Im Auenschutzpark Auenstein-Rupperswil liegt mitten im Fluss eine lange Insel, auf der es sich vorzüglich spazieren und joggen lässt. Doch mit den wenigen Bauten auf dieser Insel gab es von Anfang an Probleme. Etwa mit den beiden Fussgängerstegen, welche die Insel mit dem Festland verbinden und die aus Sicherheitsgründen nachträglich mit Drahtnetzen unter dem Geländer ausgestattet werden mussten. Zankapfel war aber über Jahre hinweg auch eine Aussichtsplattform auf der Südseite der Insel, von wo aus man einen guten Blick auf die Auenlandschaft hat. 2010 wurde sie gebaut – und nun muss sie weg. Bei der Gemeindeverwaltung Auenstein liegt bis zum 21. Januar 2019 das Gesuch für den Abriss auf.

Die Hintergründe dafür erinnern an das «Keba-Debakel» in Aarau: Die öffentliche Hand baut, macht einen Fehler und öffnet Einsprechern Tür und Tor. Doch der Reihe nach. Die Aussichtsplattform war im Auen-Projekt von Anfang an vorgesehen gewesen. Aber etwa 90 Meter vom heutigen Standort entfernt. Weil man beim «Bau» der Auenlandschaft ein altes Brücken-Widerlager entdeckt hatte, entschied die Bauherrin – die Abteilung Landschaft und Gewässer beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) –, die Plattform gleich darauf zu erstellen.

Rüffel vom Regierungsrat

Doch eine Gruppe um den ehemaligen EVP-Grossrat Sämi Richner reichte wegen der Änderung gegenüber dem bewilligten Projekt eine Aufsichtsanzeige ein und bekam 2013 vom Regierungsrat recht: Für den nachträglichen Wechsel des genehmigten Bauplatzes hätte es ein Änderungsgesuch gebraucht. Das BVU musste das Plattform-Projekt 2014 nochmals öffentlich auflegen.

Und es gab Einsprachen von Privaten (nicht Sämi Richner): Neben der Lage waren nun auch die sehr steile Treppe – die Plattform ist nicht barrierefrei – sowie die Konstruktionsweise in der Kritik. Nach einigem Hin und Her machte das BVU den Einsprechern einen Kompromissvorschlag: Wenn sie die Einsprachen zurückzögen, würde man ein neues Projekt ausarbeiten. Gegenüber der AZ betonte man beim BVU, die Konstruktion der alten Plattform sei zwar aus Sicht des Kantons korrekt und die Einsprecher gar nicht dazu legitimiert, man wolle die Sache aber ohne langes Rechtsverfahren lösen.

Der Kanton einigte sich also mit den Einsprechern; und im Mai 2015 genehmigte der Regierungsrat die bestehende Plattform. Allerdings mit der Auflage, dass sie wieder abzubrechen sei, wenn bis Ende 2018 kein «rechtsgenügliches Baugesuch für eine neue Plattform» eingereicht wird.

Angedacht war, dass Studierende der Bauschule Aarau (Unterentfelden) eine neue Plattform planen. Dies sei nicht zustande gekommen, heisst es beim BVU heute auf Anfrage. Die Plattform kommt also weg; das alte Betonwiderlager wird bis maximal einen Meter unter Terrain abgebrochen und das Loch mit Kies aufgefüllt. So steht es im Rückbaugesuch. Nur die Infotafel, die direkt bei der Plattform steht, bleibt bestehen. Ein Nachfolgeprojekt ist nicht in Sicht.