Im Aarauer Stadtrat werden drei Sitze frei – die von Jolanda Urech (SP), Regina Jäggi (SVP) und Lukas Pfisterer (FDP). Die Freisinnigen schicken als neue Kandidatin Suzanne Marclay ins Rennen. Die SVP hat ihren Kandidaten Simon Burger nominiert. Und die SP bringt als Neuen Daniel Siegenthaler ins Spiel, der gleich auch Stadtpräsident werden soll. Eigentlich war man davon ausgegangen, dass die SP neben ihrer bisherigen Stadträtin Franziska Graf zwei neue Kandidaten aufstellt und folglich mit einem Dreierticket antritt. Wieso sieht man davon ab? «Wir gehen davon aus, dass die Grünen einen starken Kandidaten präsentieren werden», sagt SP-Stadtparteipräsidentin Gabriela Suter. «Falls dem nicht so sein sollte, behält sich die SP vor, eine dritte Kandidatur zu portieren. Man wird dann wieder alles ansehen.» Kandidaten dazu gäbe es, betont Suter. Auch sie selber «würde sich eine Kandidatur noch einmal überlegen», falls die Grünen am Ende doch keinen Kandidaten bringen.

Was kann das für ein ominöser Kandidat sein, von dem selbst die SP glaubt, er könnte den Sprung in den Stadtrat schaffen? Recherchen der az zeigen: Es handelt sich um Hanspeter Thür (67), ein Schweizer Polit-Urgestein! Tatsächlich bestätigt Thür auf Anfrage: «Ja, ich bin letzte Woche von den Grünen Aarau angefragt worden, ob ich als Stadtrat kandidieren möchte.» Er hätte durchaus Lust auf ein Polit-Comeback, lässt Thür durchblicken, deshalb habe er «nicht sofort Nein gesagt, aber auch nicht sofort Ja». Thür hat sich eine Bedenkfrist bis Ende März ausbedungen.

Politische Vergangenheit

Seine Kandidatur wäre ein Riesencoup für die Aarauer Grünen. Thür ist Jurist und war schon Gross- sowie Nationalrat. Während Jahren stand er der Grünen-Fraktion im Bundeshaus vor und war zwei Jahre lang auch Präsident der Grünen Partei Schweiz. Von 2001 bis 2015 war Thür Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter. Er lebt seit vielen Jahren am Hungerberg, hat ein Anwaltsbüro in der Igelweid, ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter.

In Aarau war Thür in den letzten Jahren vor allem als Projektkoordinator «Alte Reithalle» präsent. Er ist ausserdem Präsident von «szenaario», dem Trägerverein des Theaters Tuchlaube.

Ob die Grünen im Falle einer Absage Thürs einen Trumpf im Ärmel hätten? «Wir führen verschiedene Gespräche», sagt Stadtparteipräsidentin Mirjam Kosch.