Am Samstagmorgen wurden die beiden Entfelden durch laute Böllerschüsse geweckt. Knappe zwei Stunden später waren zumindest in Oberentfelden ganz andere Töne zu hören: Ein einzelner Trommelwirbel, ein paar zögerlich geblasene Noten und das Stimmengewirr von Hunderten von Kindern.

Auf der Wiese neben dem Bezirksschulhaus stellen sich alle für den grossen Umzug des «Äntefeschts» auf. Obwohl es auf den ersten Blick wie ein riesiges, kunterbuntes Gewusel ohne Ordnung aussieht, zeigt sich schnell, dass hier jeder seinen Platz kennt. Jede der rund fünfzig Kindergarten- und Schulklassen hat ihr eigenes Thema für ihre Verkleidung ausgesucht. Gemeinsam ist allen nur eines: Sie haben mit dem Umzugs-Motto «Mut zum Hut» zu tun.

Wie ein langer Tatzelwurm schob sich der Umzug durch die Strassen. Zuerst geht’s durchs Quartier, auf der Höhe der Migros wird auf die Hauptstrasse eingebogen. Für einmal gehörte die ganze Strasse den Fussgängern. Nur die Bahn zog in gedrosseltem Tempo an den Menschen vorbei.

Trottoirs wurden zu Tribünen

Die Trottoirs waren zu Zuschauertribünen geworden: Der gesamten Route entlang standen die Menschen, winkten mal einem Kind zu, klatschten mal dem Tambourenspiel oder einer besonders originell verkleideten Klasse Beifall. Denn der Fantasie waren keine Grenze gesetzt: Es hatte Schlümpfe mit weissen Mützen, Wikinger mit gehörnten Helmen und Zauberer mit geschmückten Zylindern. Aber auch Fische, Fussballfelder und Kronen aus PET-Flaschen wurden auf dem Kopf getragen – der «Mut zum Hut» war also bewiesen. Die Farben wurden durch die Sonne, die sich just bis zum Ende des Umzugs zeigte, noch mehr zum Strahlen gebracht.

Vorbereitung startete vor Monaten

Mit dem Basteln der Hüte und Verkleidungen hätten sie bereits vor einem Monat begonnen, erzählte Stephan Müller, Mittelstufenlehrer in Oberentfelden. Die ersten Sitzungen zur Findung des Mottos fanden aber noch viel früher statt: «Vor einem halben Jahr sassen wir zum ersten Mal zusammen», sagte Sandra Fischer, Oberentfelder Mittelstufenlehrerin, die das Organisationskomitee der Schule Entfelden leitet. Aus zahlreichen Vorschlägen wurde nach mehreren Abstimmungen unter den Lehrpersonen das Motto «Mut zum Hut» zum Sieger erkoren.

Teilnehmer konnten die Sujets nicht sehen

Der Umzug sei aber nur einer von vielen Programmpunkten gewesen, die geplant werden mussten, erklärte Fischer. So stand etwa der Freitag mit Volley-Turnier, Zaubershows und Tanz-Workshops ganz im Zeichen der Jugend. Für sie seien Freitag wie Samstag sehr gelungene Tage gewesen, sagt Fischer. Einziger Wermutstropfen: «Wer wie ich am Umzug selbst mitging, sah von den anderen Klassen und Kostümen so gut wie nichts, was bei der ganzen Kreativität, die gezeigt wurde, schade ist», so die Lehrerin.

Bei der Spielwiese hinter dem Gemeindehaus Unterentfelden löste sich der Umzug schliesslich auf. Schnell füllten sich die Festbänke der dort aufgestellten Beizli. Und auch die Wiese selbst war bald vor lauter Menschen nicht mehr zu sehen. Denn auf der offenen Bühne zeigten die Schülerinnen und Schüler aus Unterentfelden ihr Können im Singen.