Aarau

Gericht verurteilt 44-jährigen Tierquäler aus der Region

Hunde werden besonders oft Opfer von Misshandlungen und vor allem Vernachlässigungen. (Symbolbild)

Hunde werden besonders oft Opfer von Misshandlungen und vor allem Vernachlässigungen. (Symbolbild)

Ein 44-Jähriger stand vor Bezirksgericht, weil er seinen Hund an praller Sonne im Auto zurückliess. Der Verteidiger argumentierte, der Mann sei kein Tierquäler, sondern mit der Haltung des Vierbeiners einfach überfordert gewesen - vergeblich.

Wäre es nach dem Staatsanwalt gegangen, hätte ein Tierquäler aus der Region gestern elf Monate Gefängnis kassiert. Dies, weil er die Würde seiner Tiere in grober Weise missachtet und deren Wohlergehen in mehrfacher Hinsicht erheblich beeinträchtig habe.

Wie die Jungfrau zum Kind, so ist der Angeklagte vor ein paar Jahren zu seinen Haustieren gekommen. Weil damals seine Gotte starb, der er sehr nah stand, war er plötzlich Besitzer von zwei Hunden, zwei Kaninchen und einem Wellensittich geworden.

Kaninchen im zu kleinen Käfig

Und damit stark überfordert: So hielt er die Kaninchenböcke in einem viel zu kleinen Käfig, obwohl sich diese nicht vertrugen. Und als die Tiere damals vom Tierarzt eingezogen wurden, waren sie unterernährt, hatten ein verfilztes Fell und Durst: Zwei Minuten hätten sie ununterbrochen getrunken, als ihnen der Tierarzt Wasser gab.

So steht es in der Anklageschrift. Ähnlich vernachlässigt sei ein Wellensittich gewesen.

Am Mittwochvormittag fällte das Bezirksgericht Aarau nun ein Urteil: Schuldig der mehrfachen fahrlässigen Tierquälerei, einmal der vorsätzlichen Tierquälerei. Hinzu kamen mehrfache Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz. Der Mann kassierte dafür eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Franken. Zu den 2700 Franken kommt eine Busse von 500 Franken hinzu.

Vier Stunden im Auto an Sonne

Unter vorsätzliche Tierquälerei fällt für Gerichtspräsident Thomas Müller folgende Tat: Der Angeklagte hatte im Juli 2007 seinen Hund, einen Appenzeller-Mischling, vier Stunden lang im Wagen gelassen. Der Himmel war wolkenlos, es war sonnig bei 30 Grad.

«Ein Tier so im Auto zurückzulassen ist verboten», so Gerichtspräsident Thomas Müller. Als die Polizei eintraf, wirkte der Hund apathisch und eingeschüchtert. Dies sei nicht eine Vernachlässigung, wie man dies bei den Kaninchen und dem Wellensittich sehen könne.

Der Verteidiger des Angeklagten betont indes immer wieder: «Mein Mandant ist kein skrupelloser Tierquäler.» Viel eher sei er mit den vielen Tieren und auch sonst im Leben überfordert gewesen. Er habe sich nicht informiert, wie man die Haustiere korrekt halte.

Bedingte Strafe nicht möglich

Zum Schuldspruch beigetragen hatte auch die Tatsache, dass der Angeklagte bereits wegen Tierquälerei vorbestraft war. «Es ist unakzeptabel, dass der Angeklagte bereits zum zweiten Mal einen Hund im Auto einsperrte», so Müller. Dabei spiele es auch keine Rolle, was der Angeklagte dabei gedacht habe.

Denn: hochsommerliche Temperaturen liessen sich dadurch nicht beeinflussen.

Berücksichtigt hat das Gericht allerdings, dass der 44-Jährige kein unverbesserlicher Tierquäler ist. Zwar schloss die Vorstrafe ein bedingtes Urteil aus, aber 11 Monate Freiheitsstrafe unbedingt, wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hatte, war dem Gericht dann doch zu hoch.

Nicht zuletzt, weil sich der Mann einsichtig zeigte und die Taten eingestand. Zudem geht es ihm nun besser, er hat Arbeit und habe es geschafft, Ordnung in sein Leben zu bringen.

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