Interview

«Gibt Personen, die meine Wahl verhindern wollten»: Reto Keller über seinen Abgang von der SVP-Liste

«Ich wurde explizit nicht zu einem  Anlass in Oberentfelden eingeladen.» - Reto Keller Hausarzt.

«Ich wurde explizit nicht zu einem Anlass in Oberentfelden eingeladen.» - Reto Keller Hausarzt.

Als Quereinsteiger hatte er sich für einen Listenplatz bei der SVP beworben, danach aber einen Rückzug gemacht. Der Arzt Reto Keller spricht im Interview nun über seinen überraschenden Abgang von der SVP-Liste und die Rolle von Grossrätin Vreni Friker.

Unter dem Titel «Es knistert und kracht in den Parteien» berichtete die AZ am 28. Juli über die Grossratskandidaten im Bezirk Aarau. Im Text war auch der Oberentfelder Hausarzt Reto Keller (52) ein Thema. Er ist von der Bezirkspartei nominiert worden, hat dann aber unter etwas speziellen Verhältnissen seine Bewerbung zurückgezogen. Im nachfolgenden Interview erklärt Reto Keller die Hintergründe.

Was hat Sie dazu bewogen, sich als Quereinsteiger für einen Listenplatz bei der SVP zu bewerben?

Reto J.D. Keller: Nun, es ist nicht so, dass ich mich von selber dafür beworben habe. Ich wurde letztes Jahr von meinem Kollegen aus der Kantizeit – dem jetzigen SVP-Regierungsrat Jean-Pierre Gallati – zum Fraktionsausflug eingeladen. Aufgrund meiner einschlägigen Erfahrung im Gesundheitswesen wäre ich für ihn der gewünschte Mann im Grossen Rat gewesen – zumal demnächst wichtige gesundheitspolitische Weichen gestellt werden müssten.

Wie sind Sie von der SVP empfangen worden?

Bei sämtlichen von mir besuchten Anlässen wurde ich ausserordentlich freundlich und wohlwollend empfangen. Ich habe dabei sehr viele engagierte Parteimitglieder kennen lernen dürfen.

Es gab Probleme mit der von der SVP-Grossrätin Vreni Friker präsidierten SVP Oberentfelden. Warum?

Die Frage nach dem Warum kann ihnen wohl nur Frau Friker allein beantworten. Fakt ist: Weder sie noch sonst jemand von der SVP Oberentfelden haben nach Bekanntgabe der Nomination mit mir persönlich über allfällige Probleme gesprochen. Offensichtlich fehlte da schlicht der Mut dazu. Ein weiterer Fakt: Der Vorstand der SVP Oberentfelden besteht unter anderem aus zwei Mitgliedern derselben Familie.

Hat Sie das Gestürm überrascht?

Ja, weil mich Frau Friker nicht persönlich kennt und nie ein Gespräch mit mir gesucht hat.

Warum haben Sie schliesslich Ihre Kandidatur zurückgezogen?

Als Arzt bin ich es mir gewohnt, Probleme pragmatisch zu analysieren und dementsprechend zu handeln. Kurz nach Nomination der Grossratskandidaten hat die SVP Oberentfelden einen Anlass durchgeführt, bei welchem die Grossratskandidaten und die neue SVP-Fraktionspräsidentin eingeladen wurden. Ich wurde zu diesem Anlass explizit nicht eingeladen und somit stand für mich fest, dass es Personen gibt, die alles in ihrer Macht stehende tun werden, um meine Wahl zu verhindern beziehungsweise eigene Familienangehörige zu portieren.

Würden Sie sich nach all den Erfahrungen wieder bei einer Partei für ein politisches Amt bewerben?

Das wäre allenfalls eine Überlegung wert.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

Meistgesehen

Artboard 1