Aarau
Grenzwertig: Polizei greift bei Gegendemo zu den Pius-Brüdern hart durch

Keine Chance für die Gegendemonstranten zur heutigen Kundgebung der Pius-Bruderschaft: Die Polizei erstickte jeglichen Protest bereits im Keim. Passanten waren schockiert und sprachen von Polizeigewalt.

Tim Honegger
Merken
Drucken
Teilen
Die Polizei führt rund 20 Personen ab, die den Anlass stören oder sich kritisch dazu äussern. Tim Honegger

Die Polizei führt rund 20 Personen ab, die den Anlass stören oder sich kritisch dazu äussern. Tim Honegger

Aargauer Zeitung

Konflikte sind bei einem solchen Anlass programmiert: Die erzkatholische Pius-Bruderschaft mobilisiert ihre Mitglieder, um in Aarau gegen das Recht auf Abtreibung zu demonstrieren.

Organisator der Pius-Brüder-Demo Lukas Weber begrüsste das harte Durchgreifen der Polizei.
9 Bilder
Über 20 Personen wurden von der Polizei festgenommen. Etliche Passanten waren irritiert über das Vorgehen der Polizei.
Die Pius-Brüder demonstrierten gegen das Recht auf Abtreibung.
Bei den Festnahmen verhielt sich die Polizei nicht gerade zimperlich.
Die Polizei nimmt einen Gegendemonstranten fest.
Jeglicher Protest wurde im Keim erstickt.
Jeglicher Protest wurde im Keim erstickt.
Jeglicher Protest wurde im Keim erstickt.
Die Pius-Brüder sangen und beteten stundenlang.

Organisator der Pius-Brüder-Demo Lukas Weber begrüsste das harte Durchgreifen der Polizei.

Die Antwort der Linken liess nicht lange auf sich warten: Die Antifaschistische Aktion Aarau rief online zur Gegendemonstration auf. Doch die Gewalt kam von keinem der beiden Lager, sondern vor allem vonseiten der Polizei. Der unverhältnismässige Einsatz führt dazu, dass über 20 Mal wie Handschellen klickten – bei einer gänzlich friedlichen Kundgebung. Die Festgenommenen wurden für 24 Stunden weggewiesen. Zudem führte die Polizei Personenkontrollen.

Florian Vock von der Jungsozialisten (Juso) ist entsetzt: «Dass die Polizei Leute vorsorglich mitnimmt und sie somit ihre freie Meinung nicht äussern können, finde ich sehr problematisch.» Mütter, die mit ihren Kindern am Geschehen vorbeiliefen, waren schockiert: «Das ist pure Polizeigewalt – ist ein solches Eingreifen wirklich nötig?», fragte eine von ihnen entsetzt.

Polizeisprecher Bernhard Graser sagte zum Vorwurf des harten Durchgreifens gegenüber Tele M1: «Die Abtreibungsgegner haben einen verfassungsmässiges Recht sich zu besammeln. Leute, die meinen, sie müssen das durch Feuerwerkskörper und Megaphone-Durchsagen stören, werden aus dem Verkehr gezogen. Das ist unsere Aufgabe für Ruhe und Ordnung zu sorgen.»

Festnahmen ohne Grund

Bereits am Bahnhof hielt die Bahnpolizei gemeinsam mit der Kantonspolizei verdächtige Personen fest und nahm deren Personalien auf. Das sollte den autonomen Demonstranten ein erstes Warnsignal sein. Denn bei der Igelweid, wo sich die Stände von Scientology und den Zeugen Jehovas befanden, kannten die Polizisten kein Pardon mehr: Alle verdächtigen Personen wurden umgehend kontrolliert, viele von ihnen direkt in Handschellen abgeführt – ohne, dass der geringste Tatbestand vorlag.

Zwischenrufe nicht toleriert

Zu Beginn schien es, als würde das präventive Abwürgen möglicher Störaktionen für eine ruhige Demonstration sorgen. Fehlanzeige: Als die Piusbrüder zu beten begannen, griff die Polizei bei deren Gegnern hart durch. Einmal schoss die Handvoll, die noch nicht abgeführt worden war, eine Rauchpetarde, einmal tauchte jemand mit einem Megafon auf und rief: «Wir wollen selber über unsere Körper bestimmen». Beide Male klickten die Handschellen. Doch selbst harmlose Zwischenrufe wurden mit hartem Vorgehen quittiert.