Jubiläum

Gut-bürgerliche Küche und 146 Jahre Geschichte: Suhrs gastronomisches Herz

David und Vreni Anderegg-Dietiker unter den Reben vom «Dietiker» in Suhr.

David und Vreni Anderegg-Dietiker unter den Reben vom «Dietiker» in Suhr.

David und Vreni Anderegg-Dietiker führen seit 30 Jahren das traditionellste Restaurant Suhrs, den «Dietiker». Das Ehepaar übernahm das Restaurant in der fünften Generation. Vreni ist schon ihr ganzes Leben damit verbunden.

Ein Familienbetrieb mit gut-bürgerlicher Küche und 146 Jahre Geschichte: Das Restaurant Dietiker ist nicht nur die wohl letzte echte Dorfwirtschaft in Suhr, es ist auch der Ort, wo die Gesellschaftlichkeit und der Dorfgeist in der stetig anwachsenden Gemeinde aufrechterhalten wird. Zentral gelegen gleich beim Gemeindehaus, ist der «Dietiker» die Wirtsstube vom bodenständigen Handwerker wie vom Büroangestellten im Anzug, der allgemeine Stammtisch der Bevölkerung oder das Ausflugsziel von vielen lokalen Familien.

Und es ist nicht zuletzt selber ein Familienbetrieb: 1990 übernahm das Ehepaar Vreni und David Anderegg-Dietiker das Restaurant in der fünften Generation. Gegründet wurde es von Vrenis Ur-Urgrossvater Jakob, der 1874 eine kleine Gaststube an das damalige Bauernhaus anbauen liess.

Das Restaurant sollte in der Familie bleiben

Vreni und David Anderegg-Dietiker feiern nun das 30-Jahr-Jubiläum als Wirte des Restaurants, wobei Vreni schon ihr ganzes Leben damit verbunden ist. «Meine Mutter starb, als ich neun Jahre alt war. Für uns Geschwister hiess es demnach immer: Nach der Schule mussten wir im Restaurant dem Vater helfen», erzählt sie.

Als es dann um seine Nachfolge ging, war für sie klar, dass der «Dietiker» auf keinen Fall in fremde Hände übergeben werden durfte. Sie fragte ihren Ehemann David, ob er mit ihr das Restaurant übernehmen wollte. «Am Anfang war ich eigentlich nicht so von der Idee begeistert», erinnert er sich. Er willigte aber ein – versuchsweise für mal fünf Jahre.

Als Lastwagenchauffeur bei Huber Bau in Wöschnau mochte er seinen Job eigentlich sehr, kehre aber nie mehr zu seinem ursprünglichen Beruf zurück. Immerhin kommen seine ehemaligen Arbeitskollegen noch heute ab und zu ins «Dietiker» zum Essen, das als beliebter Stopp bei Chauffeuren oder Bauarbeitern über Mittag meistens gut belegt ist.

«Nebenbei noch vier Kinder aufgezogen»

Das Restaurant gilt als Treffpunkt für lokale Vereine, unter anderem des Schwingklubs Aarau, bei dem David Anderegg als Nachwuchstrainer sehr engagiert ist. In den 30 Jahren, in denen das Ehepaar im «Dietiker» wirtet, hat sich natürlich einiges verändert.

Die Kegelbahn wurde abgerissen und es entstanden sieben Gästezimmer, auch die alte Scheune wich einer kleinen Wohnung und einem grossen Saal für über 90 Personen. Neu entstand im ersten Stock unter anderem auch die Schwingergade für bis zu 20 Personen. «Heute musst du als Wirtshaus flexibel sein, um zu überleben», sagt David Anderegg. «Du musst immer mit der Zeit gehen, aufbauen und gleichzeitig aber auch auf dem Boden der Realität bleiben.»

Das Wirtepaar investierte immer wieder ins Lokal. «Und nebenbei haben wir noch vier Kinder aufgezogen», sagt er. Alle Familienmitglieder helfen aus im Lokal, wobei auch die Mitarbeitenden bereits zur Familie zählen, wie Vreni Anderegg-Dietiker sagt. «Wir tragen das Lokal als Familie.»

Grundehrliche Küche «ohne Schnickschnack»

Auf der Speisekarte stehen die soliden Menus, auf die man sich beim «Dietiker» verlassen kann. «Eine grundehrliche Küche, saisonal angepasst – aber ohne Schnickschnack», wie David Anderegg sagt. Das Cordonbleu oder die Rösti geniessen einen hervorragenden Ruf. Vom 15. bis 17. Oktober findet wieder die traditionelle Metzgete statt.

Das Wirtepaar investierte zwar immer wieder viel, um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden. Manche Dinge blieben aber gut erhalten – nebst der Metzgete etwa auch die Reben, die Anfang Herbst wie ein wohlig duftendes Dach über den Aussensitzplätzen hängen. Aus den Trauben vom «Dietiker» wird jedes Jahr der Hausgrappa gebrannt – ausgeschenkt jeweils den vielen treuen Gästen, die das Herz von Suhr im «Dietiker» weiter pochen lassen.

Aargauer Gastro-News 2020

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