Suhr

«Grenzen sind für mich inexistent»: Nationalrätin Maja Riniker erklärt, warum sie für den Zukunftsraum kämpft

Maja Riniker (42, FDP) wurde gestern einstimmig zur Nachfolgerin des St. Galler Alt-Nationalrats Walter Müller (72, FDP) an die Spitze des Schweizerischen Zivilschutzverbandes gewählt.

Maja Riniker (42, FDP) wurde gestern einstimmig zur Nachfolgerin des St. Galler Alt-Nationalrats Walter Müller (72, FDP) an die Spitze des Schweizerischen Zivilschutzverbandes gewählt.

Die Suhrer Nationalrätin Maja Riniker erklärt der Aargauer Zeitung im Interview, weshalb sie für den Zukunftsraum Aarau kämpft.

Sie ist seit letztem Dezember FDP-Nationalrätin. Sie engagiert sich aktuell als Co-Präsidentin des Frauenkomitees für die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges und wurde gestern in Biel zur Präsidentin des Schweizerischen Zivilschutzverbandes gewählt. Maja Riniker (42) exponiert sich aber auch in ihrer Wohngemeinde. Sie kämpft in Suhr für den Verbleib beim Gemeindefusionsprojekt Zukunftsraum, über den die Suhrer am 27. September an der Urne abstimmen.

Frau Riniker, wie erleben Sie den Abstimmungskampf?

Maja Riniker: Er ist wegen Covid-19 kurz und sehr komprimiert. Manchmal hat man keine Chance, etwas zu widerlegen. Erfreulich ist, dass man sich überparteilich, komplett losgelöst von der politischen Ausrichtung, mit der Frage beschäftigt: Wollen wir das Bestehende bewahren oder packen wir die Chance vom Neuen, Grösseren?

Sie wohnen im Quartier Feld, also ganz nah an der Stadtgrenze: Ist das mit ein Grund, dass Sie mit Aarau zusammengehen wollen?

Nein. Die Grenzen sind für mich inexistent. So kaufe ich beispielsweise in Suhr und in Aarau ein, habe da wie dort Kollegen. Wir müssen überregional denken. Vielleicht muss man die Diskussion von der Ebene der Sackgebühren verlassen, in einen Ballon steigen und das Ganze von oben ansehen.

Wie erklären Sie sich, dass die Mehrheit der Suhrer Freisinnigen für die Nein-Parole ist?

Wir sind eine liberale Partei und lassen verschiedene Meinungen zu. Weil die Abstimmung über die Parole schriftlich durchgeführt werden musste, kennt man die Argumente nicht im Detail. Auch in der SP und in der SVP hat es Befürworter und Gegner.

Wäre es für Sie einfacher, wenn Sie in Bern als Nationalrätin nicht mehr mit dem Label «Suhr» sondern «Aarau» auftreten könnten?

Dies Label ist irrelevant. Ich bin gewählt vom Aargauer Volk. Aber wir könnten in Bern mit einem grösseren Aarau pointierter auftreten. Etwa bei Themen wie den SBB-Verbindungen. Oder wir hätten bessere Chancen, grössere, zukunftsträchtige Unternehmen anzusiedeln, Firmen mit Strahlkraft, in die ganze Schweiz. Gerade auch in den Stadtteilen Suhr oder Oberentfelden, in dem das Land noch etwas günstiger ist. Das hat beispielsweise Lugano gut geschafft.

Was ist in Ihren Augen ein Hauptirrtum der Gegner?

Das Argument des Verwaltungsabbaus zieht nicht. Jedes Amt im eigenen Dorf – das ist aus dem letzten Jahrhundert. Die Digitalisierung und die Online-Bürgerschalter sind schon jetzt wichtig und werden immer wichtiger. Da ist die Zukunft.

Haben die Leute zu viel Angst vor Veränderungen?

Gemäss der Theorie der Verlustaversion haben Menschen Angst, etwas zu verlieren, und neigen dazu, mögliche Gewinne zu wenig stark zu gewichten. Das führt zu einer Abwehrhaltung – ganz besonders bei emotionalen Themen wie dem Zukunftsraum.

Ist der Zukunftsraum eine Generationenfrage?

Absolut nicht. Ich bin ja auch nicht mehr ganz jung. Und es gibt ältere Suhrer, die die Vorteile des Zukunftsraums klar sehen. Wichtig ist, dass sich die Jungen mit dieser Frage auseinandersetzen. Wir schaffen mit dem Zukunftsraum die Strukturen für die nächsten Jahrzehnte. Es geht um ihre Zukunft.

Für viele Suhrer wäre der Verlust der Gemeindeversammlung schlimm. Warum sind Sie bereit, diese Form der direkten Demokratie zu opfern?

Die Demokratie wird nicht leiden. An den letzten zwölf Gemeindeversammlungen hatten wir in Suhr nur an vier mehr als fünf Prozent Stimmbeteiligung. An den Einwohnerratswahlen nehmen dagegen zwischen 40 und 50 Prozent der Stimmberechtigten teil. Ich hoffe auch, dass wir in Suhr dank dem Zukunftsraum die Parteilandschaft wieder reaktivieren können.

Könnten Sie sich vorstellen, dereinst Präsidentin von Gross-Aarau zu werden?

Eine Option, die sich im 2026 möglicherweise bietet, heute auszuschliessen, wäre falsch. Jedoch gefällt mir mein neues Amt als Nationalrätin sehr, fordert mich, und ich fahre sehr gerne für den Aargau nach Bern.

Wie wird die Abstimmung in Suhr ausgehen?

Die Suhrer werden die Vorzüge des Zukunftsraums erkennen. Ich hatte wahnsinnig Freude am Resultat in Oberentfelden. Es hat am Mittwoch mit 180 zu 92 zugestimmt. Ich erwarte nicht, dass das Resultat in Suhr gleich deutlich sein wird. Aber ich hoffe, dass wir in die Verhandlung über die Fusionsverträge einsteigen können.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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