkstümliche Musik.

Der strengen Jury in den Wettspiellokalen im Stadtmuseum, im Kultur- und Kongresshaus und im Theater Tuchlaube werden sich nur die reinen Volksmusikformationen stellen, bevor oder nachdem sie zum eigenen Plausch und zur Freude des Publikums auf den Bühnen in den Gassen aufspielen, beziehungsweise aufgespielt haben.

Roschi am Anschlag?

Die Auftritte auf den Bühnen in den Gassen zu koordinieren, kostete Roschi Nerven. Gruppen, die am Samstagabend ein Engagement haben, wollten nur am Samstagmorgen in Aarau auftreten, eng begrenzt auf ein kurzes Zeitfenster. Dann gibt es Doppelspieler, Musikanten, die in zwei Formationen mitwirken. Gleichzeitig können die nicht programmiert werden.

Und schon läutet wieder das Telefon. «Das habe ich noch nie gehört, dass an einem Verbandsanlass Gagen bezahlt werden.» Es gab tatsächlich Formationen, die solche verlangten. Und doch, am Eidgenössischen in Aarau gibt es Gagen.

«Jede Musikantin, jeder Musikant bekommt eine Fünfzigernote», sagt Roschi, «plus für die ganze Formation 50 Franken Spesen.» Das sei ganz neu an einem Verbandsfest. Die Bratwurst und das Bier müssen die Musikanten aber selber bezahlen.

Das ist offenbar bei der Bratwurschtmusig aus Baden-Württemberg anders, zumindest war es früher anders. Der Name leitet sich nämlich davon her, dass Bratwurschtmusiker sich statt mit klingender Münze mit einem vollen Bauch zufrieden gaben.

Total international

Und dann kommt Roschi auf einen speziellen Anlass zu sprechen. Am Vorabend öffnet sich das Eidgenössische nämlich vollständig der internationalen Volksmusik. Roschi zählt auf: «Argentinien, Balkan, Finnland, Afrika, Philippinen, Portugal, Korea, Weissrussland – das sind längst nicht alle.»

Die Kontakte zu den fremdländischen Formationen in der Schweiz kamen mit der Unterstützung der Fachstelle Integration Aargau und ausländischer Botschaften in der Schweiz zustande. Musiker, Tanzgruppen, Chöre mit zum Teil fast 50 Leuten, insgesamt 30 Formationen, die am Donnerstag in den Gassen und auf den Plätzen der Innenstadt auftreten.

«Es wird Musik sein in der Stadt», sagt Musiklehrer Roschi und beugt sich wieder über seine Excel-Tabellen. «Kein Zweifel, das kommt gut.»