Gränichen
Gränicher «Separatisten» erhalten Preis

Die Naturfreunde werden für ihre Bänkli und Brunnenmit dem Prix Benevol ausgezeichnet.

Marina Bertoldi
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Blick in die Zukunft:Präsident Ivan Volpi und Max Lehner hoffen, dass ihr traditionsreicher Verein noch lange bestehen bleibt.

Blick in die Zukunft:Präsident Ivan Volpi und Max Lehner hoffen, dass ihr traditionsreicher Verein noch lange bestehen bleibt.

Marina Bertoldi

Es gibt sie noch, die ehrenamtlichen Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie opfern ihre Freizeit für das Allgemeinwohl, helfen bei Projekten und Anlässen und tun das, ohne etwas dafür zu verlangen. Anfang September wurden nun einige von ihnen geehrt. Fünf gemeinnützige Projekte wurden mit dem «Prix Benevol», dem früheren Aargauer Freiwilligenpreis, ausgezeichnet. Auch der Verein Naturfreunde Gränichen ist unter den Gewinnern.

«Der Preis kam sehr überraschend», sagt Max Lehner von den Naturfreunden. Stolz zeigt er auf die Auszeichnung an der Wand. Daneben hängt eine Karte, auf der ein gutes Dutzend Brunnen und Feuerstellen eingezeichnet sind. Sie wurden allesamt von den Naturfreunden Gränichen gestaltet. Auch über hundert Bänkli hat der Verein in den letzten 97 Jahren aufgestellt.

«Wir haben viel Zeit investiert», sagt Ivan Volpi, Präsident des Vereins. Heute seien alle Bänkli und Feuerstellen in einem guten Zustand. Doch die Rastplätze und Brunnen aufzustellen und auf Vordermann zu bringen, bedeutet viel Arbeit. Verrichtet wird diese von den 19 Mitgliedern des Vereins. Viel mehr Aktivmitglieder wolle man bei den Naturfreunden nicht. «Lieber wenige, dafür solche, die auch wirklich arbeiten», sagt Ivan Volpi. Eine Zeit lang habe man jedem, der interessiert war, die Mitgliedschaft gewährt. Schon bald hatte der Verein zwar mehr Mitglieder, doch niemand kam an die Sitzungen. Deshalb wäge man heute genau ab, wer ein Naturfreund werden dürfe.

Verein war überaltert

Nicht immer konnte der Verein so wählerisch sein. «Vor etwa zwölf Jahren mussten wir aktiv neue, junge Mitglieder suchen. Der Verein war überaltert», erzählt Ivan Volpi. Auch heute ist ein Teil der Mitglieder bereits pensioniert. «Früher haben wir ab und zu zweitägige Wanderungen gemacht. Heute sind nicht mehr alle so gut zu Fuss.» Deshalb verlege man die Vereinsausflüge an Orte, die man auch mit dem öV oder dem Auto erreichen könne. Das nehmen die Naturfreunde aber in Kauf. «Die Pensionierten machen sehr viel für den Verein», sagt Ivan Volpi. So auch Max Lehner. «Ich gehe oft spazieren. Da sehe ich, was getan werden muss.»

Frauen unerwünscht

Wer mit anpackt, ist willkommen. Das gilt bei den Naturfreunden nur unter Vorbehalt. Frauen dürfen laut Statuten dem Verein nicht beitreten. «Wir wollen das Rad nicht neu erfinden», sagt Ivan Volpi. Man habe schon genügend Diskussionen im Verein. Bei den Vereinshocken jeweils Ende Monat und bei den Ausflügen seien Frauen und Familie aber immer dabei, betont er.

Genauso traditionsgetreu sind die Naturfreunde bei den Mitgliederbeiträgen. Sie liegen wie anno dazumal bei 50 Rappen pro Monat. Einzig die Passivbeiträge wurden von 2 auf 4 Franken pro Monat angehoben. «Wir gehen noch immer von Haus zu Haus, um die Beiträge einzusammeln», erzählt Max Lehner. Denn ohne diese Beiträge und die Unterstützung von Gemeinde und Sponsoren hätte der Verein keine Zukunft.

«Wir haben das Glück, dass wir fast keine Ressourcen von der Gemeinde fordern müssen», sagt Ivan Volpi. Aus diesem Grund, und weil die Naturfreunde in Gränichen einen gewissen Stellenwert hätten, komme von der Gemeinde einiges zurück.

Nebst der finanziellen Unterstützung erhalten die Naturfreunde von der Gemeinde Buchenstämme, die sie für ihre Bänkli weiterentwickeln. «Wir machen alles selbst, ob Bänkli, Brunnen oder Feuerstellen», erzählt Ivan Volpi.

Diese Unabhängigkeit ist den Gränichern wichtig. Bei dem offiziellen Verband Naturfreunde Schweiz sind sie nicht. «Wir sind eine Art Separatisten», sagt Max Lehner lachend. Eine Mitgliedschaft brächte vor allem Gebühren und Regeln. «Das wäre, als würde die Schweiz in die EU eintreten», scherzt Ivan Volpi.

Vandalismus ist ein Problem

Das letzte grosse Projekt war die Versetzung des ältesten Brunnens. Das Objekt aus dem Jahre 1921 musste der neuen Strasse auf den Rütihof weichen und wurde deshalb 2013 um einige Meter versetzt. Zwei volle Tage arbeiteten die Naturfreunde an der Versetzung – Vor- und Nachbearbeitungen nicht miteingerechnet.

Bei so viel Einsatz schmerzt es, wenn die Arbeit nicht geschätzt wird. Immer wieder werden Plätze und Bänkli der Naturfreunde verwüstet. Abfall werde liegengelassen, die Latten der Bänkli zerbrochen, Feuerstellen durch riesige Feuer zerstört. «Es wurde sogar schon zweimal hintereinander ein Bänkli komplett aus dem Boden gehoben», sagt Ivan Volpi.

Von den Chaoten lassen sich die Naturfreunde nicht abschrecken. Sie wollen, dass die Tradition ihres Vereins noch lange weiterlebt. Dafür sind bereits die Planungen für das Projekt zum 100-Jahre-Jubiläum angelaufen. Was genau 2018 von den Naturfreunden geschaffen wird, ist noch nicht entschieden.

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