Gränichen
Ammann Peter Stirnemann: «Den direkten Autobahnanschluss hat man versäumt, als der Kanton noch dafür zuständig war»

Mit über 8300 Menschen wächst Gränichen zum bedeutenden Zentrum im Wynental heran. Bei den Wahlen vom Wochenende stellen sich dieses Mal aber nur fünf Kandidierende für fünf Sitze. Gemeindeammann Peter Stirnemann spricht im Interview über die Arbeitslast, die Leerwohnungen, das Projekt Veras und die gescheiterte Forstfusion mit Suhr-Buchs.

Daniel Vizentini
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Peter Stirnemann (67, parteilos) will in Gränichen seine zweite Amtsperiode als Gemeindeammann antreten.

Peter Stirnemann (67, parteilos) will in Gränichen seine zweite Amtsperiode als Gemeindeammann antreten.

Ueli Wild (24.3.2017)

Herr Stirnemann, in Gränichen kandidieren fünf Personen für fünf Gemeinderatssitze, eine wirkliche Auswahl gibt es nicht. Interessiert sich niemand mehr für dieses Amt?

Es ist sehr schade, dass die Voraussetzungen sich so darstellen. An den letzten Wahlen 2017 standen neun Personen für die fünf Sitze zur Verfügung. Die Gründe für diesen «Kandidatenschwund» sind schwierig zu erklären. Es ist sicher auch eine Zeiterscheinung, dass sich immer weniger Personen für ein solches zeitintensives, öffentliches und beruflich schwer vereinbares Amt zur Verfügung stellen. Parteien generieren bei Gemeinderatswahlen auch nicht mehr so ein grosses Gewicht, da es sich doch meistens um eine Personenwahl handelt.

Mit über 8300 Menschen gehört das wachsende Gränichen zu den grösseren Gemeinden des Kantons. Hat sich die Arbeitslast für den Gemeinderat stark vergrössert?

Ja, das zeigt sich in jedem Ressort. Viele Aufgaben von Bund und Kanton werden an die Gemeinden abgewälzt. Die finanziellen Belastungen werden grösser oder, richtiger gesagt, die Möglichkeiten zur Einflussnahme immer kleiner.

Was sind die grössten Herausforderungen, die in der Gemeinde anstehen?

Durch die starke Bautätigkeit der letzten Jahre hat sich das Dorfbild verändert. Mit dem Zuwachs der Einwohnerzahl ist die Infrastruktur laufend anzupassen. Viele «Tiefbauarbeiten» sind vernachlässigt worden, was uns natürlich laufend einholt – einschliesslich der Sanierung der Kantonsstrasse. Mit den knappen finanziellen Mitteln versuchen wir das Optimum zu erreichen, aber dieser Zustand muss verbessert werden.

Was haben Sie in Ihrer letzten Amtsperiode erreichen können?

Der Gränicher Gemeindeammann Peter Stirnemann.

Der Gränicher Gemeindeammann Peter Stirnemann.

Bild: Daniel Vizentini (24.7.2020)

Wir arbeiten ja in einem Gremium und so ist es immer eine Leistung der Verwaltung und des Gemeinderats. Einige Projekte wie der neue Werkhof, die Informatik in der Schule, die Renovation des Dorfschulhauses und die Zonenplanrevision konnten realisiert werden.

Die Anzahl Leerwohnungen ging weiter zurück, trotzdem belegt Gränichen in der Region Aarau weiterhin den ersten Platz bei den Leerständen. Sehen Sie die Entwicklung auf dem richtigen Weg?

Die Einflussmöglichkeiten bei Überbauungen sind für uns, wenn die Bau- und Zonenvorschriften eingehalten werden, an einem sehr kleinen Ort möglich. Wir haben aber mit der BNO-Revision Voraussetzungen geschaffen, um die Entwicklung in unserem Sinne und hoffentlich auf den richtigen Weg zu leiten.

Warum sollte jemand nach Gränichen ziehen?

Die schönen Wohnlagen, das nahe Erholungsgebiet mit den vielen kleinen Nebentälern, die bewaldeten Hügelzüge links und rechts der Wyna, zeichnen unser Dorf aus. Dank der guten Erschliessung durch die Bahn mit vier Haltestellen ist Gränichen sehr gut an die grossen Agglomerationen angeschlossen. Dazu verfügt unser Dorf über ein breites Bildungsangebot und bietet viele Möglichkeiten zum Einkauf an. Ein aktives Vereinsleben ist mit vielseitigen Angeboten an sportlicher, kultureller und musischer Betätigung möglich.

Der Unkomplizierte

Ortsbürger und Ur-Gränicher Peter Stirnemann (67) ist seit 2012 Gemeinderat. Vor vier Jahren wurde der Parteilose zum Ammann gewählt. Vor seiner Pensionierung arbeitete er als Sachspezialist Kommunikation beim Kanton.

Gibt es etwas, das in Gränichen fehlt und Sie gerne erreichen möchten?

Ein sehr grosses Thema ist die anstehende Sanierung der Kantonsstrasse. Als Folge grösserer Investitionen müssen jeweils andere Projekte zurückgestellt werden und das holt einem später wieder ein. Ich möchte weiterhin in einem guten Gemeinderatsteam mit einer motivierten und den Einwohnerzahlen angepassten Verwaltung mithelfen, die Gemeinde weiter zu bringen.

Das Projekt Veras (Umfahrung von Suhr) bezeichneten Sie einst als «ein Sechser im Lotto» für Gränichen. Sind die Staus in der Gemeinde so zu lösen, oder hätten Sie doch lieber einen direkten Autobahnanschluss?

Dieser Vergleich war vielleicht etwas übertrieben. Aber sehen Sie, wenn der Verkehr nicht mehr fliesst, ist unser Dorf blockiert. Ein grosser Teil des Strassenverkehrs aus dem Wynental wählt diesen Weg in Richtung Autobahn. Die Frage zum Autobahnanschluss erübrigt sich, da man dies vor vielen Jahren, als der Kanton noch dafür zuständig war, versäumt hat. Mehrere Versuche beim Bund eine neue Prüfung der Absage zu erreichen, wurden abgelehnt. Jetzt gilt es, vorwärts zu schauen und das Projekt Veras möglichst gut und schnell zu realisieren.

Wie geht es weiter mit der Forstfusion mit Suhr-Buchs nach dem Gränicher Nein?

Das Nein wurde von der Arbeitsgruppe mit Bedauern akzeptiert, die Arbeiten eingestellt. Ich persönlich wäre der Meinung, dass man mit angepassten Bedingungen einen späteren Zusammenschluss prüfen könnte.

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