Aarau
Güselwehr mit Beistand von Stadt und Polizei: Jeder soll selbst wischen

Stadtpolizei, Detailhandel und Wirte bündeln die Kräfte, damit die Stadt sauberer wird. Die Wirte und Ladeninhaber werden aufgerufen, buchstäblich vor der eigenen Tür zu wischen.

Hubert Keller
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Die «Güselwehr» im Einsatz: Seit einem Jahr ist ein Dutzend Freiwilliger jeden Samstagmorgen, mit Kralle und Kehrichtsack bewaffnet, in der Stadt unterwegs, um dem Güsel zu wehren. Archiv Patricia Schoch

Die «Güselwehr» im Einsatz: Seit einem Jahr ist ein Dutzend Freiwilliger jeden Samstagmorgen, mit Kralle und Kehrichtsack bewaffnet, in der Stadt unterwegs, um dem Güsel zu wehren. Archiv Patricia Schoch

Patricia Schoch / az

«Wenn alle ihren Beitrag leisten, kann es gelingen, dass die Stadt sauberer wird», sagt Polizeichef Daniel Ringier. Also haben Vertreter von Stadtbauamt, Gastronomie, Detailhandel, Stadtpolizei und «Güselwehr» an einem Treffen beschlossen, gemeinsam und verstärkt gegen die Verschmutzung der öffentlichen Plätze und Strassen vorzugehen.

Das Treffen war auf Betreiben der «Güselwehr» zustande gekommen. Diese ist vor einem Jahr von Andreas Brändli und Marcel Suter (Präsident der Detaillistenvereinigung Zentrum) ins Leben gerufen worden. Jeden Samstagmorgen in der Früh ist ein Dutzend Freiwilliger, mit Kralle und Güselsack bewaffnet, unterwegs, um dem Unrat in der Stadt zu wehren.

Vonseiten der Stadt und der Stadtpolizei vermissten sie bis anhin den erhofften Rückhalt, doch aufgeben wollten sie nicht. Also wurden sie mit ihrem Anliegen bei Stadträtin Regina Jäggi und Daniel Ringier, Chef Stadtpolizei, vorstellig.

Die erwartete Unterstützung ist ihnen nun zugesichert worden. Die Vertreter von Stadtrat, Stadtpolizei, und der erwähnten Organisationen haben zusammen mit der «Güselwehr» ein koordiniertes Vorgehen abgesprochen.

«Wer in Aarau in den Ausgang geht und zum Shopping kommt, findet die Stadt besenrein vor», heisst es in einem Brief, den sie gemeinsam unterschrieben haben. In diesen Tagen flattert er in die Briefkästen der Wirte und Ladeninhaber. Diese werden aufgefordert, «vor ihrer eigenen Tür zu wischen». Im buchstäblichen Sinn. «Wenn jeder ein paar Quadratmeter mehr wischt, als er unbedingt muss, ist viel erreicht», sagt Polizeichef Ringier.

Wenn ein Wirt der Meinung sein sollte, dass das nicht seine Aufgabe sei, dem wird im Brief wie folgt entgegnet: «Wir wollen als Vorbilder wirken, gemeinsam mit den Leuten des Werkhofs und der Stadtpolizei, dem Detailhandel, der Gastronomie und der ‹Güselwehr›.»

Bussen allein helfen nicht

Die Stadtpolizei wird gemäss Ringier vermehrt in den Nächten von Freitag auf Samstag Kräfte aus dem verkehrspolizeilichen Bereich abziehen und in den Kampf gegen Littering schicken. Das Wort «Kampf» passt Ringier allerdings nicht. «Wir werden überwachen, die Leute auf das Littering-Problem aufmerksam machen und freundlich aber bestimmt die Ordnung durchsetzen.»

Uneinsichtige Leute sollen konsequent verzeigt und gebüsst werden. Ringier warnt jedoch davor zu glauben, dass mit Verzeigungen allein das Grundübel aus der Welt geschafft wird.

Stadträtin Jäggi sieht das ebenso: «Dass sich Leute verantwortungslos und respektlos im öffentlichen Raum aufhalten, ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.» Kurzfristig könne da kaum viel geändert werden.

Die Stadtpolizei wird ihre Einsätze vor allem an den von der «Güselwehr« längst ausgemachten Hotspots verstärken: das Starbucks im Kasinopark, der Veloparkplatz im Behmen, der Färberplatz. Seit der Schliessung der Lokale in der Liegenschaft «Kettenbrücke», wo die Arbeiten für ein neues Hotel begonnen haben, ist das Littering-Problem in der unteren Stadt merklich geringer geworden.

Ein Lob hat Stadträtin Regina Jäggi für die «Güselwehr» übrig: «Ihr Einsatz hat Signalwirkung.» Die «Güselwehr» wird also weiterhin am Samstagmorgen unterwegs sein. Die Werkhof-Mitarbeiter werden ihre Reinigungstouren entsprechend den wechselnden Bedürfnissen optimieren. Die Stadtpolizei wird sich dem Treiben auf den stark frequentierten Plätzen widmen. Und die Bewohner und Besucher der Stadt? Eigentlich wäre ja Littering ein Problem, das alle etwas angeht. Dieser Meinung ist zumindest Stadträtin Regina Jäggi.