Region Aargau West

Grosser Strompreis-Vergleich: Wer in Rupperswil wohnt, spart mehrere Hunderter

Neben den reinen Energiekosten spielen beim Strompreis die Kosten für das Netz eine wichtige Rolle.Bild: kwo

Neben den reinen Energiekosten spielen beim Strompreis die Kosten für das Netz eine wichtige Rolle.Bild: kwo

Der grosse Strompreis-Vergleich in der Region Aargau West zeigt: In den AEW-Dörfern ist der Strom neu teurer als in den Eniwa-Gemeinden.

Nach Jahren nicht mehr die Nummer 1 in der Rangliste mit den teuersten Strompreisen: Über diese Rückstufung werden die Eniwa-Manager und erst recht ihre Zehntausenden von Stromkunden nicht unglücklich sein. Der AEW-Strom ist ab 2020 pro Kilowattstunde 27 Rappen teurer (aktuell ist er 55 Rappen günstiger).

Das hängt damit zusammen, dass das AEW auf das Jahr 2020 hin deutlich stärker aufschlagen wird als die Eniwa. Der Wechsel an der Strompreisspitze bedeutet, dass 14 Gemeinden neu zuoberst auf dem Podest stehen werden. Etwa Holderbank, Meisterschwanden und Unterkulm. Um wie viel Geld es übers ganze Jahr 2020 gesehen gehen wird, zeigt ein Vergleich zwischen den teuersten, den AEW-Gemeinden, und Rupperswil, der billigsten Gemeinde: Die Differenz beträgt im nebenstehenden Beispiel Fr. 256.50.

Kölliken, Dürrenäsch, Birrwil und Schafisheim auch sehr günstig

Vergleiche von Stromkosten sind schwierig, aber dank des Strompreisrechners der ElCom, der unabhängigen eidgenössischen Regulierungsbehörde, möglich. Ein Durchschnittshaushalt bezahlt in einer AEW-Gemeinde im kommenden Jahr 922.95 Franken (ElCom-Beispiel H3: 4500 kWh/Jahr: 4-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd und Elektroboiler). Die Rupperswiler bekommen die gleiche Menge Strom im AZ-Einzugsgebiet Aargau West (siehe Tabelle rechts) für Fr. 666.45. Sie werden 0,4 Prozent weniger zahlen als im laufenden Jahr. Die Rupperswiler profitieren davon, dass sie eine eigene, kommunale Elektrizitätsversorgung haben. In der Rangliste der Günstigsten liegt Rupperswil vor Kölliken, Dürrenäsch, Birrwil und Schafisheim.

Die teuren Anbieter begründen ihre Preise in der Regel damit, dass sie keinen dreckigen (Kohle oder AKW) Strom, sondern – für die Kunden zwangsweise – 100 Prozent erneuerbaren Strom aus der Schweiz liefern. Als Erklärung für die Preisunterschiede werden häufig auch die Investitionen ins Netz (abgegolten über die Netznutzung) beigezogen. Ob Gemeinden mit tiefen Strompreisen zu wenig in die Infrastruktur investieren, lässt sich aber in der Regel von Laien kaum feststellen.

Verdeckte Steuer im Strompreis

Keine Veränderung gibt es dieses Jahr bei der Förderabgabe KEV (2,30 Rappen pro Kilowattstunde). Und die vergleichsweise unbedeutenden Konzessionsabgaben, faktisch eine verdeckte Steuer, ändern sich im kommenden Jahr auch nur an den wenigsten Orten. Die höchste Konzessionsabgabe in der AZ-Region Aargau West hat Kölliken mit 0,95 Rappen pro Kilowattstunde. Die drei Gemeinden Birrwil, Niederlenz und Möriken-Wildegg kennen gar keine Konzessionsabgabe. In Niederlenz und Möriken-Wildegg hat der Souverän im Frühsommer deren Einführung abgelehnt. In Gränichen ist die Konzessionsabgabe um 5 Prozent auf 0,63 Rappen gestiegen, in Lenzburg um 7 Prozent auf 0,65 Rappen gesunken.

Plus 10 Prozent und immer noch unter den Günstigsten

Die Preisschwankungen sind in vielen Gemeinden recht gross. Das hängt mit den Energie-Lieferverträgen ab. Diese werden in der Regel auf mehrere Jahre abgeschlossen. Weil im internationalen Markt der Strompreis in der letzten Zeit markant gestiegen ist, gibt es insbesondere bei Anbietern, deren Verträge abgelaufen sind, markante Sprünge nach oben. Das gilt etwa für die TBS Strom AG in Suhr oder die EWS Energie AG in Reinach, Menziken, Gontenschwil Zetzwil und Birrwil. In Suhr gibts im Vergleichsbeispiel einen 21-Prozent-Sprung nach oben, im EWS-Raum einen 10-Prozent-Sprung. Aber beide sind immer noch vergleichsweise günstig. Die EWS-Gemeinden gar auf Platz 6 der Günstigsten der AZ-Region Aargau West.

Markant ist der Preissprung von Lenzburg – in diesem Fall gegen unten: In der gesamten Region gibt es nur eine Handvoll Gemeinden, in denen der Strompreis im kommenden Jahr sinken wird. Und nirgends tut er das derart stark wie in Lenzburg. Minus 8,08 Prozent im Beispiel (siehe rechts). Weil aber die Lenzburger in der Vergangenheit überdurchschnittlich teuren Strom hatten, liegen sie auch jetzt noch immer höher als Staufen: 17,41 gegenüber 16,42 Rappen pro Kilowattstunde.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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