Aarau
Gruppenpraxis eröffnet: Aarauer Hausärzte arbeiten zusammen

Kurz vor ihrem Ruhestand eröffnen drei Hausärzte mit zwei jungen Ärzten eine Gruppenpraxis in Aarau. Das Zusammenspannen ist eine Winwin-Situation für beide Generationen.

Sabine Kuster
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Die Hausärzte: (v.l.) Julia Scheumann, Marcel Buchser, Verena Hertig und Christian Ludwig. Alex Spichale

Die Hausärzte: (v.l.) Julia Scheumann, Marcel Buchser, Verena Hertig und Christian Ludwig. Alex Spichale

Gruppenpraxen sind keine Neuheit mehr – in der Region um den Aarauer Bahnhof schon gar nicht. Dennoch hat die Praxis, welche fünf Aarauer Hausärzte am kommenden Montag eröffnen, Pioniercharakter: Es ist nämlich kein Zufall, dass drei der Ärzte kurz vor bzw. bereits im Pensionsalter und die beiden anderen Berufseinsteiger sind.

«So haben einerseits wir älteren Chancen, Nachfolger zu finden. Andererseits kommen die Jüngeren einfacher zu einer vollen Patientenkartei», sagt Christian Ludwig. Er ist seit 28 Jahren Hausarzt in Aarau.

Nun übernimmt er die medizinische Geschäftsführung des Doktor-Zentrums Behmen. «Die Idee dafür», sagt er, «ist schon viele Jahre alt.» Klar sei immer gewesen, dass er dies nur zusammen mit jungen Ärzten wagen würde, welche die Gruppenpraxis dann auch weiterführen.

Pionierprojekt für Argomed

Schliesslich hat ihn ein alter Studienkollege dazu gebracht, die Idee in die Tat umzusetzen: Kurt Kaspar, Präsident des Verwaltungsrates der Argomed. Die Firma mit Sitz in Lenzburg unterstützte bisher einzelne Hausärzte im Betrieb ihrer Praxen und bei der Nachfolgeplanung.

Als Betriebsgesellschaft für Praxen ist die Firma der grösste Anbieter in der Schweiz.

Nun will Argomed den Aufbau von Gruppenpraxen fördern, die den Ärzten selbst gehören. Das Doktor-Zentrum Behmen ist das Pionierprojekt.

Die Firma organisierte die amtliche Bewilligung, übernahm die Finanzierung der Infrastruktur, half bei der Standortsuche und wird die Ärzte weiterhin in der Informatik, der Buchhaltung und Organisation unterstützen. Daniel Hotz von Argomed ist deshalb der kaufmännische Geschäftsführer der Gruppenpraxis.

So wird Teilzeitarbeit möglich

Ältere, lokal verankerte Hausärzte gründen gemeinsam mit jungen Hausärzten eine Gruppenpraxis – Daniel Hotz ist von diesem Modell überzeugt: «In Zukunft haben Hausärzte nur so eine reale Chance, ihren Patienten einen begleiteten Übergang zur jüngeren Hausärztin zu ermöglichen.»

Zudem könnten nur so junge Ärzte gewonnen werden. Mehr als die Hälfte der Medizinstudentinnen sind heute weiblich und diese möchten Teilzeit arbeiten können, was fast nur in einer Gruppenpraxis realisierbar ist.

Gesucht werden Nachfolger

Das ist das nächste Ziel des Doktor-Zentrums Behmen: Nachfolger für die drei älteren Hausärzte zu finden. Deren frühere Praxen in Aarau sind nun geschlossen. Am Montag empfangen sie ihre Patienten zum ersten Mal im «Doktor-Zentrum», zusammen mit ihren zwei jungen Kollegen (siehe separater Text).

«Ich freue mich darauf», sagt Christian Ludwig. «Eine neue Einrichtung, ein grösseres Labor, eine bessere IT – das ist immer schön.» Doch er weiss auch: Nach 28 Jahren, in denen er alles alleine entschieden hat, wird der Wechsel in die Gruppenpraxis eine Herausforderung.

Andererseits sagt er: «Der Austausch mit den Kollegen ist fruchtbar. Man kann die Verantwortung teilen.» 10 000 Patientenakten bringt er mit in die Praxis, manche davon mit 150 Papierseiten Krankengeschichte. Rund 1500 davon sind aktuelle Patienten.

Deren Daten und Geschichten müssen nun in ein einheitliches System übertragen werden. Somit geschieht, was schweizweit erst bei einem Viertel aller Patientenakten der Fall ist: Sie werden digital abrufbar.

Ein grosser Aktenberg

Gegen 5000 Patientenakten werden in im Doktor-Zentrum Behmen zusammenkommen. Für die Erfassung dieses Aktenberges hat Argomed eigens Personal eingestellt.

Das Ziel ist die bessere Vernetzung, auch für Ferienvertretungen. Das Fernziel, dass Hausärzte auch digital Zugriff auf die Daten oder Röntgenbilder des Kantonsspitals hätten, wird nicht so schnell Realität. «Es wäre wirtschaftlich, es gäbe weniger Doppelspurigkeiten», sagt Ludwig.