Vorgesehen ist ein drei Meter breiter Streifen, auf dem Grüngut kompostiert wird. Und zwar am Rand von insgesamt 19 Parzellen im Rohrer Schachen, östlich und westlich der Bibersteinerstrasse. Die östliche Begrenzung bildet der Baumann-Giessen, die westliche der südliche Bibersteiner Giessen. Das Gesuch liegt bis zum 13. Januar öffentlich auf.

Die 19 Parzellen befinden sich im Besitz der Einwohnergemeinde Aarau, der IBAarau Trinkwasser AG, der IBAarau Strom AG, einer Erbengemeinschaft sowie von Schachenhof-Bauer André Wyss. Soweit das Land nicht Wyss selber gehört, wird es von diesem als Pachtland bewirtschaftet. Er ist demnach der Nutzniesser der Anlage. Gesuchstellerin ist die Kompostiergruppe Aarau Nord, vertreten durch das Stadtbauamt Aarau.

Die Kompostiergruppe Aarau Nord besteht seit 1994 und umfasste bei ihrer Gründung ausser der Stadt Aarau die Gemeinden Küttigen, Erlinsbach AG, Niederlinsbach und Obererlinsbach sowie Schönenwerd. Inzwischen haben Ober- und Untererlinsbach zu Erlinsbach SO fusioniert. Schönenwerd ist aus dem Verbund ausgetreten.

Allein in der Stadt Aarau werden jährlich gegen 2000 Tonnen Grüngut gesammelt. Rund die Hälfte wird privaten Entsorgern (der Biogasanlage der Häfeli AG Lenzburg) überlassen. Die andere Hälfte wird von der Kompostiergruppe Aarau Nord verwertet, sprich der Landwirtschaft in den dem Verbund angeschlossenen Gemeinden zugeführt. Feldrandkompostieranlagen unterliegen genau definierten Auflagen. Die im Kanton Aargau geltende Richtlinie erlaubt beispielsweise keine Aufbereitungsplätze und Kompostmieten in Grundwasserzonen. Mietenstandorte sind auch in Naturschutzzonen nicht zulässig.

Für nährstoffarme Böden

Indem die Kompostiergruppe die Grünabfälle Landwirten für die Feldrandkompostierung zur Verfügung stellt, unterstützt sie die Empfänger finanziell. Die Kompostierung von Grüngut hilft aber auch jenen Bauern, die über zu wenig nährstoffreiche Böden verfügen, diese anzureichern. Die Bauern werden in der Kompostiergruppe nur als Mitglieder zugelassen, wenn sie vorweisen können, dass ihre Bodenflächen nährstoffarm sind. Das lege der Kanton so fest, sagte die Präsidentin der Kompostiergruppe Aarau Nord, Stadträtin Regina Jäggi, im Mai dieses Jahres vor dem Einwohnerrat. Und der Kanton führe diesbezüglich auch strenge Kontrollen durch.

Vergärung versus Kompostierung

Im Einwohnerrat ging es damals um eine Wosa-Motion der Fraktionen GLP, EVP, Pro Aarau, SP und Grüne. Eines der Ziele der Motion war die Bestimmung eines neuen Indikators zur Sicherstellung einer umweltgerechten Abfallbewirtschaftung. Die Motionäre beantragten, den Anteil der Grünabfälle, die zu Biogas vergärt werden, auf 90 Prozent zu erhöhen. (Der ursprüngliche Antrag sah sogar die Anhebung auf 100 Prozent vor.» Das würde eine fast vollständige Abkehr von der Feldrandkompostierung bedeuten. Der 90-Prozent-Antrag ging schliesslich im Rat mit 24:20 Stimmen durch – gegen den Willen des Stadtrates. Stadträtin Jäggi hatte auf die laufenden Verträge mit Landwirten verwiesen und geraten, zuzuwarten, bis es punkto Biogasanlage allenfalls eine Lösung mit der IBAarau gebe, was aber noch Jahre dauern könne.