Entfelden
Gespräche gescheitert: Eltern fordern Rücktritt der Kreisschule-Führung

Eine Elterngruppe hat die Hoffnung auf ein konstruktives Gespräch der Führung der Kreisschule Entfelden aufgegeben – nach einem mehrmonatigem Hin und Her. Nun suchen die sechs Ehepaare die Öffentlichkeit.

Ueli Wild
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Sein Führungsstil missfällt der Elterngruppe: Gesamtschulleiter Tobias Pflugshaupt-Trösch.

Sein Führungsstil missfällt der Elterngruppe: Gesamtschulleiter Tobias Pflugshaupt-Trösch.

Katja Schlegel

Die Entfelder Elterngruppe hat drei Personen im Visier: Gesamtschulleiter Tobias Pflugshaupt-Trösch, Kreisschulpflegepräsidentin Brigitte Frehner und deren Stellvertreter Markus Hugentobler.

An der Kreisschule Entfelden werde vieles totgeschwiegen und mehrere Versuche, mit den Spitzen der Schule ein konstruktives Gespräch zu führen, seien gescheitert, sagt Jonas Moser als Vertreter der Gruppe. Daher sei diese der Meinung, dass die genannten drei Personen die Schulleitung verlassen sollten.

Der Gang an die Öffentlichkeit kommt einer Kehrtwendung gleich. Die aus sechs Ehepaaren bestehende Elterngruppe hat seit März dieses Jahres mit der Führungsspitze der Schule ins Gespräch zu kommen versucht. Entzündet hatte sich der Konflikt am Brand im WC des Roggenhausenschulhauses.

Schulleitung und Schulpflege hatten das achtjährige Kind, das im WC mit Zündhölzchen gespielt hatte, für sechs Wochen vom Unterricht ausgeschlossen. Die Elterngruppe trug deshalb im Frühling 198 Unterschriften zusammen – gegen den Umgang von Schulleitung und Schulpflege mit dem Kind und dessen Familie.

An einer öffentlichen Kreisschulratssitzung am 6. Mai wurde die Unterschriftensammlung zwar thematisiert, doch redeten alle um den heissen Brei herum – auch die Initianten. «Wir wollen damit nicht an die Öffentlichkeit», sagte damals ihr Wortführer Christoph Schwarz.

Führung der Schule im Fokus

Genau diese Öffentlichkeit sucht die Gruppe nun. Die Hoffnung, ihre Sorgen- und Klagenliste mit der Führungsspitze der Schule direkt zu diskutieren, hat sie aufgegeben. Klar ist auch: Der Fokus liegt längst nicht mehr auf dem Brandfall vom Dezember 2014. Das eigentliche Thema ist für die Gruppe mittlerweile die Führung der Kreisschule Entfelden.

In den Augen der Elterngruppe bilden die Schulpflegepräsidentin, ihr Stellvertreter und der Gesamtschulleiter einen «Machtklüngel». Die Gruppe spricht von Mängeln bei der Kommunikation. Auch sei im Brandfall das Kindswohl nicht berücksichtigt worden und es sei mit Unwahrheiten operiert worden.

Nach der Wahrnehmung der Gruppe wird bei Eltern und Lehrerschaft ein Klima der Angst erzeugt. Zudem würden die Kompetenzen der strategischen und der operativen Führung – Schulpflege und Gesamtschulleiter – vermischt.

Weder der Schulleiter, noch die Schulpflegepräsidentin wollten sich gestern gegenüber der az persönlich zu den Vorwürfen äussern. Brigitte Frehner teilte stattdessen mit, dass sich die drei angegriffenen Personen zu einer Sitzung getroffen hätten und dass der Anwalt der Schule, Marcel Buttliger, beauftragt sei, eine Stellungnahme abzugeben – per eingeschriebenen Brief und vorab per E-Mail. Darin ist die Rede von «unberechtigten Vorwürfen der angeblichen Elterngruppe zu angeblichen Vorfällen und Kommunikationsproblemen in der Kreisschule Entfelden».

Buttliger stellt fest, «dass derzeit keine Veranlassung besteht, dass der Gesamtschulleiter dazu Stellung nimmt». Den Vorwurf der mangelnden Gesprächsbereitschaft weist er kategorisch zurück.

Dass die Kreisschulpflege nur im Beisein des Gesamtschulleiters mit einer Delegation der Elterngruppe diskutieren will, begründet der Anwalt mit dem Umstand, dass im Elternbrief gegen den Gesamtschulleiter Vorwürfe erhoben wurden, «zu denen er nie in irgendeiner Form Stellung nehmen konnte».

Es gehöre aber zur Gesprächs- und Kommunikationskultur der Kreisschule, die direkt Betroffenen ins Gespräch mit einzubeziehen. Zudem falle die Frage auf die Gegenpartei zurück: «Weshalb will die Elterngruppe nicht im Beisein des Gesamtschulleiters mit der Kreisschulpflege diskutieren?» Anlässlich des abgebrochenen Gesprächs vom 15. Juni (Artikel unten) sei die Delegation der Elterngruppe mehrfach aufgefordert worden, diese Frage zu beantworten. «Eine entsprechende Begründung», so Buttliger, «wurde nicht vorgebracht.»

Auch Lehrer sind unzufrieden

Mit ihrer Kritik ist die Elterngruppe nicht allein. So hat sich auch ein ganzes Lehrerteam mit einem Protestbrief an die Schulpflege gewandt. Und eine weitere Elterngruppe hat brieflich bei der Schulpflege ihre Sorgen deponiert, mit 43 Unterschriften. Auch im Brandfall gibt es weitere Kritik. Das zeigen Dokumente, welche die Gruppe vorlegt. Der Psychiater, der das Kind untersuchte, ortete «erhebliche kommunikative und strukturelle Schwächen der Schulorganisation» und schrieb von einer «dysfunktionalen (unzweckmässigen) Haltung der Führungsverantwortlichen».

In der Folge der durch den Brand ausgelösten Dynamik habe die Schule das Wohl des Kindes leider ausgeblendet. Die Schulführung ihrerseits sah das Kindswohl in der Familie selbst gefährdet und wandte sich an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. Doch der zuständige Fachrichter verneinte nach Anhörung des Kindes, der Eltern und weiteren Abklärungen eine Kindswohlgefährdung. Hingegen bezeichnete auch das Familiengericht die Nichtbeschulung über mehr als sechs Wochen als ungünstig.

«Wir spüren keine Bereitschaft, unsere Sorgen anzuhören», sagt Jonas Moser. Das Vertrauen vieler Eltern in das Dreigestirn an der Spitze der Kreisschule Entfelden sei zerstört. Ihre Sicht hierzu will offenbar in ein paar Wochen auch die Führung der Schule publik machen: In seiner Stellungnahme gegenüber der az kündigt Marcel Buttliger an, seine Mandantschaft sei gerne bereit, «in einer ausführlichen Besprechung nach den Sommerschulferien die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Elterngruppen darzulegen».

Aussprache: Anwesenheit des Schulleiters war der Knackpunkt

Es ist die Geschichte eines nicht zustande gekommenen Gesprächs und einer Kaskade eingeschriebener Briefe. Im März ersuchte die Entfelder Elterngruppe in einem Schreiben an Gesamtschulleiter Pflugshaupt-Trösch um ein Gespräch im Zusammenhang mit dem Brandfall. Der Schulleiter antwortete am 21. April, er habe das Schreiben an die dafür zuständige Schulpflege weitergeleitet. Verhandelt wurde es an der Kreisschulpflegesitzung vom 27. April. Am 1. Mai teilte die Schulpflege der Elterngruppe mit, dass die Eltern des Kindes gegen den Massnahmenplan der Schulpflege ein Rechtsmittel ergriffen hätten und dass die Sache beim Departement hängig sei. Zu einem laufenden Verfahren könne sich die Schulleitung nicht äussern. Eine öffentliche Aussprache oder Information komme für die Schulpflege nicht infrage.

Am 26. Mai wandte sich die Elterngruppe erneut per eingeschriebenen Brief an die Schulpflege. Verschiedene Vorkommnisse an der Schule , heisst es darin, hätten «grosse Besorgnis um unsere Schule» ausgelöst. Konkret: «Es geht um den Führungsstil von Gesamtschulleiter Tobias Pflugshaupt-Trösch in diversen Situationen.» An der Schule Entfelden, beklagten sich die Briefschreiber, herrsche zurzeit kein Klima des Vertrauens. Und: «Wir bitten Sie, eine Delegation von unserer Seite zu einem Gespräch zu empfangen.» Dies unter Verweis auf das Aargauer Schulgesetz, das den Eltern das Recht zuspricht, eine Elternversammlung zu bilden, deren Vertreter von Schulleitung und Schulbehörden anzuhören sind.

Am 8. Juni teilte Schulpflegepräsidentin Brigitte Frehner der Elterngruppe mit, dass sie nächstens eine Einladung zu einem Gespräch erhalten werde. Sechs Tage später schrieb Frehner: «Vonseiten der Schulführung laden wir gerne eine Delegation, bestehend aus höchstens 12 Personen, zu einem Gespräch ein.» Vorgesehener Termin: 15. Juni. Telefonisch bestätigte Frehner, dass auch der Gesamtschulleiter an der Sitzung teilnehmen werde.

Das aber war nicht im Sinne der Elterngruppe. Die Anwesenheit, von Tobias Pflugshaupt-Trösch sei nicht erwünscht, heisst es in deren Brief an die Kreisschulpflege vom 11. Juni. «Wir haben aus verschiedenen Gründen grosse Vorbehalte gegenüber der Arbeitsweise des Gesamtschulleiters und wollen diese Vorbehalte Ihnen als anstellende, vorgesetzte Behörde in diesem Gespräch mitteilen.» Postwendend schrieb Brigitte Frehner zurück, über das Begehren werde die Schulpflege an der Sitzung vom 23. Juni befinden. Das Gespräch vom 15. Juni müsse daher abgesagt werden.

Nach einigem Hin und Her traf man sich dann doch zu dem Gespräch. Eine elfköpfige Elterndelegation erschien im Bezirksschulhaus. Dazu vier Schulpflegemitglieder und der Gesamtschulleiter. Der Wortführer der Elterndelegation beantragte, dass Pflugshaupt-Trösch den Raum zu verlassen habe. Nach einer zehnminütigen Sitzung der Schulpflege beschied diese der Elterndelegation jedoch, das Gespräch finde nur in Anwesenheit des Schulleiters oder gar nicht statt. Damit war das Treffen beendet. (uw)

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