Entfelden
Giftköder ausgelegt: Geht in der Region Entfelden ein Hundehasser um?

In der Region Entfelden macht das Gerücht die Runde, jemand habe Giftköder ausgelegt, um Hunden zu schaden. Drei Tiere sollen seit August daran gestorben sein – offizielle Meldungen gibt es aber nicht. Auch sind keine Anzeigen eingegangen.

Nadja Rohner
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Ein Giftköder ist schnell aufgelesen. Geht in der Region ein Hundehasser um?

Ein Giftköder ist schnell aufgelesen. Geht in der Region ein Hundehasser um?

Keystone

In der Region Entfelden macht das Gerücht die Runde, jemand habe Giftköder ausgelegt, um Hunden zu schaden. Am Dienstag vor einer Woche sei deshalb der zweieinhalbjährige Labrador Aaro gestorben, berichtet der «Landanzeiger». Es soll zudem weitere Fälle gegeben haben.

Davon erzählt auch Aaros Frauchen, Dorothea Ryser-Hess. Sie schildert gegenüber der az das Schicksal ihres Hundes folgendermassen: «An einem Freitag im September hat Aaro plötzlich nichts mehr gegessen, dafür Unmengen Wasser getrunken. Er war ganz komisch, ist nur noch rumgelegen und musste ständig pinkeln.»

Weil Rysers an eine Infektion der Harnwege dachten, brachten sie ihren Hund nach Staffelbach in die «Tierklinik 24». Dort blieb der Laborador eine Woche. «Man sagte uns, Aaro habe womöglich einen Giftköder mit Rattengift gefressen», sagt Ryser.

Weil die Tierärzte dem jungen, kräftigen Hund eine 50-prozentige Überlebenschance prognostizierten, liessen Rysers ihn nicht gleich einschläfern. «Er hat gekämpft», sagt Ryser.

«Wir mussten ihm diese Chance einfach lassen, sonst hätte ich mein Leben lang ein schlechtes Gewissen gehabt.» Tatsächlich schien sich der Hund zu erholen, er durfte nach Hause. Dann ging es Aaro plötzlich schlechter, Rysers brachten ihn erneut in die Klinik. Schliesslich musste Aaro eingeschläfert werden. Insgesamt hatte sein Todeskampf rund einen Monat gedauert, fast drei Wochen lang war er in der Tierklinik.

So wirkt Rattengift

Rattengifte wirken in der Regel, indem sie die Blutgerinnung hemmen. Es kommt zu tödlichen inneren Blutungen. Einige Rattengifte enthalten hoch konzentriertes Vitamin D.
Ratten sind bei der Nahrungsaufnahme vorsichtig und warten lieber ab, ob ihre Artgenossen den Verzehr eines unbekannten Nahrungsmittels überleben, bevor sie selber davon fressen. Deshalb sind Rattengifte darauf ausgelegt, erst nach mehreren Stunden bis Tagen ihre Wirkung zu entfalten.

«Das ist doch krank»

Der Verlust ihres Hundes geht Dorothea Ryser immer noch sehr nahe. «Wenn ein Tier altershalber oder an einer Krankheit stirbt, akzeptiert man das halt», sagt sie.

«Aber es schmerzt mich unglaublich, dass ein junger, gesunder Hund so qualvoll sterben musste, weil ihn jemand vergiftete. Ich verstehe einfach nicht, wie man das tun kann, das ist doch krank.» Anzeige hat Familie Ryser nicht gemacht. «Uns wurde gesagt, das bringe nichts», sagt Dorothea Ryser.

Lieber will sie nun über die Medien andere Hundehalter warnen. Denn: Es sehe so aus, als ob Aaro kein Einzelfall sei. Ryser berichtet von einer Bekannten aus Suhr, die mit ihrem Hund wie Familie Ryser oft in der Gegend des Friedhofs Unterentfelden spazieren ging.

«Im August starb ihr Hund – ein fast 50 Kilogramm schweres Tier – innert weniger Stunden an einem Giftköder. Ich weiss auch noch von einem dritten Hund in der Region, der im August an einer Vergiftung starb.»

War es wirklich ein Köder?

Ob nun wirklich ein Tierhasser in der Region Entfelden Giftköder verteilt, ist unsicher. Zwar bestätigt die «Tierklinik 24», wo Aaro behandelt wurde, dass der Labrador an einem Rattengift gestorben ist. Es müsse sich aber nicht zwingend um einen Giftköder gehandelt haben. Denkbar sei auch, dass der Hund einen vergifteten Maus- oder Rattenkadaver gefressen habe.

Auf Anfrage heisst es bei den Gemeindeverwaltungen der beiden Entfelden, es seien keine Meldungen zu Giftködern eingegangen. Auch die Kantonspolizei Aargau verzeichnete keine Anzeigen, wie Mediensprecher Bernhard Graser sagt.

Das Auslegen von Giftködern dürfte unter Artikel 26 des Tierschutzgesetzes fallen. Dort wird das Thema «Tierquälerei» behandelt. Darunter versteht das Gesetz unter anderem das Töten eines Tieres auf qualvolle Art oder aus Mutwillen. Wer dies vorsätzlich macht, kann mit einer Freiheitsstrafe von maximal 3 Jahren bestraft werden.

In der Praxis wird der Strafrahmen aber kaum ausgenutzt. Ist ein Tierquäler nicht einschlägig vorbestraft, kommt er in der Regel mit einer bedingten Geldstrafe und einer Busse davon.