Mit einer Hiobsbotschaft hat sich die Schule Aarau in die Sommerferien verabschiedet: Die Schulpflege hat beschlossen, die sogenannte Geschwisterregelung aufzuheben. Das teilte sie in der aktuellen Ausgabe des Aarauer «Schulboten» mit. «Demnach kann es eintreten, dass Kinder aus der gleichen Familie in verschiedenen Schulhäusern den Unterricht besuchen», heisst es. Genau das hatte die Geschwisterregelung bisher verhindert. Und verhindert es auch noch im kommenden Schuljahr: Der Beschluss der Schulpflege gilt erst ab Schuljahr 2016/2017.

Schuld ist der knappe Schulraum

«Wir nehmen auch in Zukunft Rücksicht auf die Interessen der Kinder und rechnen mit Einzelfällen, wo Geschwister in verschiedenen Schulhäusern zur Schule gehen müssen», sagt Daniel Fondado, Präsident der Schulpflege. Grund für den Entscheid sei die Schulraumplanung. «Die Schülerzahlen steigen, der Schulraum wird immer knapper. Darum müssen wir ihn optimal nutzen.» Die Schule müsse möglichst flexibel sein, so Fondado. «Wir müssen uns alle Möglichkeiten offenhalten. Dabei steht uns eine Vorgabe wie die Geschwisterregelung im Weg.»

Schon heute kommt es vor, dass einzelne Kinder eines Quartiers in einem anderen Quartier zur Schule gehen. Allerdings kann das nur jenen Kindern passieren, die im Grenzgebiet zweier Quartiere wohnen. Solche Überschneidungszonen existieren zum Beispiel zwischen den Quartieren Telli und Aare sowie den Quartieren Zelgli und Schachen. Trotz des knappen Schulraums werden die Überschneidungszonen künftig nicht ausgeweitet, obwohl dies noch mehr Flexibilität bei der Schülerzuteilung garantieren würde. So lautet zumindest die aktuelle Strategie der Schulpflege.

Schule bis 2018 schon wieder voll?

Die aufgegleiste Erweiterung der Schulanlagen Aare, Gönhard und Schachen entspannt die Schulraumsituation ein wenig. Dennoch sei eine gewisse Flexibilität unabdingbar, wenn man die Kinder den einzelnen Schulkreisen zuteile. «Der bis 2018 neu gewonnene Schulraum wird bis dann gut ausgelastet sein, das ist jetzt schon klar», so Fondado, der selber in einem Grenzgebiet zweier Quartiere wohnt. Sein Sohn besuchte den Kindergarten im Aare-Schulhaus. Die Primarschule absolviert er nun im Telli-Schulhaus. «Es sind vielleicht drei Schüler jährlich, die nicht in ihrem Quartier zur Schule gehen», sagt Fondado.

In rund drei Fällen jährlich würden Eltern die Zuteilung ihres Kindes zu einem Schulstandort anfechten. «Diese Anfechtungen sind oft gerechtfertigt; aus gewichtigen familiären Gründen, von denen die Schule nicht Bescheid wissen konnte.» Die Begründungen müssen gewichtig sein, weil im Kanton Aargau keine freie Schulwahl existiert.

Die Geschwisterregelung soll nicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder eingeführt werden. «Wichtig ist vor allem, wie die Schule die Zuteilung handhabt. Auch ohne festgeschriebene Regel muss sie bei der Zuteilung darauf schauen, dass sie möglichst die Interessen aller wahrt», so Fondado. Ändert sich also nur auf dem Papier etwas? Fondado sagt: «Wir gehen nicht davon aus, dass Zuteilungen in andere Quartiere frappant zunehmen werden.»