Rupperswil
Grossbrand in Scheune: Vor Gericht stritten sich nun zwei Parteien um die Schuld

2011 brannte eine Scheune mit Pferdestall nieder, nachdem auf dem benachbarten Garagendach zwei Hobbyhandwerker mit einem Bunsenbenner hantiert hatten. Heute standen die zwei Beschuldigten vor dem Bezirksgericht Lenzburg.

Barbara Vogt
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Diese Scheune brennt nieder - die Pferde können alle gerettet werden.
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In Rupperswil brannte ein Bauernhaus

Diese Scheune brennt nieder - die Pferde können alle gerettet werden.

Silvan Hartmann

21. April 2011. Am frühen Morgen ahnen die beiden Freunde – wir nennen sie Peter und Karl – nicht, welche Kehrtwendung ihr Leben an diesem Tag nehmen wird.

Peter, Kunsthandwerker und wohnhaft in Rupperswil, ruft Karl an, weil er beim Verlegen von Dachpappe Hilfe braucht. Peters Lebenspartnerin hatte die Idee, oberhalb der Garage des Wohnhauses, in der Dachkonstruktion, eine Terrasse einzubauen. Um laue Sommerabende zu geniessen.

Weil die Freunde bei ihrer Arbeit mit einem Bunsenbrenner, einem kleinen Gasbrenner, herumhantieren, beseitigen sie vorerst alles Brennbares. Schliesslich grenzt die Garage an eine Scheune samt Pferdestall. Heu und Stroh sind doch leicht entzündbar. Peter und Karl begutachten die Backsteinmauer, die Scheune und Terrasse voneinander trennt, auf Risse und Löcher. Alles in Ordnung. Die Mauer ist dicht. Dann legen sie los mit ihrem Brenner.

Als Erstes entdecken sie Rauch in der Scheune und wollen diese ersticken. Doch dafür ist es zu spät. Hilflos müssen sie zusehen, wie die Scheune brennt. Die Pferde können gerettet werden, die Scheune wird zerstört.

Die Aussagen, die Peter anfänglich auf dem Polizeiposten und unter Schock macht, sind verwirrlich. Das Feuer habe sich, da ein Stein der Backsteinmauer lose und verschoben war, durch dieses Loch hindurch auf die Scheune ausgebreitet.

Später sagen Peter und Karl, der Backstein habe vor dem Brand anders gelegen als nach dem Brand und das Feuer habe sich anderweitig ausgebreitet. Die Scheune habe gebrannt, weil die Mauer auf der anderen Seite, also auf der Stallseite, wegen eines eingebauten Balkens beschädigt gewesen war. Dass die Wand auf eben dieser Seite nicht geschlossen war, hätten die Beschuldigten nicht wissen, nicht sehen können.

Brandermittler angezweifelt

10. Juli 2014. Am frühen Morgen stehen Peter und Karl vor Gericht. Sie sind aufgeregt. Ihre Anwälte begleiten sie. Der Kläger ist nicht erschienen, dafür sein Anwalt sowie der Sohn des Klägers. Der Brandermittler ist als Zeuge da.

Es folgen stundenlange Ausführungen, Plädoyers, emotionale Ausrufer. Als ob sich Kläger und Beklagte den Schwarzen Peter zuschieben wollten. Wie alt, wie feuerfest, wie standhaft war die Mauer wirklich? Lag der ominöse Stein da oder dort, und wie sehr wären die Beschuldigten dazu verpflichtet gewesen, vorgängig statische und brandtechnische Abklärungen zu treffen?

Hätte es eine Baubewilligung gebraucht für den Bau der Dachterrasse, und wäre dadurch nicht gleich die Frage einer Brandschutzmauer geklärt und so der Brand verhindert worden? Angezweifelt wurde das Fachwissen des Brandermittlers: Wissenschaftlich sei der Fall nie wirklich geprüft worden.

Immer nur von Annahmen gesprochen worden. Der Kläger hingegen ist überzeugt, dass seine Wandseite dicht, diejenige von Peter jedoch löchrig gewesen war. Überhaupt: Wo es Pferde hat, gebe es leicht entzündbare Dinge wie Stroh, Spinnweben. Das hätte Peter wissen müssen.

Peter und Karl werden der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst bezichtigt. Als Busse droht ihnen eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 respektive zu je 50 Franken. Ausserdem müssen sie Schadensersatz von über 100 000 Franken leisten. Doch welches Urteil sie wirklich erwartet, ist offen. Das Bezirksgericht gibt den Entscheid erst am Montag bekannt.

Erschöpft treten Peter und Karls nach der Verhandlung aus dem Gerichtssaal. Sie möchten nur eins: Das Ganze hinter sich lassen. Hätte Peter eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, wäre es kaum zu dieser jahrelangen Odyssee gekommen. Dann hätte die Versicherung gezahlt. Jetzt aber muss er für seinen Freispruch kämpfen, damit er nicht in den finanziellen Ruin schlittert.