Region Aarau

Gipfeli, Güggeli oder Pasta: die mobilen Köche am Strassenrand

Ein Gipfeli am frühen Morgen oder ein Poulet zum Zmittag – an diesen Ständen kein Problem. Ihre Betreiber sind heute hier, morgen dort und verkaufen Essen am Strassenrand – selbst wenn es schneit.

Wenn andere noch tief unter der warmen Decke liegen und schlafen, schrillt Sibille Helblings Wecker in voller Lautstärke: Um 3.30 Uhr steht sie auf, springt unter die Dusche und fährt nach Lenzburg an den Bahnhof. Dort stellt sie ihren Stand mit Gipfeli und Sandwichs auf und wartet auf die ersten Frühaufsteher. «Ich habe keine Probleme, früh aus den Federn zu kommen», sagt Helbling, «dafür mache ich meinen Job zu gerne.»

Am meisten gefällt ihr der Kontakt zu den Menschen: «Ich mag es, wenn ich die Morgenmuffel aufstellen kann», sagt sie. «Guete Morge», ruft sie fröhlich einem vorbeieilenden Mann zu, der die Hand zur Begrüssung hebt. Die Kälte sei für sie selber kein Problem, sagt Sibille Helbling, warm eingepackt überstehe sie die kalten Morgenstunden problemlos.

Abwechslung auf dem Speiseplan

Sibille Helbling ist eine von vielen, die in einem mobilen Stand auf der Strasse eine Mahlzeit verkaufen. Ob Gipfeli, Güggeli oder Pasta: Diese Köche sorgen für Abwechslung auf dem Speiseplan. Meistens kommen sie nur einmal pro Woche vorbei, wenn der Hunger am grössten ist – mittags.

Auch wenn nicht immer gleich viel laufe, etwas los ist immer, sagt Sibille Helbling. An eine Begegnung vor ein paar Jahren erinnert sie sich heute noch. Ein Mann stand in einiger Entfernung des Standes und beobachtete sie. Helbling bückte sich kurz hinunter, um Milch nachzufüllen, da hörte sie es klappern. Als sie den Kopf hob, war die Kasse auf dem Tisch weg und mit dem Mann bereits in der Unterführung verschwunden. Sie rannte ihm nach und schrie laut, bis eine Gruppe Schüler darauf aufmerksam wurde und den Mann auf Gleis 1 packen konnte.

Etwas später als Sibille Helbling mit ihrem Zmorgebuffet steht Ueli Ramer im «Meister Güggeli»-Wagen an der Tellistrasse in Aarau. Er verkauft saftige, braun gebratene Poulets. In einem langen Mantel und einer blauen Mütze sitzt er von morgens bis abends in seinem Wagen. Auf der Theke vor ihm steht ein Öfeli, hinten stecken die Güggeli auf den heissen Grillstangen.

Im vergangenen Jahr war der Wagen noch auf beiden Seiten offen. «Da stand ich jeweils vor den Poulets, um mich aufzuwärmen», sagt Ramer lachend. Heute ist der Wagen auf den Seiten geschlossen, kalt ist es nicht. «Ich habe ausserdem das Gefühl, je kälter es ist, desto mehr Leute kaufen», sagt Ramer.

Vor allem Auto- oder Lastwagenfahrer kommen vorbei, Hektik kommt selten auf. Der gelernte Koch ist sich aus seinem Beruf anderes gewöhnt. «Hier habe ich Zeit, um nachzudenken», sagt er. Manchmal zähle er die Autos, die vorbeifahren, oder beobachte, wie sie in der Garage gegenüber gewaschen werden. «Wenn nur jedes hundertste Auto anhielte und ein Poulet kaufen würde, wäre das genial», sagt er.

Auch im Wynental kommen Pouletliebhaber auf ihre Kosten: Jeden Donnerstag steht Eljvide Rahimovic mit ihrem Wagen «Emil’s Güggeli» in Menziken beim Alten Schulhaus und verkauft 30 bis 40 Güggeli pro Tag. Im Winter sei es angenehmer als im Sommer, wenn es draussen heiss sei und der Grill von hinten zusätzlich heize. Nur laufe im Januar allgemein etwas weniger. Ab und zu sei es schon etwas langweilig, sagt Rahimovic.

Kochen auf engem Raum

Immer etwas zu tun gibt es bei Esther Gruber in Schafisheim. Ihr Arbeitsplatz, die «Barco»-Imbissbude, steht etwas versteckt neben der Aarauerstrasse, inmitten von Baustellen und Kiesgruben. Hier verpflegen sich Lastwagenchauffeure und die Arbeiter der umliegenden Baustellen. Esther Gruber schneidet gerade frische Karotten, auf dem Herd kocht das Wasser für die Spaghetti.

Auf wenigen Quadratmetern bereitet Gruber jeden Mittag ein anderes Menü zu. Die grösste Herausforderung sieht Gruber in der Berechnung der Lebensmittel. «Man muss aufpassen, dass man nicht auf den Waren hocken bleibt», sagt Gruber. Am Tag zuvor wurde sie jedoch am Mittag regelrecht mit Bestellungen überrannt – deshalb blubbert heute die doppelte Menge Bolognese-Sauce in der Pfanne.

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