Oberentfelden/Gränichen
Gränicher Zulieferer-Firma ist besorgt wegen Alstom

Nicht nur der Oberentfelder Gemeindeammann Markus Werder, auch der Gränicher Firmenchef Jost Lehner muss tatenlos abwarten, was mit dem Alstom-Standort im Aargau geschieht. Die Gemeinde wie auch die Firma träfe der Abgang empfindlich.

Sabine Kuster
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Der Alstom-Standort in Oberentfelden

Der Alstom-Standort in Oberentfelden

AZ

Baden und Birr zittern momentan wegen der drohenden Hauptsitzverlegung von Alstom ins französische Belfort. Der Konzern ist auch am Standort in Oberentfelden mit 700 Mitarbeitern einer der grössten Arbeitgeber. In Oberentfelden werden gasisolierte Schalteranlagen für den Hochvoltbereich produziert (Grid). Die Angestellten sorgen auch für Installationen, Unterhalt und Aufrüstung der Anlagen.

Dass diese Kompetenz nach Frankreich abgezogen werden soll, ist weniger wahrscheinlich als in Birr. Die dort produzierten Rotoren werden auch für Generatoren in thermischen Kraftwerken verwendet, und genau dieses Geschäft will General Electric auf Frankreich fokussieren.

Der Steuerausfall wäre beträchtlich

Der Oberentfelder Gemeindeammann Markus Werder sagt deshalb: «Wir sind verhalten optimistisch.» Dennoch mache sich der Gemeinderat Gedanken über das, was auf die Gemeinde zukommen könnte: Würde Alstom aus Oberentfelden abziehen, bedeutete das einen empfindlichen Steuerausfall für die Gemeinde. Diese Gefahr droht nicht zum ersten Mal – die Firma hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Das letzte Mal gab es Verunsicherungen in der Gemeinde, weil Alstom 2004 den Grid-Bereich in einer Krise verkaufte und 2010 von der Areva wieder zurückkaufte.

Der Gemeinderat kann jetzt nur abwarten. «Wir können nur zusehen und abwarten», sagt Werder. Immerhin will er aber möglichst nah am Informationsfluss bleiben und hat deswegen gestern mit Alstom Oberentfelden telefoniert. Über den Inhalt des Telefonats schweigt er sich aus. Werder sagt bloss: «Wir hoffen, dass es gut kommt.»

Gränicher Firma stark betroffen

Ähnlich tönt es auch bei der Firma Max Lehner & Co in Gränichen. Das Unternehmen mit 40 Mitarbeitenden produziert für Alstom regelmässig Schlüsselkomponenten für Gasturbinen. CEO Jost Lehner sagt: «Die Situation ist unangenehm für uns, denn wir wissen nicht, in welche Richtung entschieden wird.» Wie bedrohlich wäre es für die Firma, wenn die Alstom-Aufträge ausblieben? «Das würde uns vor Probleme stellen», sagt Jost Lehner dazu nur. Aber auch er bleibt gelassen und verweist darauf, dass es schon viele Wechsel um die Alstom gegeben hat. «Nur den Hauptsitz zu verschieben, wäre nicht so schlimm», sagt Lehner. Im Worst-case-Szenario wird aber auch die Technologie abgezogen.

Know-How lässt sich nicht einfach zügeln

Doch dies sei nicht so einfach. «Die Alstom macht keine Kühlschränke, deren Produktion man leicht verpflanzen kann», so Lehner. Die Infrastruktur und das Know-how in der Köpfen der Schweizer Leute seien sehr wichtig. «Das sind unsere Trümpfe.» Am Ende, so hofft er, sei das wichtiger als die Politik. «Wenn es ums Geld geht, verliert das rein Politische an Einfluss.

Doch selbst für den schlimmsten Fall sieht er nicht nur schwarz: Die Schweiz brauche Infrastruktur für die Energiewirtschaft, «ich kann mir vorstellen, dass Spinn-Offs entstünden, würde die Alstom wegziehen.»