Kieswerk

Gränicher Ortsbürger vor Millionen-Deal – «einmalige Gelegenheit den Betrieb zu sichern»

Es geht um die Rasenfläche in der Bildmitte zwischen Förderband und Fuhrpark der Dreier.

Es geht um die Rasenfläche in der Bildmitte zwischen Förderband und Fuhrpark der Dreier.

Das Transportunternehmen Dreier ist bereit, 1,02 Hektaren Industrieland zu verkaufen. Es wäre perfekt als Reservefläche für das Kieswerk.

Für die Gränicher Ortsbürger ist es seit Jahrzehnten die Einnahmequelle schlechthin: as Kies- und Betonwerk im Moortal, das demnächst um ein weiteres Abbaugebiet erweitert werden soll. Gleich zwischen Betriebsareal und Abbaugebiet ist eine Landfläche noch unbebaut. Es sind zwei zusammenhängende Parzellen in der Industriezone – die letzten, die für gewerbliche Nutzungen in Gränichen noch erwerbbar sind. Diese insgesamt 10185 Quadratmeter grosse Fläche wollen die Ortsbürger nun haben. Ein Kaufvertrag wurde bereits in Auftrag gegeben. Der definitive Beschluss wird an der Ortsbürgergemeindeversammlung vom 25. November erwartet.

Der Landkauf sei «eine einmalige Gelegenheit, den Betrieb des Kieswerks über Jahrzehnte zu sichern», steht in den Unterlagen zur Versammlung. Auf dem heutigen Betriebsareal wird der Platz immer knapper, durch den Landkauf hätte das Kieswerk Reserveflächen für einen Ausbau. «Seit längerer Zeit prüfen wir neue Projekte, um unser Angebot zu erweitern respektive zu ergänzen. Dafür werden auch neue Betriebsflächen benötigt», erklärt Gemeindeammann Peter Stirnemann.

Ein erster Kaufversuch sei vor vielen Jahren abgelehnt worden. Nun starten die Ortsbürger einen zweiten, vielversprechenderen Versuch – und lassen sich diesen auch etwas kosten: 3,9 Millionen Franken für Landkauf inklusive Erschliessung. Der Landpreis beträgt 360 Franken pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Letztes Jahr kauften die Ortsbürger eine Parzelle neben dem geplanten Recycling-Paradies näher an der Kantonsstrasse für einen Qua­dratmeterpreis von 380 Franken.

Dreier AG löst damit einen Teil ihrer De-Investition

Mit dem Landkauf wird eine Lücke zwischen Betriebsfläche und Abbaugebiet des Kieswerks geschlossen. Gelöst wird zudem auch ein Teil des Problems der Firma Dreier: Ihr gehört die Landfläche, nebenan betreibt sie noch die Werkstatt und Fuhrparkverwaltung ihrer Lastwagen. 2023 sollen Teile davon – die Rede war bisher von den Büros – an den neuen Haupt- standort der Dreier in Oberentfelden ziehen, dort, wo General Electric noch drin ist.

Als Teil des Abzugs beziehungsweise der De-Investition am Standort Gränichen hat Dreier den Ortsbürgern den Vorzug beim Landkauf gegeben. Diese Fläche war historisch als Industrieland eingezont und als Expansionsfläche für die Firma gesichert worden, blieb über 30 Jahre lang aber unberührt.

«Einwendungen kann aktiv vorgebeugt werden»

Für den Neubau des Werkhofs hatte die Ortsbürgergemeinde deren Landfläche im Baurecht an die Einwohnergemeinde abgetreten. «Mit dem vorgesehenen Kauf könnten die Fläche wieder kompensiert und die Zukunft des Kies- und Betonwerkes gesichert werden», sagt Peter Stirnemann. In den Unterlagen zur Ortsbürgergmeind ist ein weiterer Grund aufgeführt: «Es kann möglichen Einwendungen gegen den Betrieb des Kieswerks aktiv vorgebeugt werden.»

Seit 2017 versucht die Gemeinde, das Gebiet im Oberfeld zu erschliessen. Dieses Vorhaben ist durch Einsprachen blockiert. Laut Peter Stirnemann haben die jetzigen Landkaufabsichten der Ortsbürger aber nichts damit zu tun. Auch solle mit dem Kauf nicht verhindert werden, dass sich andere Industriebetriebe dort ansiedeln.

Ortsbürger haben über 26 Mio. Franken angespart

3,9 Millionen Franken wären als blosse Blockiersumme auch recht viel Geld. Wichtiger ist die Sicherstellung des Betriebs, der den Ortsbürgern wichtige Einnahmen generiert. Ende 2019 verfügten sie über ein Eigenkapital von 26,65 Millionen Franken. Der Landkauf als Investition liegt also problemlos drin. Dieses Jahr wurde auch die rund 40-jährige, reparaturanfällige Siebanlage – das Herzstück des Kieswerks – durch eine neue ersetzt. Die Anzahlung betrug bisher 126000 Franken.

In der Rechnung 2019 verbuchten die Ortsbürger einen Ertragsüberschuss beim Kieswerk von 462077 Franken. «Trotz reger Bautätigkeit» herrsche in der Kiesverarbeitung aber «ein grosser Preiskampf», steht in den Unterlagen, gefolgt von einer Bemerkung, die überrascht: «Ein starker Rückgang der Bautätigkeit in unserer Region ist absehbar.»

Weniger Bautätigkeit in der Boomgemeinde Gränichen?

Weniger Bautätigkeit – ausgerechnet in der Boomgemeinde Gränichen und mit den künftigen Grossüberbauungen in den benachbarten Suhr und Teufenthal? Gemeindeammann Peter Stirnemann erklärt: «Die vorhandene Bauzone ist in unserem Dorf zu zirka 97 Prozent ausgeschöpft.» Eine vorgesehene Verdichtung komme erst mit der Inkraftsetzung der überarbeiteten Bau- und Nutzungsordnung, die wegen Corona verzögert ist. «Wir sind ein regionaler Anbieter von Baustoffen», vorwiegend im Wynental. «Ab- oder zunehmende Bautätigkeiten von Nachbargemeinden wirken sich direkt auf unsere Werke aus.»

2019 wurden 53875 Kubikmeter Kies aus Gränichen verkauft – ein Rückgang um fast 18 Prozent. Hauptabnehmer ist die Frischbeton Gränichen AG. Auch die Deponiepreise seien vermehrt unter Druck: 26 Prozent weniger Aushubmaterial wurde in Gränichen entsorgt. «Seit längerer Zeit ist auch ein grosser Preiskampf im Gange, bei dem Kies teilweise unter dem Selbstkostenpreis offeriert wird», sagt Peter Stirnemann. «Auf einen solchen Zug möchten wir nicht aufspringen.»

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