Plötzlich ging alles ganz schnell: Noch vor drei Wochen erklärte IBAarau-Verwaltungsratspräsidentin Jolanda Urech, der Entscheid bezüglich Kraftwerk-Neubau werde «bis Mitte Jahr» bekannt gegeben. Gestern, an der Generalversammlung des Energie-Dienstleistungsunternehmens, war es dann bereits so weit: «Der Verwaltungsrat hat heute grünes Licht gegeben», sagte Jolanda Urech.

Nächste Woche, am 12. Mai, werden die Verträge mit den Konzessionskantonen Aargau und Solothurn unterzeichnet. Dann sollen Details zum Jahrhundert-Bauwerk publiziert werden. Bekannt ist bis jetzt, dass die IBAarau in Etappen 110 Millionen Franken in die Totalsanierung ihres Wasserkraftwerkes investieren wird. Bisher war stets die Rede gewesen von Beträgen in der Grössenordnung von 150 Millionen Franken. Offensichtlich ist es gelungen, die Kosten zu senken.

Realisierung dauert bis sechs Jahre

Mit dem Bau dürfte nächstes Jahr begonnen werden. IBAarau-Chef Hans-Kaspar Scherrer erklärte gestern, man rechne mit einer Realisierungszeit «von fünf bis sechs Jahren». Er betonte: «Mit dem neuen Kraftwerk legen wir den Grundstein für die 3. Konzessionsperiode.» Gemeint ist die Stromproduktion in der Zeit zwischen 2018 und 2085.

Der Bauentscheid der IBAarau ist auch nationaler Sicht bemerkenswert: Seit dem totalen Zusammenbruch des Strompreises hat sich kaum mehr ein Unternehmen getraut, grünes Licht für ein derartiges Investitionsprojekt zu geben. Im Gegenteil: Die ganz grossen wie Alpiq und Axpo haben wegen ihrer Wasserkraftwerke existenzielle Probleme (gestern in der az).

Der IBAarau geht es dagegen gut. Bei einem Umsatz von 147,3 Millionen Franken erwirtschaftete sie letztes Jahr einen Gewinn von 13,1 Millionen Franken. Allerdings hat auch sie zu kämpfen. So verlor die IBAarau mit Emmi den grössten Gaskunden. Und der Stromabsatz sank um 5,5 Prozent auf 445 Gigawattstunden. Auch hier sind Grossbezüger abgesprungen. Also Kunden, für die – anders als für KMU und private Haushalte – freier Wettbewerb gilt.

Anfang 2018 wird die IBAarau ihren Neubau-Komplex im Torfeld beziehen. Auf diesen Zeitpunkt gibt sie sich auch eine neue Organisationsstruktur, wie CEO Hans-Kaspar Scherrer gestern erklärte. An der Generalversammlung in der Bärenmatte in Suhr gab es keine einzige Wortmeldung. Das Sagen hat ohnehin die Stadt Aarau, die 95,4 Prozent der Aktien besitzt. Fritz Hunziker (63), der Präsident und Delegierte des Verwaltungsrates der Pfiffner Messwandler AG in Hirschthal, trat nach zehn Jahren aus dem IBA-Verwaltungsrat zurück. Er war seit 2010 Vizepräsident. Jolanda Urech würdigte in als Mann, dem nicht nur die Ökologie, sondern auch die Ökonomie ein Anliegen gewesen seien. Hunzikers Nachfolger ist Beat Huber (43, Suhr), neue Vizepräsidentin Corina Eichenberger.

Nächstes Jahr werden Jolanda Urech und Lukas Pfisterer aus dem Verwaltungsrat ausscheiden. Sie sind dann nicht mehr Mitglied des Stadtrates.