Aarau
Grosser Andrang im Weihnachtshaus in der Alten Post

Vom Oberturm ertönt das Carillon. Es ist 24. Dezember, 16 Uhr. Das Glockenspiel ist die «Aufräum-Musik» für die Ladenbesitzer in der Aarauer Altstadt. Sie räumen ihre Waren von der Gasse, wünschen den letzten Kunden «Frohe Festtage».

Sabine Kuster
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Endlich mal absitzen: Marianne Bollinger (links), Christina Jost (ganz rechts) und Familienmitglieder decken im temporären Geschäft in der Alten Post den Tisch zum Weihnachtsessen. kus

Endlich mal absitzen: Marianne Bollinger (links), Christina Jost (ganz rechts) und Familienmitglieder decken im temporären Geschäft in der Alten Post den Tisch zum Weihnachtsessen. kus

Es ist Zeit, der Rummel war sehr gross. Wer jetzt kein Geschenk hat, kauft sich keines mehr. Es beginnt die heilige, zweitägige Verschnaufpause der Geschäftsleute.

Keine Gnade für Schnäppchenjäger

Nur in der Alten Post, wo Marianne Bolliger und Christina Jost für zwei Monate ihr Weihnachtshaus eingerichtet haben, stehen noch Kundinnen: Eine Frau und ihre erwachsene Tochter. «Schau, diese süsse, tanzende Fee! Welche möchtest du?», fragt die Mutter. «Ich möchte keine», sagt die Tochter. «Aber welche möchtest du?» –«Ich möchte keine!» – «Aber ich!» – «Nein, Mutti», sagt die Tochter, «bitte nicht.» Die Frau hält die glitzernde Fee in der Hand. Sie möchte Rabatt. Marianne Bolliger bleibt ungerührt, sie fragt bloss: «Möchten Sie die Fee?» Die Mutter schaut zur Tochter. Diese seufzt und sagt: «Mach, was du willst, ich finds scheusslich.»

Erfolgreiche Geschäftsidee

Dann ist es plötzlich ruhig in der Alten Post. Seit Oktober war hier sieben Tage die Woche ein reges Kommen und Gehen – am Rüeblimärt kamen die Kunden und die Gäste im Kaffee kaum noch durch.

Auf die Frage, nach dem Fazit, antwortet Bolliger deshalb zuerst: «Wir sind fixfertig.» Aber es sei schön gewesen und habe sich gelohnt, sagt Christina Jost, die jeden Tag um fünf Uhr aufstand, um zu backen.

Dann sagt auch Bolliger: «Abgerechnet haben wir noch nicht, aber wir sind sehr zufrieden.» Viel mehr Kunden, als die beiden erwartet hatten, sind in die Alte Post gekommen, obwohl keine grossen Schaufenster draussen auf das Angebot aufmerksam gemacht haben. Bloss Tannenbäume – aber die wurden nach und nach geklaut. Die letzten in der Nacht auf den 24. Dezember. «Das waren keine Lölibuben», sagt Bolliger. Sie ärgert sich.

Zwei echte Geschäftsfrauen

Bolliger und Jost sind Vollblut-Unternehmerinnen. Wie man in der Altstadt Erfolg hat, wollen sie nicht im Detail verraten. «Man muss einfach immer chli mehr machen und man muss es gerne machen», sagt Christina Jost, Geschäftsführerin von «Arte del benessere» am Rain. Bolliger ist Inhaberin von «Zauberhaft» an der Rathausgasse. Für beide ist klar, dass sie am Night Shopping mitmachen, Mitglied des Gewerbevereins Zentrum Aarau sind und dennoch Zusatzwerbung nötig ist.

Die Einnahmen in der Alten Post flossen in zwei separate Kassen. Dekorationsartikel ist Bolligers Geschäft, Esswaren und alles was mit kochen zu tun hat, jenes von Jost. «Wir sind gleichauf», sagen die beiden, «wir haben uns gut ergänzt.»

Nicht die letzte gemeinsame Idee

Die beiden haben schon lange einen gemeinsamen Stand jeweils am MAG und das Weihnachtshaus wird nicht ihre letzte gemeinsame Idee bleiben. Aber jetzt wollen sie erst mal jenen danken, die ihr Geschäft möglich gemacht haben: den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ihren Ehemännern. Diese trudeln gegen fünf Uhr langsam ein, nachdem sie die Stammläden am Rain und der Rathausgasse geschlossen haben.

Zusammen deckt man den Tisch, ein Grill wird aufgestellt, für die Tischdekoration nimmt man etwas aus den Gestellen. Zum Dessert wird die Vitrine des Kaffees geleert. «Lange werde ich heute Abend wohl nicht durchhalten», sagt Christina Jost.

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