Die Zahlen sind eindrücklich: 11'000 Fahrzeuge werden im Süden Gränichens (in der Bläien) täglich gemessen, bis zu 20'000 im Norden (auf Höhe der Nordstrasse). Bei rund 9000 Bewegungen, sagte Gemeindeammann Peter Stirnemann am Informationsforum am Donnerstagabend, handle es sich um «hausgemachten» Verkehr. Im April lancierte der Kanton einen Versuchsbetrieb zur Erhöhung der Verkehrssicherheit an der Hauptachse durchs Dorf.

Die Meinungen seien auseinandergegangen, sagte Stirnemann. Das Ergebnis ist bekannt: Der Versuch mit dem Mehrzweckstreifen beim Lindenzentrum wird weitergeführt, jener mit der Linse auf Höhe der Mattenstrasse wurde im September beendet. Wie der Ammann durchblicken liess, heisst das nicht, dass es hier keine Veränderung der Situation geben wird. Doch zuerst müsse die WSB-Haltestelle Töndler umgebaut, sprich behindertengerecht gestaltet werden.

250 Meter weiter in Richtung Suhr befindet sich die als Unfallschwerpunkt berüchtigte Abbiegung über das WSB-Trassee in die Nordstrasse. Für die Linksabbieger von Suhr her gibt es vor der Barriere heute schon eine Einspurstrecke. Für die Rechtsabbieger von Gränichen her ist eine solche geplant, doch ist die Suhrerstrasse im heutigen Zustand zu schmal dafür. Die Einspurstrecke setzt deshalb, wie Stirnemann erklärte, einen entsprechenden Landerwerb voraus.

Stau-Hotspot Suhr

Beim Blick über Gränichen hinaus geriet vor allem der Stau-Hotspot Suhr ins Blickfeld. Die Probleme um die Grossbaustelle Tramstrasse/Bernstrasse im Frühsommer hatten, als in Extremsituationen der Verkehr durch ganz Gränichen hindurch staute, den Gemeinderat bewogen, beim Kanton zu intervenieren. Gefordert wurde ein Zweischichtenbetrieb und die Inbetriebnahme von Lichtsignalanlagen. Letztere, stellte Stirnemann nun fest, hätten einiges gebracht. Der Verkehr über die Baustelle funktioniere derzeit relativ gut. Inzwischen könne auch der Kreisel beim «Kreuz» als solcher befahren werden. Sorgen mache man sich in Gränichen aber für die Zukunft, weil die Bahnschranken beim Rundhaus gemäss Planung der SBB künftig noch länger geschlossen sein sollen als heute schon.

Stirnemann kam auch auf die unendliche Geschichte der Ost- (und Süd-)Umfahrung Suhr zu sprechen. Immerhin: Mit der Gründung der IG Ostumfahrung sei der Druck gewachsen, und Baudirektor Stephan Attiger habe auch «Dampf gemacht». Freilich lasse sich mit den heutigen Rechtsmitteln jedes Projekt hinauszögern. Im Idealfall könne 2024 mit der Bauausführung begonnen werden. Zu den Kosten gebe es bislang nur Fragezeichen. Klar sei, dass der Tunnel in Suhr ein Vermögen koste. Laut Kostenteiler des Kantons sollen für die Ostumfahrung auch die Wynentaler Gemeinden zur Kasse gebeten werden. Ob das funktioniere? Auch Peter Stirnemann zeigte sich da nicht so sicher.

Auf der Schürbergstrasse, die viele Automobilisten nutzen, um Suhr zu umfahren, ist jetzt bis zum Waldrand Tempo 60 signalisiert. Eine Polizeikontrolle am Dienstag zeigte, dass ein Drittel der Fahrzeuge zu schnell unterwegs war. Die Strasse sei für den Langsamverkehr immer noch gefährlich, hiess es aus dem Plenum. Ob denn keine weiteren Massnahmen geplant seien? Ausserhalb des Baugebiets lasse sich fast nichts realisieren, antwortete Stirnemann. Ein abgetrennter Gehweg zum Beispiel sei von Gesetzes wegen nicht möglich. «Aber wir haben etwas im Kopf!»

Beim Kreisel und der Erschliessung Oberfeld mit der Zufahrt zum im Bau befindlichen neuen Werkhof Moortal ist nach wie vor Geduld gefragt. Der Ammann rief in Erinnerung, dass beim Kreisel der Kanton Bauherr ist – und damit zuständig für die eingegangenen Einsprachen. Er habe der Gemeinde kommuniziert, dass bis zum Vorliegen einer Stellungnahme der Rechtsabteilung etwa ein halbes Jahr verstreichen werde. «Und jetzt», so Stirnemann, «sind wir ungefähr im dritten Monat.»

Werkhof-Aufrichte im Dezember

Das Werkhof-Projekt kommt nach Angaben von Vizeammann Hanspeter Lüem gut voran. Die Aufrichte sei für den 3. Dezember geplant. «In etwa einem Jahr, so hoffen wir», sagte Lüem, «können wir zügeln.» Was dann mit der alten Anlage passiere, sei noch nicht klar. Lüem liess aber durchblicken, dass es beim alten Werkhof die Möglichkeit gäbe, eine Entsorgungsstelle einzurichten. Im Neubau sei eine solche nicht vorgesehen. Der Vizeammann machte deutlich, dass es beim neuen Werkhof Mehrkosten in der Höhe von ungefähr 250'000 Franken gibt, die man nicht habe voraussehen können. Verantwortlich dafür sind der lehmige Boden und Altlasten, die trotz vorgängigen Sondierschnitten erst beim Aushub zum Vorschein kamen. Zur Stabilisierung des Untergrunds mussten rund 100 sechs bis sieben Meter lange Pfähle in den Boden getrieben werden.