Oberentfelden
Grosse Abweichung von genehmigten Plänen: Gemeinde zeigt Bauherren an

Vier Attikawohnungen statt zwei, Wohnungen in Keller gebaut, eine einspurige Tiefgaragenzufahrt ohne Warteraum – bei vier Objekten sind die Bauherrschaften massiv von den genehmigten Plänen abgewichen. Das lässt sich Oberentfelden nicht gefallen.

Katja Schlegel
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Die Gemeinde Oberentfelden zeigt die fehlbaren Bauherren an.

Die Gemeinde Oberentfelden zeigt die fehlbaren Bauherren an.

Symbolbild/ Nicole Nars-Zimmer

Der Oberentfelder Gemeinderat hat Anzeige gegen verschiedene Bauherrschaften erstattet, die bei der Realisierung ihrer Bauvorhaben von den genehmigten Plänen abgewichen sind. Wie der Gemeinderat gestern mitgeteilt hat, wurden in einem Fall bei einem neuen Mehrfamilienhaus anstelle der bewilligten zwei Attikawohnungen gleich vier erstellt.

Bei der Renovation von zwei älteren Wohnblocks wurden im Keller nicht bewilligte Wohnungen eingebaut und teils bereits vor der Bauabnahme vermietet.

In einem dritten Fall wurde die Zufahrt zur Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses nur einspurig gebaut, der in den Plänen auf privatem Grund vorgesehene Warteraum für kreuzende Fahrzeuge wurde nicht gebaut. In allen vier Fällen hat der Gemeinderat die Beseitigung des widerrechtlichen Zustands angeordnet, gegen einen Teil der Verfügungen wurde Beschwerde eingelegt.

Haben Kontrollinstanzen versagt?

Doch wie kann es überhaupt so weit kommen? Haben die Kontrollinstanzen versagt? Nein, sagt Max Haudenschild, Oberentfelder Gemeindeschreiber. Bei Neubauten müsse die Bauherrschaft sich mittels Meldekärtchen bei der kommunalen Bauverwaltung für eine Rohbaukontrolle anmelden.

Nach der Fertigstellung des Objekts findet die Bauabnahme durch die Bauverwaltung statt. Im Falle des betroffenen Mehrfamilienhauses wurden die vier statt zwei Attikawohnungen erst bei der Bauabnahme entdeckt.

Betreffend Rohbaukontrolle steht Aussage gegen Aussage: Die Bauherrschaft ihrerseits behauptet, das Meldekärtchen geschickt zu haben, bei der Bauverwaltung andererseits heisst es, dieses sei nicht eingegangen.

Kellerwohnungen unzumutbar

Auf die unbewilligten Kellerwohnungen in den renovierten Wohnblocks wurde die Gemeinde in einem Fall erst aufmerksam, als sich die Bewohner nach dem Umzug auf der Kanzlei anmeldeten.

Im Zuge der gesamtschweizerischen Registerharmonisierung wird neu nicht mehr bloss die neue Adresse registriert, sondern auch auf welcher Etage und in welcher Wohnung die Personen wohnen. «Durch diese Erfassung haben wir davon erfahren, dass da Leute im Keller wohnen», sagt Haudenschild.

Die Zustände in den Kellerwohnungen sind laut Haudenschild unzumutbar: Licht falle nur durch die Lichtschächte in die Räume, die Zimmer seien ungenügend isoliert. «Diese Wohnungen erfüllen die an die Wohnhygiene gestellten Anforderungen nicht, weshalb wir sie auch nachträglich nicht bewilligen können», sagt Haudenschild. Man habe die Eigentümer deshalb dazu aufgefordert, die Wohnungen aufzugeben und den Mietern auf den nächstmöglichen Termin hin zu kündigen.

Bussen bis 50000 Franken möglich

Diese Häufung an fehlbaren Bauherrschaften sei bisher einmalig für Oberentfelden, sagt Haudenschild. «Bisher hatten wir nur Einzelfälle.» Dass es sich vonseiten der Bauherrschaft um Versehen oder Nichtwissen gehandelt haben könnte, bestreitet Haudenschild vehement: «Das sind Profis, die ganz genau wissen, wie der Hase läuft.»

Deshalb greift der Gemeinderat jetzt auch hart durch, auch wenn er aufgrund der grossen wirtschaftlichen Werte mit langwierigen Verfahren durch mehrere Instanzen rechnet. Die Bauherrschaften werden nicht nur baurechtlich belangt, sondern auch strafrechtlich: Die Dossiers wurden bereits oder werden demnächst der Staatsanwaltschaft übergeben.

«Die Bussenkompetenz des Gemeinderats reicht nur bis 2000 Franken», sagt Haudenschild. Das ist aus Sicht der Behörde angesichts der gravierenden Übertretungen zu wenig. «Eine Busse von 2000 Franken hätte keine abschreckende Wirkung», so Haudenschild. Die Höchststrafe laut Baugesetz beläuft sich auf 50000 Franken.