Der Pfau ist immer noch ausgeflogen. «Sofern er noch lebt», sagt Tierpflegerin Alessandra Hug. Ein Fuchs hat Mitte Juni die Pfauen erschreckt, worauf acht Vögel ausgebüxt sind. Fünf sind zurückgekehrt, zwei sind dem Fuchs zum Opfer gefallen und einer ist immer noch ausser Haus. Aber da in den letzten Tagen keine Sichtung mehr gemeldet wurde, muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden.

Doch zu etwas Erfreulicherem: Der Aarauer Wildpark Roggenhausen hat auch diesen Sommer diverse Jungtiere vorzuweisen, und sie gedeihen alle prächtig. Die Rehkitze galoppieren mit ihren Rothirsch-Müttern durchs Gras und machen sich über das Gemüse her, das Alessandra Hug von der Aussichtsplattform ins Gehege geschleudert hat. Eigentlich wollte die Tierpflegerin den Hirschstier anlocken, doch der verlässt sein schattiges Plätzchen auf der anderen Seite des Geheges nicht. Er ist der neue Platzhirsch im «Roggi». Damit der Genpool eine Auffrischung erfährt, wurde Vorgänger Aaro ersetzt. Einen neuen Hirsch zu bekommen, sei gar nicht so einfach, sagt Stadtoberförster Fabian Dietiker. Seit April gehört das Roggenhausen auch zu seinem Aufgabenbereich. Dank den guten Beziehungen der Tierpfleger wurde in Bayern ein passender Hirsch gefunden. Doch den gab es nicht umsonst: Das Roggenhausen tauschte zehn Steinböcke gegen den Rothirschstier. Nach anfänglicher Scheu habe sich der Hirsch gut eingewöhnt, sagt die Tierpflegerin. «Wir hoffen, dass wir den Hirsch zehn bis fünfzehn Jahre behalten können», sagt Dietiker.

Viel Bürokratie für die Wildschweine

Ein paar Meter weiter wühlen die Wildschweine zwischen Steinen nach Würmern und Maden. Brechen heisst dieser Vorgang und es tönt auch so, wenn sie mit ihren Rüsseln energisch ganze Steinbrocken wegschieben. 17 Frischlinge wurden dieses Jahr geboren. «Unser Gehege entspricht heute bereits den Tierschutzbestimmungen», sagt Dietiker. Doch damit man den Wildschweinen die gesamte Palette aus ihrem natürlichen Lebensraum bieten kann, soll noch ein Stück Wald dazukommen. Dafür ist ein komplizierter bürokratischer Prozess notwendig, da es ein Baugesuch und eine Rodungsbewilligung braucht.

Dank der vielen Bäume hat es im «Roggi» viel Schatten. Trotzdem wird es heiss. Die Tierpflegerinnen haben verschiedene Methoden zur Abkühlung parat: «Die Ponys werden geduscht, und bei den Schweinen gibt es eine Suhle», sagt Hug. Eine Suhle ist eine schlammige Vertiefung im Boden, wo sich die Schweine reinlegen können. Und für die Minipigs gibt es eine besondere Überraschung: Glace! Alessandra Hug hat Früchte in einen Eisblock eingefroren. Sobald sie diesen ins Gehege legt, kommen die Publikumslieblinge angewuselt und machen sich über die kühle Überraschung her. Auch hier hat es junge Säuli, schwarze und gepunktete. Vor dem Gehege schleckt ein Bub an einer Stängelglace. Die Hitze macht alle gleich.