Aarau
Grosse Verwirrung um Mini-Konzert von «The Voice»-Vize Shem Thomas

Es war das bisher einzige Konzert nach seinem Erfolg bei der Castingshow. Der Termin war schon seit Monaten vereinbart – dann kam alles anders. Der Zweiplatzierte bei «The Voice of Switzerland» trat nach einigem Trubel im «Platzhirsch» auf.

Fabio Baranzini
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Shem Thomas singt im Platzhirsch in Aarau
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Shem Thomas singt im Aarauer Platzhirsch
Shem Thomas singt «Crossroads»
Shem Thomas sichtlich gerüht von der Reaktion des Publikums
Absage an der Tür der Garage
Eilig hingekrizelter Hinweis an der Bar «Garage»

Shem Thomas singt im Platzhirsch in Aarau

Fabio Baranzini

Hastig kritzelt Ivo Roesch mit einem schwarzen Filzstift auf ein weisses A4-Blatt: «Shem Thomas abgesagt, Ersatzort offen». Der Konzertveranstalter klebt das Blatt über die Eingangstür der Bar Garage in der Aarauer Altstadt. Hier hätte eigentlich eine Stunde später im Rahmen der von Roesch organisierten Troubadix-Serie das erste Konzert von Shem Thomas nach seinem zweiten Platz bei der Castingshow «The Voice of Switzerland» stattfinden sollen. Was war geschehen?

Kurz vor 16 Uhr an jenem Mittwochnachmittag hatte Manuel Stirnemann, der Wirt der «Garage», die Onlineredaktion der Aargauer Zeitung darüber informiert, dass das Konzert von Shem Thomas abgesagt wurde. Dies auf Anraten der Stadtpolizei, die ein Sicherheitsrisiko ausmachte beim Konzert im kleinen und engen Lokal. Kurz darauf bestätigte Ivo Roesch die Absage per Mail.

Kurzfristige Suchaktion gestartet

Shem Thomas dagegen wusste zu jenem Zeitpunkt noch nicht, dass sein Auftritt ins Wasser fallen sollte. Erst beim Interview mit Radio Argovia wurde er darauf aufmerksam gemacht. Noch während der Live-Sendung wurde daraufhin ein Aufruf für einen neuen Austragungsort gestartet. Der «3. Stock», die «Tuchlaube» und der «Platzhirsch» kamen dafür in Frage, da sie alle in der Nähe des ursprünglichen Auftrittsortes von Shem Thomas lagen. Am Ende entschied sich der Sänger für den «Platzhirsch».

Dies alles geschah ohne die Mithilfe von Ivo Roesch, denn Shem Thomas kommunizierte nachdem er von der Absage erfahren hatte, nicht mehr direkt mit dem Veranstalter. Kurz vor 20 Uhr drang die Nachricht dann aber auch bis zu Roesch vor, der noch immer vor der Garage wartete. «Shem Thomas, 21 Uhr, Platzhirsch», stand nun oberhalb der Eingangstür des Lokals. Diesmal auf einem A3-Papier.

Roesch informierte die wartenden Konzertbesucher und bat um Verständnis. Mit seinen Erklärungsversuchen erntete er jedoch das eine oder andere ungläubige Kopfschütteln. «Wir haben gehofft, den Auftritt von Shem Thomas in der Garage klein halten zu können. Deshalb haben wir auch kaum Werbung gemacht. Spätestens mit dem Erscheinen des Artikels in der AZ vom Mittwoch war dies aber illusorisch», gesteht Roesch. Er gibt auch zu, dass es ein Fehler war, das Konzert abzusagen, ohne den Künstler vorher darüber zu informieren. «Das war naiv», sagt er.

Doch noch ein Happy End

Szenenwechsel: Kurz nach 20 Uhr im Platzhirsch. Shem Thomas – im blauen Kapuzenpulli wie man ihn aus «The Voice of Switzerland» kennt – steht an der Bar. Der Ärger über die Umstände ist ihm anzumerken. «Es ist überhaupt nicht ideal. Ich hasse eine solch unprofessionelle Organisation. Das darf einfach nicht passieren», findet er klare Worte. Doch der 35-jährige Rheintaler hat sich bald wieder gefangen und ist froh, dass der Auftritt doch noch stattfinden kann. «Es ist super, dass es noch geklappt hat. Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als flexibel zu sein und das Beste aus der Situation zu machen.»

Und «das Beste» konnte sich sehen und vor allem hören lassen. Nur 40 Minuten nach dem eigentlich geplanten Start seines Konzertes in der Garage betrat Shem Thomas die improvisierte Bühne im Platzhirsch – nur mit Gitarre, ohne Verstärker und sonstige Hilfsmittel. Doch auch so hatte der Vollblutmusiker das Publikum nach wenigen Takten auf seiner Seite. Er spielte neben dem bekannten Repertoire seiner TV-Auftritte («Father and Son» und «Imagine Dragons») auch eigene Songs, darunter die Hitsingle «Crossroads», die auf Platz eins der Charts gelandet war. Die Zuhörer im gut gefüllten Lokal applaudierten lautstark und konnten dem sichtlich gerührten Shem Thomas noch zwei weitere Songs entlocken.

So ist es doch noch zu einem glücklichen Ende gekommen, auch wenn es wohl für längere Zeit das letzte Mal gewesen sein dürfte, dass Shem Thomas in so kleinem und improvisiertem Rahmen aufgetreten war.