Aarau
«Göni»-Sanierung wird 1,6 Millionen teurer

2 Prozent der Bausumme für «Unvorhergesehenes» im Baukredit waren zu optimistisch: Bei der gegenwärtigen Erneuerung und Erweiterung des Aarauer Gönhardschulhauses sind Mehrkosten von 1,6 Millionen Franken aufgelaufen.

Hermann Rauber
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Aargauer Zeitung

Bei der gegenwärtigen Erneuerung und Erweiterung des Aarauer Gönhardschulhauses sind Mehrkosten von 1,6 Millionen Franken aufgelaufen. Mit dieser Botschaft überraschte Stadtrat Lukas Pfisterer vor Wochenfrist die Öffentlichkeit. Der zusätzliche Aufwand bewirkt, dass der vom Volk am 8. März 2009 bewilligte Verpflichtungskredit von 14,99 Millionen Franken um mindestens 11 Prozent überschritten werden dürfte. Die Hauptgründe liegen bei zu knapp kalkulierten Reserven und bei der Tatsache, dass das Schulhaus nachträglich unter Denkmalschutz gestellt worden ist.

Die Baudelegation unter dem Präsidium von Lukas Pfisterer hatte bereits im vergangenen Frühling Alarm geschlagen und die Ermittlung der sich abzeichnenden Mehrkosten veranlasst. Diese sind vom Aarauer Stadtrat in einem Schreiben vom 12. September an die Mitglieder des Parlamentes eingehend aufgelistet und begründet worden.

Die Behörde verweist grundsätzlich auf den Umstand, dass der gesprochene Investitionskredit auf der Grundlage eines Vorprojektes erfolgte, das heisst mit einer Kostengenauigkeit von plus/minus 15 Prozent. Die «offenen Reserven» für Unvorhergesehenes seien im Fall der Schulanlage Gönhard mit lediglich 2 Prozent der Bausumme laut Stadtrat «zu optimistisch» ausgefallen.

Nachträglich unter Denkmalschutz

So schlagen just jene nicht vorhersehbaren Mehrkosten mit einem Plus von 433 600 Franken zu Buche, namentlich Anpassungen beim Rohbau und bei den allgemeinen Baumeisterarbeiten, dann aber auch beim erhöhten Aufwand für den Elektrobereich oder beim Brandschutz. Zum Zweiten wirkten sich nachträgliche «Bestellungsänderungen» im Umfang von 303 500 Franken negativ aus, namentlich bei der Minergie-Planung oder bei der vollständigen Unterkellerung der neuen Aula.

Noch einmal 210 000 Franken sind beim Mobiliar und bei der Ausstattung hinzugekommen. Nicht eingerechnet in den Verpflichtungskredit waren aber auch genügende Kredite für Umzüge und Provisorien (180 000 Franken). Unter diese Rubrik fallen auch die Mehrkosten für das erweiterte Container-Provisorium für den Schulbetrieb während der Bauzeit und für die nahtlose Weiterführung der Tagesstrukturen.

Erschwerend hinzu kam als vierter Punkt die Tatsache, dass das «Göni», das erste Aarauer Quartierschulhaus aus den vergangenen 50er-Jahren, erst nach dem Kreditbeschluss unter kantonalen Denkmalschutz gestellt worden war. So mussten gemäss Stadtrat «in relativ kurzer Zeit neue Bedürfnisse aufgenommen werden», primär bei der Material- und Oberflächengestaltung.
Unter dem Strich resultieren aus den denkmalschützerischen Auflagen Mehrkosten von 384 300 Franken. Hier darf die Stadt allerdings mit einem kantonalen Staatsbeitrag in der Höhe von rund 350 000 Franken rechnen.

«Im Detail nachvollziehbar»

Weitere 40 000 Franken an Mehrkosten gehen auf das Konto Mehrwertsteuer, die per 1. Januar 2011 von 7,6 auf 8 Prozent erhöht worden ist. Summa summarum erreicht der Mehraufwand heute die Summe von 1,6 Millionen Franken. Was vom Stadtrat «bedauert» wird, obwohl die zusätzlichen Kosten «im Detail gemäss Sinn und Zweck nachvollziehbar» seien, und zwar für eine «nachhaltige Gesamtsanierung der Schulanlage Gönhard». Die Behörde verzichtet auf den Antrag eines Zusatzkredites, weil die Arbeiten bereits «zu 99 Prozent vergeben» und zu zwei Dritteln realisiert worden sind.

Erfreulich ist mindestens die Aussicht, dass die Termine eingehalten werden können. In diesen Tagen wird die zweite von total drei Bauetappen abgeschlossen. Und Ende April 2012 kann das «Göni» in neuem Glanz und ohne Einschränkungen benutzt werden. Über die Mehrkosten hingegen dürfte wohl noch gestritten werden, denn der Stadtrat verspricht, «im Zusammenhang mit der Kreditabrechnung zuhanden des Parlamentes zu den heute noch offenen Fragen Stellung zu nehmen».

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