«Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun», so tönte es am Freitagabend aus 80 gut benetzten Kehlen im passenden Ambiente. Altherren des Kantonsschüler-Turnvereins (KTV) und einige Gäste waren im idyllischen Jugendstil-Pavillon des Restaurants Weinberg zusammengekommen, um das goldene Jubiläum studentischer Sangesfreude zu feiern.

Alles begann vor 50 Jahren, als eine frohe Runde am KTVer- Stammtisch im alten «Affenkasten» nach der Polizeistunde (damals noch um Mitternacht) noch nicht genug hatte und sich nach einem erfolglosen Umweg im Keller des Privathauses der Familie Hoffmann an der Tannerstrasse einfand, wie sich Hansrudolf Hoffmann (v/o Zack) mit gewohnter Eloquenz erinnerte.

«Die Tradition lebt»

Der Beschluss, künftig im Kreis des KTV regelmässig einen AH-Kant durchzuführen, wurde alsobald in die Tat umgesetzt. «Es war auch unsere Absicht, das Kulturgut des Studentenlieds an jüngere Generationen weiterzugeben», betonte der ehemalige Botschafter der Eidgenossenschaft. Dass die Idee, schöne Lieder vor der Vergessenheit zu retten, auch 50 Jahre nach der Premiere noch immer mit Erfolg zelebriert wird, bewies die stimmgewaltige Corona mit Sängern jeglichen Alters. «Die Tradition lebt», rief Hoffmann in den Saal, sie bilde noch immer die «Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft».

Hommage an Scheffel

Neben Goethe, Uhland. Eichendorff oder Gottfried Keller zeichnete auch Joseph Victor von Scheffel für Liedtexte verantwortlich. Ulrich Fischer (v/o Marron) zeigte der Sängerschar den Bezug Scheffels zum Seetal auf. Der Dichter hielt sich zwischen 1860 und 1868 insgesamt vier Mal im Brestenberg und in Seon zur Kur auf und verewigte die Landschaft des Hallwilersees auch literarisch. Scheffels berühmtestes Werk ist der «Trompeter von Säckingen», der später auch als Vorlage für eine Oper diente. Aus diesem Werk intonierte der Aarauer Turmbläser Peter Roschi den noch heute in Bad Säckingen häufig gespielten Passus «Jung Werners Abschied». Der ehemalige Nationalrat Fischer zitierte denn auch den berühmten Versschluss, der vom Volksmund übernommen worden ist: «Behüt’ dich Gott, es wär zu schön gewesen, behüt’ dich Gott, es hat nicht sollen sein».

Dann war die Reihe an Rainer Hoffmann (v/o Till), der als langjähriger Cantus-Magister in unnachahmlicher Art das Lied «Alt Heidelberg, du feine» intonierte und dirigierte, das ebenfalls aus der Feder von Scheffel stammt. Am Ende entliess AH-Präsident Urs Lienhard (v/o Argon) die Schar in das initium fidelitatis, das für einige bis weit nach Mitternacht dauerte.