Eine gewisse Nervosität macht sich breit. Was erwartet mich auf der Gigathlon-Schwimmstrecke als Helferin? Ich bin auf dem Weg zum Kraftwerk in Rupperswil/Auenstein. Hier müssen die Schwimmer ihre neun Kilometer lange Strecke auf der Aare wegen des Kraftwerks unterbrechen, dieses umlaufen und wieder ins Wasser steigen.

Ich bin auf dem Boot mit der Nummer Sieben stationiert. Es ist das letzte Boot vor dem Ausstieg und damit sind wir gleich vor dem Kraftwerk. Mit mir an Bord sind Marco vom Freianglerverein Rupperswil und zwei Rettungstaucher, Karin und Thomas. Unsere wichtigste Aufgabe: Die Schwimmer gut beobachten und – sollten sie nicht Richtung Zwischenziel unterwegs sein – in die richtige Bahn lenken.

Gigathlon-Schwimmer müssen beim Kraftwerk in Rupperswil/Auenstein aus dem Wasser

Gigathlon-Schwimmer müssen beim Kraftwerk in Rupperswil/Auenstein aus dem Wasser

Es ist kurz nach halb acht und per Mikrofon bekommen wir vom Start in Aarau die Information, dass bereits die erste Schwimmerin gestartet ist. Damit hatte man nicht gerechnet. Um Viertel nach acht Uhr taucht sie auch schon beim Zwischenziel in Rupperswil auf. 5,5 Kilometer hat sie nun hinter sich, mehr als die Hälfte.

Einige Athleten schwimmen ein bisschen zu nah am Ufer. Marco erklärt mir, dass dies wegen des Schwemmholzes gefährlich sein könnte. Wir behalten sie im Auge. Ein weiterer Athlet – er ist nicht der einzige – schwimmt auf der falschen Seite. Wir versuchen, ihm mit rufen und pfeifen anzuzeigen, wo das Ziel wäre. Erst als er beinahe bei unserem Boot angekommen ist, hört er uns. Er ändert die Richtung und schwimmt zum Ausstieg. Jetzt muss er nochmals alle Kraft aufwenden, um gegen die Strömung zum Zwischenziel zu gelangen.

Es ist Halbzeit meines Einsatzes und die Single- und Couple-Athleten sind an uns vorbeigezogen. Wir warten auf die Athleten aus den Fünfer-Teams. Ich kann an Land und beim Ausstieg helfen. Denn dieser hat es in sich: Eine steile Rampe und eine metallene Treppe führen ans Ufer.

«Langsam, langsam»

Zwei Helfer stehen im Wasser und ziehen die Schwimmer die Rampe hoch, zwei weitere ziehen sie weiter und danach komme ich. Ich versuche sie, vor einem Sturz auf die Treppe zu bewahren. Ich rufe immer wieder «langsam, langsam», manche befolgen meinen Rat und reduzieren das Tempo, manche rennen die Treppe hoch, als könnten sie hier wichtige Sekunden verlieren – manche stolpern dann auf der Treppe. Viele sind sehr dankbar, dass sie «aus dem Wasser gezogen werden», sind doch die Athleten oft noch wacklig auf den Beinen und die Muskeln noch nicht ans Laufen gewöhnt. Einige Athleten werden deshalb auch von heftigen Wadenkrämpfen geplagt.

Die Emotionen machen den Gigathlon aus. Viele sind zwar erschöpft, als sie am Zwischenziel ankommen, aber glücklich. Sie werden von den Zuschauern angefeuert und haben manchmal auch noch Zeit für ein Foto oder eine kurze Umarmung.

Ich sehe beim Ausstieg einerseits die Erleichterung der Athleten, den ersten Teil auf der Aare geschafft zu haben. Andererseits glaube ich auch, das Adrenalin in der Luft wahrzunehmen. Denn der Gigathlon ist noch nicht zu Ende.