Aarau/Buchs
Grösste Schulfusion im Aargau: Warum sind die Lehrer skeptisch?

Die az beantwortet 20 Fragen zur Bildung der neuen Kreisschule, die aus der grössten Schulfusion im Kanton Aargau resultiert.

Nadja Rohner
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Moderne Unterrichtsmittel sollen auch nach der Fusion eingesetzt werden.

Moderne Unterrichtsmittel sollen auch nach der Fusion eingesetzt werden.

Chris Iseli

Nächste Woche schlägt die Stunde der Wahrheit für die grösste Schulfusion im Aargau. Die Einwohnerräte in Buchs und Suhr sollen Ja sagen zu einer Zusammenlegung der Schule Aarau und der Kreisschule Buchs-Rohr. Die az beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

1 Wann soll die neue Kreisschule Aarau-Buchs ihre Tätigkeit aufnehmen?

Wenn alles angenommen wird, am 1. August 2018.

2 Wie viel kostet die Umsetzung?

Zur Vorbereitung und zur Umsetzung der Satzungen wird den Einwohnerräten nächste Woche ein Verpflichtungskredit beantragt. Buchs zahlt 86 400 Franken, Aarau 209 600 Franken.

3 Was bringt die Kreisschule laut den Befürwortern?

Einsparungen durch Koordination bei der Schulraumplanung (es wird erwartet, dass sich der Aufwand im Vergleich zur heutigen Organisation durchschnittlich um ca. 350 000 Franken pro Jahr reduzieren lässt, die Investitionskosten in Schulanlagen können bis zu 8 Mio. Franken geringer ausfallen). Gesicherter Oberstufenstandort für Buchs, Gleichberechtigung für die Schüler aus Rohr gegenüber denen aus dem «alten Aarau», mehr Stellensicherheit für die Lehrer dank stabilerer Abteilungszahlen, langsameres Wachstum der Abteilungszahlen.

4 Wer ist dagegen?

Explizite Ablehnung kommt von der Schulpflege Aarau und von der Lehrerschaft beider Schulen.

5 Was genau sagen die Lehrer?

Fast alle sind gegen eine Fusion. Sowohl bei der Lehrerschaft in Aarau als auch in Buchs-Rohr wurden Umfragen mit hoher Beteiligung gemacht. In Buchs-Rohr sind demnach nur 3 Lehrpersonen für eine Kreisschulfusion, 95 dagegen. Sie sehen darin weder organisatorische Vorteile noch pädagogischen Mehrwert. 93 Lehrpersonen wollen den Status quo faktisch beibehalten, die Rohrer Kinder also in Buchs beschulen lassen und einen Vertrag zwischen den Gemeinden aufsetzen. In Aarau haben 140 Lehrkräfte an der Umfrage teilgenommen. Keine einzige Lehrperson war für die Schulfusion. Allerdings sind diese Resultate mit Vorsicht zu geniessen, weil sie vom Oktober 2014 (Aarau) beziehungsweise November 2015 (Buchs-Rohr) stammen. Damals lag der Abschlussbericht der Ausarbeitungsphase noch nicht vor. Insider beider Schulen sagen aber gegenüber der az, die Meinungen hätten sich nicht wesentlich geändert.

6 Hat die Lehrerschaft der Kreisschule Buchs-Rohr wirklich einen «Maulkorb» bekommen, wie in einer Anfrage im Aarauer Einwohnerrat angedeutet wird?

Der az liegt ein Schreiben der Kreisschulpflege vor, das an die Lehrkräfte verteilt wurde. Darin ist ausdrücklich festgehalten: «Als Privatperson, ohne Angaben zum Beruf und zur Zugehörigkeit zur Kreisschule Buchs-Rohr, darf man sich frei äussern.» Die Lehrer dürfen also Leserbriefe schreiben, solange sie sich nicht als Angestellte der Kreisschule zu erkennen geben. «Allerdings wurde uns deutlich klar gemacht, dass dies sehr ungern gesehen wird», heisst es aus der Lehrerschaft. An Elternabenden müssen die Lehrer die Haltung der Kreisschulpflege (pro Fusion) vertreten. Der Stadtrat Aarau sieht in diesen «Kommunikationsrichtlinien» die Anwendung der gängigen Praxis: «Der Stadtrat erkennt im spezifischen Fall kein Redeverbot und somit keinen Handlungsbedarf.»

7 Wie ist die Anstellung der Lehrer in der neuen Kreisschule geregelt?

Der Gemeindeverband übernimmt das Personal. Der Besitzstand bei den Löhnen (pensumsbereinigt) ist für zwei Jahre gewährleistet, Funktion und Pensen können ändern.

8 Buchs-Rohr ist eine der wenigen Schulen, die noch Kleinklassen hat, Aarau setzt auf integrative Schulung für lernschwache Schüler. Bleibt es dabei?

Wie das im Detail aussieht, muss noch geregelt werden. Vorgeschlagen ist, beide Modelle beizubehalten.

9 Bleibt die Sportschule?

Ja.

10 Dürfen künftig die Schüler beider Gemeinden am Maienzug, am Bachfischet und am Buchser Jugendfest teilnehmen?

Die Organisatoren der Anlässe laden die neue Schule als Ganzes ein. Wer teilnimmt, entscheidet die Schulführung.

11 Kann es sein, dass – abgesehen von den Rohrern – auch andere Aarauer Kinder nach Buchs in die Oberstufe müssen?

Ja. Die Schulpflege macht die Einteilung, achtet aber darauf, dass die Schulwege nicht allzu lang werden.

12 Wenn eine andere Gemeinde ihre Kinder in die neue Kreisschule schicken will, muss sie dann dem Verband beitreten?

Nein, Vertragslösungen sind möglich. Falls ein Beitritt gewünscht wird, definiert der Kreisschulrat die Bedingungen. Zustimmen müssen letztlich alle Verbandsgemeinden.

13 Kann eine Gemeinde wieder austreten?

Nur «aus wichtigen Gründen» und wegen der Investitionssicherheit frühestens nach 10 Jahren (Kündigungsfrist 2 Jahre). Wenn der Kreisschulrat den Austritt verweigert, entscheidet der Grosse Rat.

14 Was ist eigentlich der Kreisschulrat?

Der Kreisschulrat ist oberstes Organ des Gemeindeverbands, die Legislative. Er besteht aus 18 Mitgliedern. Je eins gehört dem Buchser Gemeinderat beziehungsweise dem Aarauer Stadtrat an. Die restlichen 16 Sitze werden nach Einwohner- und Schülerzahlen auf die Verbandsgemeinden verteilt. Die Einwohnerräte wählen die Kreisschulräte. Dabei können sie sich auch selber wählen. Allerdings liegt bereits ein Abänderungsantrag der SP vor, wonach der Kreisschulrat direkt vom Volk gewählt werden soll.

15 Wer ist die Kreisschulpflege?

Die Exekutive. Sie besteht aus fünf bis neun Mitgliedern, davon mindestens zwei aus jeder Verbandsgemeinde.

16 Welche finanziellen Kompetenzen hat der Kreisschulrat?

Wenn einmalig mehr als 1,5 Mio. oder wiederkehrend jährlich 150 000 Franken ausgegeben werden, muss die Vorlage zwingend an die Urne. Jede Verbandsgemeinde bildet einen Abstimmungskreis, alle müssen zustimmen.

17 Welches Mitwirkungsrecht hat das Volk sonst noch?

Jeder volljährige Einwohner einer Verbandsgemeinde kann von der Kreisschulpflege mit einer schriftlichen Anfrage Auskunft verlangen. Jeder Stimmberechtigte hat das Recht, dem Kreisschulrat Anträge zu stellen. Die Verhandlungen des Kreisschulrats sind öffentlich; Budget, Rechnungen, Protokolle und Berichte liegen auf. Und natürlich kann man sich in die Gremien wählen lassen.

18 Wer bezahlt die Schulbauten?

Die Standortgemeinde. Bei der Planung muss sie auf die Bedürfnisse des Verbands Rücksicht nehmen. Dieser beteiligt sich nicht finanziell. Er mietet aber die Anlagen zum Gebrauch und ist für die Betriebskosten verantwortlich.

19 Wer zahlt die Schulkosten?

Die Nettoaufwendungen (Aufwendungen abzüglich der Schulgelder der Nichtverbandsgemeinden) bezahlen die Verbandsgemeinden anteilsmässig. Massgebend sind Bevölkerungs- und Schülerzahlen.

20 Wie gehts weiter, wenn Einwohnerräte und Volk Ja sagen?

In der zweiten Jahreshälfte 2017 wird der neue Kreisschulrat gewählt, dieser wählt anschliessend die Kreisschulpflege. Bis Juli 2018 werden drei Schulpflegen parallel geführt. Die Schulpflege Aarau und die Kreisschulpflege Buchs-Rohr leiten ihre Schulen. Die Kreisschulpflege Aarau-Buchs bereitet den Betrieb der neuen Kreisschule vor.

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