Einmal im Jahr an einem Winterabend treffen sich im Aarauer Industriegebiet bei anbrechender Dunkelheit über tausend Bosse. Im Abendkleid, geschmückt mit Federboa und Perlenkette, im schicken Anzug, mit Lackschuhen und dicken Zigarren im Mundwinkel verlangen sie Einlass in die Futterfabrik. Sie wollen nicht meucheln, nicht morden und keinen Komplott schmieden. Sie wollen nur eines: Feiern.

Zum 15. Mal findet am ersten Dezember die «Good Fellas»-Party im KIFF statt. Die Veranstaltung, bei der sich die Besucher angelehnt an das gleichnamige Drama des US-amerikanischen Regisseurs Martin Scorsese in Mafia-Manier und im 20er-Jahre-Look in Schale werfen und zu Funk, Soul und Hip-Hop tanzen, ist beliebt wie eh und je. «Die Nacht der Bosse» ist seit Jahren im Voraus ausverkauft. Zurzeit läuft der Vorverkauf.

Den Austragungsort wechseln

«Irgendwie haben wir den Generationenwechsel geschafft», sagt Renato Schmid. Der 42-jährige Aarauer organisiert den Event seit der Stunde null. Damals, vor 17 Jahren, fand er das erste Mal im Flösserplatz statt. Nach nur zwei Jahren war klar: Die Lokalität ist zu klein. Die «Good Fellas»-Party zog nach einer kurzen Pause ins KIFF um.

An der Abendkasse gab es auch hier noch nie Tickets – trotz den vergleichsweise hohen Eintrittspreiseen (dieses Jahr 36 Franken). Zwischenzeitlich überlegte Renato Schmid deshalb, den Austragungsort wieder zu wechseln. Einige Male konnten die «Good Fellas» (dt.: Gute Kerle) nicht nur im KIFF, sondern auch im Club Schlaflos tanzen. Das sei von der Raumaufteilung nicht optimal gewesen. «Deshalb sind wir heute wieder beim alten Konzept: Ausverkaufte Party, familiäre Atmosphäre», sagt Renato Schmid.

Vor dem Feiern zum Coiffeur

Trotz Altbewährtem hat sich in den Jahren aber auch einiges verändert. Die Musik im Saal sei jünger geworden, so Renato Schmid. Weniger Funk, mehr Hits. Auch der beliebte «Best Dress Award», die Wahl des besten Kostüms, ist dem Generationenwechsel zum Opfer gefallen. Von den Jüngeren wollten immer weniger beim Wettbewerb mitmachen.

Das Wichtigste ist aber geblieben: Wer sich nicht an den Dresscode hält, kommt nicht rein. Damit das nicht passiert, legen sich die Besucher richtig ins Zeug und klappern Läden nach Kleidern und Accessoires für den perfekten Look ab. Selbst Coiffeurbesuche vor der Party sind keine Seltenheit. Renato Schmid freut sich besonders über aussergewöhnliche Verkleidungen. Einmal kam eine Frau im gelben Kill-Bill-Kostüm. Letztes Jahr verkleidete sich ein Kubaner als Che Guevara. Sogar eine im Teppich eingewickelte «Leiche» brachten Partygänger schon mit. «Ein Highlight war, als Gäste in Carabinieri-Uniform auftauchten», erzählt der Aarauer. Gegen den Begriff «Mafia-Party» wehrt sich der 42-Jährige jedoch. «Wir versuchen, im Zuge des Generationenwechsels von diesem Image wegzukommen und bewegen uns in Richtung 20er-Jahre-Stil.»

Organisiert regelmässig Ü25-Partys

Im Durchschnitt sind die Partygänger um die 26 Jahre alt. «Die Besucher sind aber von jung bis alt gut verteilt», so Renato Schmid. Im Foyer feiert weiterhin vor allem die Generation, die schon kurz nach der Jahrhundertwende im KIFF das Tanzbein schwang.

«Früher kannte ich 600 von 1000 Besuchern noch persönlich. Heute sind es vielleicht rund 150», sagt Renato Schmid lachend. Darunter seien viele Aarauer Musiker, Künstler, Beizer und Barkeeper. Aufgewachsen in der Stadt, kennt Renato Schmid das Aarauer Nachtleben in- und auswendig. Mit seinem Label Delight Productions organisiert er neben der «GoodFellas» regelmässig Ü25-Partys und weitere Events in der Region. Er war damals einer der Mitbegründer des Clubs Zoo und zwei Jahre lang für das Programm von «Musig i de Altstadt» zuständig.

Wird man vom Partyleben nicht irgendwann müde? Mit 42 denkt Renato Schmid nicht ans Aufhören. «Ich bin froh und demütig, dass es schon so lange funktioniert» sagt er. Zum 15. Jubiläum wollen er und sein Team den Generationenspagat ein weiteres Mal schaffen. Auf die Besucher warten einige Überraschungen. Alles will der Aarauer noch nicht verraten. Nur so viel: «Unsere heissgeliebte ‹Good Fellas›-Hausband kommt zurück – L’Orchestra Corleone.»