Im Mai 2014 reichte die «Arbeitsgruppe Treffpunkt Generationen» eine Bürgermotion ein. Die Arbeitsgruppe wollte, dass der Stadtrat die Schaffung eines Generationenhauses «als Zentrum für Begegnung, Beratung und Begleitung» prüft und dem Einwohnerrat den entsprechenden Planungskredit beantragt. Der Einwohnerrat überwies damals die Motion, obwohl der Stadtrat dagegen gewesen war.

Am Montagabend wurde nun über den Bericht zur Motion im Einwohnerrat diskutiert, der Stadtrat wollte sie als erledigt abschreiben lassen. Der Einwohnerrat hiess zwar den Antrag, es sei auf die Schaffung eines Generationenhauses zu verzichten, grossmehrheitlich gut. Abschreiben wollte der Rat die Motion jedoch vorerst nicht: Der entsprechende Antrag des Stadtrates wurde mit 27 Nein- zu 20 Ja-Stimmen abgelehnt.

Dabei hatte Stadtrat Hanspeter Hilfiker (FDP) betont, man könne die Motion ruhig abschreiben – die für einen Generationendialog notwendigen Schritte und Massnahmen könnten unabhängig von diesem politischen Instrument entstehen und wachsen. Im Grundsatz geht es dabei um eine – noch zu gründende – «Interessengemeinschaft Generationen».

Umfassende Abklärungen

«Wir haben uns die Antwort auf diese Motion nicht einfach gemacht, deshalb hat es auch zwei Jahre gedauert», sagte Stadtrat Hilfiker. Tatsächlich wurde das Thema Generationenhaus an mehreren Sitzungen intensiv diskutiert. An einem Workshop, organisiert von der Stadtbibliothek, nahmen laut Stadtrat «zahlreiche Akteure zur Generationenthematik aus Aarau und der Region teil». Ebenso reisten die Motionäre gemeinsam mit der Leiterin der Stadtbibliothek, Lilo Moser, nach Bern, wo ein Generationenhaus mit Vorbildcharakter erstellt wurde – allerdings nicht mit Steuergeldern.

Quintessenz der Abklärungen: «Software ist wichtiger als Hardware.» Oder konkret: Projekte, die den Dialog zwischen den Generationen fördern, sind wichtiger als das physische Vorhandensein eines Generationenhauses.

In Aarau gebe es bereits vieles, das Generationen verbinde, schreibt der Stadtrat in der Motionsantwort. So werden auch nationale Generationenprojekte wie «Generationen im Museum» oder «Prix Chronos» – ein Leseförderungsprojekt für Senioren und Kinder – in Aarau bereits umgesetzt.

An Infrastrukturen fehlt es nicht

Auch an «Hardware», also an Infrastrukturen, wo sich die Generationen begegnen können, fehlt es nicht: «Stadtmuseum, Naturama, Jugendhaus Flösserplatz, Gemeinschaftszentrum Telli», zählt der Stadtrat auf. Und vor allem: die Stadtbibliothek. «Viele dieser Räumlichkeiten stellt die Stadt Aarau gratis oder günstig zur Verfügung», heisst es in der Motionsantwort.

«Offenbar ist das aber nicht allgemein bekannt, obwohl ‹aarau info› eine ausführliche Liste mit dem Raum- und Saalangebot in Aarau und Umgebung unterhält und diese einfach über Internet abrufbar ist.» Zudem gebe auch die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Auskunft.

Der Stadtrat kommt zum Schluss, dass auf ein eigentliches «Generationenhaus» als physisches Konstrukt verzichtet werden soll, nicht zuletzt wegen der angespannten finanziellen Lage Aaraus. Denn: Eigentlich sei die ganze Stadt ein einziges virtuelles Generationenhaus. Deshalb konzentriere man die finanzielle Unterstützung «auf die bestehenden Institutionen und fördert Generationenprojekte im Rahmen der regulären Budgets».

Auch soll eine «IG Generationen» gebildet werden – allerdings aus Eigeninitiative der Bevölkerung: «Die finanzielle und fachliche Unterstützung wird nicht als Aufgabe der öffentlichen Hand betrachtet», stellt der Stadtrat klar. Er befürwortet aber die Stadtbibliothek und deren Leiterin als geeignete Anlaufstelle für Generationenfragen.

«Motionäre weiter stützen»

Letzteres ist, so zeigte sich in der Diskussion am Montagabend, auch im Sinne der Einwohnerräte. Diese waren sich zwar einig, dass kein eigentliches Generationenhaus geschaffen werden soll – oder, wie es Barbara Schönberg (CVP) ausdrückte: «Das Gewicht liegt auf der Idee, weniger auf einem Gebäude.»

Etwas anders sah das Ueli Fischer (Pro Aarau): Ihm erscheine die Bibliothek nicht als definitive Lösung, möglicherweise dränge sich später ein Projektkredit auf. Stefan Jost (SVP) warnte jedoch von der Umsetzung von Wünschen, die keine Pflichten seien – er wolle nicht schon wieder eine Diskussion um eine Steuerfusserhöhung.

Schliesslich folgte der Rat dem vielfachen Wunsch, die Motion nicht abzuschreiben. Barbara Schönberg: «Es scheint uns wichtig, dass die Motionäre weiterhin gestützt und motiviert bleiben.»