Dass im Palas gefeiert wird, war zu Zeiten der Kyburger und Habsburger nichts Aussergewöhnliches. Schliesslich befand sich der Festsaal einer mittelalterlichen Burg wie dem «Schlössli» in diesem Teil der Baute. Wenn heute eine Feier in einer Burg stattfindet, ist das schon eher speziell. Vor allem dann, wenn es dabei um die Burg selbst geht. Genauer gesagt um ihre moderne Umsetzung. Am Samstag erhielt die Stadt den Aargauer Heimatschutzpreis 2016 für den Anbau des Stadtmuseums. Die Feier fand – wie könnte es anders sein – in ebendiesem Anbau, dem neuen Palas des «Schlössli», statt.

Den Auftakt bildete der musikalische Beitrag des Gesangsensembles cappella argovia. Mit drei Liedern von Felix Mendelssohn Bartholdy entführten die jungen Sänger das Publikum aus dem Jetzt in die Vergangenheit. Und damit auch ein Stück weit ans Thema des diesjährigen Preises heran: «Bestehendes festigen und Neues ermöglichen». Ein Zusammenspiel zwischen Vergangenem und Neuem. Die Stadt Aarau – darin waren sich die Redner einig – erfülle dieses Motto mit dem Anbau an das Stadtmuseum beispielhaft. «Die bestehenden alten Räume wurden einfühlsam saniert, ohne den historischen Charakter zu verlieren», sagte Nicoletta Brentano-Motta, Obfrau der Jury. Regierungsrätin Susanne Hochuli sagte: «Heute fühlt es sich wie eine Zeitreise an, wenn man durch die durchbrochenen Mauern vom neuen Erweiterungsbau in die alten Räumlichkeiten geht.»

Neubau brauchte Courage

Vor sieben Jahren hat die Aarauer Bevölkerung den Kredit für die Sanierung und den Erweiterungsbau gutgeheissen. Das Projekt wurde nach einem Wettbewerb von den Architekten Diener & Diener und Steinmann umgesetzt. Es kostete rund 18 Millionen Franken. Seit 2015 prägt der moderne Neubau mit seiner künstlerischen Fassade nun das Stadtbild. Dank des gewonnen Platzes finden im Museum regelmässig Ausstellungen mit multimedialem Schwerpunkt statt. So soll das Stadtmuseum für alle Altersklassen attraktiv sein. Von einem, «grossen, beispielhaften und damit preiswürdigem Verständnis für die Ziele und Bestrebungen des Aargauer Heimatschutzes», sprach Obmann Christoph Brun. Martin Heller, Kulturunternehmer aus Zürich, lobte in seiner Laudatio die Weitsicht und den Mut der Stadt, ein solches Projekt umzusetzen.

Mut brauchte es tatsächlich. Denn der Bau wurde komplett anders umgesetzt, als ursprünglich vorgesehen: Er wurde nicht an der Ostseite, sondern an der Westseite des Turms realisiert. Also zwischen «Schlössli» und KuK. «Selbstverständlich erntete die Stadt dafür anfänglich kritische Fragen», sagte Stadtpräsidentin Jolanda Urech. Doch das Ergebnis zeige, dass «wer bereit ist, Angedachtes und Bestehendes zu hinterfragen, auch beschenkt werden kann».

Der Preis bleibt im Museum

Beschenkt wurde die Stadt vom Aargauer Heimatschutz in Zusammenarbeit mit der Neuen Aargauer Bank, repräsentiert durch Verwaltungsratspräsident Josef Meier, nicht nur mit einer Urkunde, sondern auch mit einem Preisgeld von 10 000 Franken. «Was soll die Stadt damit tun?», fragte Martin Heller. Die Antwort lieferte er gleich selbst: Die Zuständigen sollen das Geld dem Stadtmuseum geben. Jolanda Urech versprach daraufhin, dass der Preis in dem von Kaba Rössler geleiteten Museum bleiben werde. «Der Aargauische Heimatschutzpreis 2016 soll allen Besucherinnen und Besuchern jederzeit vor Augen führen, wie unser einzigartiges Museum gewürdigt und geschätzt wird.»

Mammutbaum verewigt

Nicht immer wurde die Umsetzung des Anbaus von allen geschätzt. Im Laufe der Planung gab es immer wieder Diskussionen. Sei es über das langsame Fortschreiten der Arbeiten, den anhaltenden Baulärm oder nicht zuletzt den über hundertjährigen Mammutbaum, der dem Palas weichen musste. Unbekannte stellten 2012 sogar ein hölzernes Kreuz auf den Strunk, um ihr Bedauern über das Fällen des Baums auszudrücken. Schliesslich wurde der Mammutbaum in der künstlerisch gestalteten Fassade verewigt.

Heute scheinen das Interesse und die Freude am neuen Museum zu überwiegen. Im Jahr 2016 besuchten bis Anfang Oktober rund 15 000 Menschen das Museum. «Die Stadt Aarau hat mit viel Fingerspitzengefühl, Mut und Kreativität den richtigen Weg gewählt, den zu einem wunderbaren, einzigen Museum», sagte Jolanda Urech.

Beendet wurde die Feier im Palas wie im Mittelalter. Mit Musik, gespielt von der Violinistin Susanne Dubach Gleditsch, und einer reich gedeckten Tafel.