Das WLAN «AarauFreenet», betrieben von der IBAarau AG, erfasst auch Bewegungsdaten von Passanten, die den Dienst nicht nutzen. Das ist legal. Aber finden es die Leser auch in Ordnung? In einer Umfrage auf aargauerzeitung.ch fanden zwei Drittel der Teilnehmenden, die Daten von nicht-registrierten Personen zu speichern sei ein Eingriff in die Privatsphäre. «So ist die WLAN-Technologie halt», schreibt jedoch ein Leser, «man sollte den Nutzen solcher Ideen und nicht nur das Negative sehen.»

Ein Anderer findet es schade, dass «der Datenschützer nicht etwas mehr Augenmass an den Tag legt». Public WLAN sei ein guter Service und ein «Must» für Städte. Für den Nutzer bestehe keine Gefahr, so ein weiterer Leser.

«Andere Städte machen das auch», heisst es zudem. Die az hat in Baden nachgefragt, wo die Regionalwerke AG ebenfalls ein öffentliches WLAN mit rund 20'000 neuen Nutzern pro Jahr betreibt. «Bei uns werden ausschliesslich die Daten von Personen aufgezeichnet und gespeichert, die sich aktiv bei unserem Dienst angemeldet haben», sagt Mediensprecher Gilles Tornare. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, gewisse Nutzerdaten während sechs Monaten zu speichern. Zufällig vorbeilaufende Passanten gelten aber laut Bundesamt für Kommunikation nicht als Nutzer.

Auch kritische Stimmen

In Aarau ist aber auch Kritik zu hören. Zum Beispiel von Dominic Zschokke, Präsident der Piratenpartei Aargau und Aarauer Einwohner: «Die Erfassung von WLAN-Bewegungsdaten unbeteiligter Dritter, welche den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der IBA nicht zugestimmt haben und deren Dienstleistungen nicht nutzen, ist in hohem Masse problematisch und bedenklich – ganz abgesehen von der grundsätzlichen Fragwürdigkeit solcher Datenerhebungen.» Wieder werde «das verfassungsrechtlich garantiert Recht auf informationelle Selbstbestimmung mit Füssen getreten», so Zschokke, von Beruf Internet-Entwickler.

Die Piratenpartei Aargau verurteile diese Datenerhebung und fordere die IBA auf, die Daten Unbeteiligter unter keinen Umständen zu erfassen. «Solange diese Daten nicht mit einer Person in Verbindung gebracht werden, ist diese Datenerfassung laut Gesetz legal. Sobald sich aber ein Mensch, der sich in der Region Aarau bewegt, erstmalig bei ‹AarauFreenet› einloggt, werden diese Daten personalisiert. Ab diesem Zeitpunkt sind auch personalisierte Rückschlüsse auf frühere Bewegungsdaten möglich.» Firmen dürften «die Daten von Einwohnern nicht zum Selbstbedienungsladen erklären».

Andererseits, so Zschokke, müssen sich Nutzer solcher Dienste «bewusst werden, dass sie selbst das Produkt sind, wenn die Dienstleistung kostenlos ist». Die Piraten empfehlen deshalb im Moment allen Nutzern von Mobilgeräten, «den WLAN-Empfang im Bereich der Stadt Aarau unbedingt abzuschalten».

Dass selbst die Bewegungsdaten unregistrierter Passanten aufgezeichnet werden, findet Einwohnerrätin und SVP-Fraktionschefin Susanne Heuberger «grenzwertig». Sie weist darauf hin, dass sich manche Leute ja gerade deshalb nicht bei WLAN-Diensten registrieren, weil sie verhindern wollen, dass ein Anbieter ihre Daten aufzeichnen kann.

«Wir werden mehr und mehr zur Überwachungsgesellschaft», sagt sie, die selber übrigens kein Smartphone besitzt. «Deshalb finde ich es wichtig, die Passanten zu informieren, dass ihre Daten aufgezeichnet werden und sie das durch Ausschalten des WLAN-Empfangs verhindern können.» Es stelle sich die Frage nach der Hol- oder Bringschuld: «Ich sehe hier den Netzanbieter in der Pflicht, auf die Datensammlung hinzuweisen. Insbesondere, weil er einen direkten Nutzen aus diesen Undercover-Aufzeichnungen ziehen kann.»