Gränichen
Ein Millionenprojekt: Die Hauptstrasse durchs ganze Dorf wird saniert

An der Gemeindeversammlung im November werden ein Kredit von fast 15 Millionen Franken für die Sanierung der Kantonsstrasse inklusive Werkleitungen und weiterer Anpassungen vorgelegt. Zudem soll das ganze Dorf östlich der Wyna zu einer Tempo-30-Zone werden.

Daniel Vizentini
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Die Kantonsstrasse in Gränichen soll saniert werden. Der Mittelstreifen soll wie beim Gasthof zum Löwen und dem ehemaligen Bahnhof (heute Valiant-Bank) über weite Strecken durchgehend werden.

Die Kantonsstrasse in Gränichen soll saniert werden. Der Mittelstreifen soll wie beim Gasthof zum Löwen und dem ehemaligen Bahnhof (heute Valiant-Bank) über weite Strecken durchgehend werden.

Daniel Vizentini

Nach Jahren der Planung geht es mit der Sanierung der Kantonsstrasse durch Gränichen vorwärts: Das Geschäft wird an der Gemeindeversammlung vom 22. November vorgelegt. Im aktuellen Gränicher Dorfblatt erläutern Gemeindeammann Peter Stirnemann und Gemeinderat André Muhmenthaler detailliert das Projekt und dessen finanzielle Auswirkungen für die Gemeinde. Diese sind nicht ohne: Von den 23,21 Millionen Franken Totalkosten für die Sanierung der Kantonsstrasse müsste Gränichen 7,78 Millionen zahlen. Hinzu kommen Anpassungen der Gemeindestrassen, eine neue Strassenbeleuchtung und eine neue Kanalisation. Insgesamt kostet das Projekt die Gemeinde 14,86 Millionen Franken.

«Keine schönen Aussichten am Gränicher Finanzhimmel», schreibt André Muhmenthaler entsprechend. Die Verschuldung liege aber «im verkraftbaren Rahmen»: Die zu erwartenden jährlichen Abschreibungen von rund 320'000 Franken entsprechen zwei Steuerprozenten. Und sie werden erst ab 2031 fällig. Denn: Baubeginn wäre erst 2028.

Ein Ja an der Gemeindeversammlung wäre nur der Startschuss. Projektierung, Auflage und Landerwerb könnten laut Kanton sechs Jahre dauern. Dies, obwohl schon mindestens vier Jahre am Projekt gearbeitet wird: 2017 fanden erste Sitzungen statt, das Betriebs- und Gestaltungskonzept als Grundlage für die anstehende Sanierung stammt sogar aus dem Jahr 2012. 2018 wurden probeweise Mehrzweckstreifen auf die Hauptstrasse gemalt und die Situation vor Ort untersucht. Der Gemeinderat bemühte sich danach um Optimierungen, verlangte offenbar auch eine Kostensenkung.

Im Fokus stand die Hauptstrasse zuletzt bei der Eigentrassierung der WSB

Es ist eine ganze Weile her, dass die Gränicher Hauptstrasse im Fokus von Bauarbeiten stand. Zuletzt 1985 vielleicht, als die WSB weg von der Strasse auf ein eigenes Trassee verlegt wurde. Gränichen hatte damals rund 5500 Einwohner, heute sind es über 8300. Auch das ist mit ein Grund für die Sanierung: Elektro- und Wasserleitungen seien an ihrer Kapazitätsgrenze, Abwasserleitungen überlastet und in den Fugenbereichen gar undicht, schreibt der Gemeinderat.

«Die Querschnitte sind zu klein, bei Starkregen entsteht regelmässig Rückstau in der Kanalisation. Der Unterhalt der Abwasserleitungen wurde jahrelang auch aus Kostengründen vernachlässigt.»

Erreicht werden soll auch eine Verbesserung der Situation beim Abbiegen, was die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer erhöht und weniger Staus verursacht. Sogenannte Flüsterbeläge sollen zudem für weniger Lärm sorgen. Weiter könnte die erneuerte Hauptstrasse zu einer allgemeinen Aufwertung des Ortsbilds führen.

Als die WSB noch auf der Hauptstrasse fuhr.

Als die WSB noch auf der Hauptstrasse fuhr.

Max Hintermann/zvg
Selbst Güterzüge verkehrten damals durchs Dorf.

Selbst Güterzüge verkehrten damals durchs Dorf.

Max Hintermann/zvg

Vor der Eigentrassierung verkehrten noch die Züge auf der Gränicher Hauptstrasse.

Max Hintermann/zvg

Sanierung in drei Abschnitten

Zweieinhalb Kilometer der Kantonsstrasse werden saniert, eingeteilt in drei Etappen: einen Abschnitt Nord von der Autobahnbrücke bis zur Einmündung Birkenweg, einen Abschnitt Mitte bis zur Einmündung Chilematt und einen Abschnitt Süd bis zum Kreisel Oberfeld, der 2022 neu erstellt wird.

Zwischen Sommerstrasse und Birkenweg wird ein neuer Gehweg erstellt und es wird fast durchgehend Mehrzweckstreifen geben, wie in der Tramstrasse in Suhr nach dem Umbau. Dadurch, dass abbiegende Autos mehr Raum erhalten, soll auch der Verkehrsfluss verbessert werden. Täglich fahren von Süden her 11'500 Fahrzeuge in Gränichen hinein und 20'000 fahren in Richtung Suhr wieder heraus. Ein Grossteil des Verkehrs ist also hausgemacht.

So könnte Gränichens charakteristische S-Kurve samt Mittelstreifen aussehen.

So könnte Gränichens charakteristische S-Kurve samt Mittelstreifen aussehen.

Gränicher Dorfblatt

Wird die Umfahrung von Suhr praktisch zur selben Zeit gebaut?

Während der Bauzeit wird der Verkehr nicht durch Quartierstrassen geleitet. Daführ setzte sich der Gemeinderat «vehement» ein, wie er schreibt. Es wird Lichtsignalanlagen und einspurige Verkehrsführungen geben. Schwerverkehr aus dem Wynental werde bereits in Unterkulm und Teufenthal via Dürrenäsch umgeleitet.

In Suhr soll von 2025 bis 2030 die Ost- und Südumfahrung gebaut werden (Projekt Veras). Ab 2022 bis 2027 ist zudem der Umbau der Hauptstrasse zwischen Suhr, Buchs und Aarau geplant. In den nächsten Jahren wird also viel Geduld auf den Strassen gefragt sein.

Gilt im halben Dorf künftig Tempo 30?

Wenn die Bahnbarriere in Suhr schliesst, stauen sich die Autos oft bis nach Gränichen hinein. Immer wieder werden Umgehungsfahrten via Eifeldstrasse–Ruus–Holtengraben–Nordstrasse festgestellt. Mit der Reduktion der Höchstgeschwindigkeit will der Gemeinderat diesem Schleichverkehr entgegenwirken. Damit die Temporegelung aber einheitlich ist und so auch eingehalten wird, bevorzugt der Gemeinderat Tempo 30 auf allen Gränicher Strassen östlich der Wyna. Diese Lösung wird an der Gemeindeversammlung vorgeschlagen. Als Kosten für die Einführung samt Überprüfung nach einem Jahr werden 75'000 Franken erwartet.

2016 verlangte eine Petition bereits Tempo 30 auf dieser Ausweichstrecke. Dann wurde, wie jetzt, Tempo 30 auf dem ganzen Gebiet östlich der Wyna vorgeschlagen. Der Gemeinderat beschloss anschliessend aber, Tempo 30 auf alle Wohnquartiere der Gemeinde auszudehnen. Die Gemeindeversammlung stimmte mit 256 zu 221 Stimmen eher knapp zu, an einem anschliessenden Referendum wurde dieser Beschluss aber eindeutig mit 61% Nein widerrufen.

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