Hat in Gränichen ein Umdenken in Sachen Flüchtlinge stattgefunden? Erst wollte man dort keine zusätzlichen Asylbewerber aufnehmen; die Pläne des Kantons, auf dem Gelände des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg eine neue Asylunterkunft zu erstellen, stiessen nicht auf Begeisterung.

Nun fordert eine Petition, unterzeichnet von rund 215 Gränichern, der Gemeinderat möge den leerstehenden alten Kindergarten als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stellen. «Wir haben die Petition am 24. September erhalten», sagt Gemeindeammann Rolf Arber (parteilos).

Das Schreiben, laut Arber «aus SP-nahen Kreisen», sei auch an das Kantonale Departement Gesundheit und Soziales gegangen. «Nächste Woche treffen sich Kanton und Mitarbeiter der Bauverwaltung zum Augenschein beim Kindergarten», so Arber.

Der Gemeinderat halte allerdings nicht viel davon, das Gebäude, das im Wesentlichen aus zwei grossen Klassenzimmern besteht, als Asylunterkunft zu brauchen. «Es hat ja einen Grund, warum wir einen neuen Kindergarten bauen mussten. Der alte ist in einem energetisch schlechten Zustand, es hat Eternit im Dach, nur eine Elektroheizung, grosse, einfachverglaste Fenster und keine richtigen Sanitäranlagen – bloss zwei kleine Kinder-WC.»

Eigentlich wollte die Gemeinde das Gebäude für 1000 Franken verkaufen, als «Schopf», wie Arber sagt. Eine andere Gemeinde hätte Interesse daran gezeigt, schliesslich aber aus Kostengründen vom Kauf abgesehen. Sie wollte nur das Gerüst verwenden, die Wände neu bauen und wieder einen Kindergarten daraus machen. Das wäre aber nur unwesentlich billiger geworden, als einen Neubau zu erstellen, deshalb habe die Gemeinde schliesslich verzichtet. «Wir gehen davon aus, dass der Kanton ebenfalls zum Schluss kommt, dass das Gebäude als Asylunterkunft nicht nutzbar ist», so Rolf Arber. Dann werde der alte Kindergarten wie geplant abgerissen.

Gemeinde sucht Wohnungen

Abgerissen wird auch das Brockenstube-Gebäude samt Wohnung. In diesem Zusammenhang verlieren eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie, die schon länger in Gränichen wohnt, sowie eine weitere vierköpfige Familie ihr Zuhause. «Für diese Familien suchen wir dringend nach einer neuen Bleibe», sagt Rolf Arber.

Mehrere Aufrufe an potenzielle neue Vermieter hätten nichts gebracht. «Wenn die Flüchtlingsfamilie aus Gränichen wegziehen müsste und die Liebegg-Unterkunft noch nicht sofort realisiert wird, erfüllen wir unsere Aufnahmepflicht nicht», sagt Arber. «Das würde die Gemeinde mehrere hunderttausend Franken Ersatzabgaben kosten. Die Abteilung Soziales nimmt daher gerne Mietangebote entgegen.»