Jugendfeste
Gerangel um Chilbi-Bahnen: Wer Schausteller will, muss früh reservieren

Fünf Jugendfeste gibt es dieses Wochenende allein in der Region Aarau. Da muss früh reservieren, wer einen Schausteller ergattern will. Wie die Betroffenen das Problem gelöst haben.

Sabine Kuster
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Maya Hauri im Kassenhäuschen ihrer Butschibahn. «Ich kann mich nicht teilen.»

Maya Hauri im Kassenhäuschen ihrer Butschibahn. «Ich kann mich nicht teilen.»

Pascal Meier

«Ich kann mich nicht teilen», sagt Maya Hauri. Sie besitzt den grössten Schaustellerbetrieb in der Region. Fünf Jugendfeste stehen auf ihrem Programm dieses Jahr: Sie zieht von Weinigen ZH an diesem Wochenende an den Aarauer Maienzug, parallel ist sie in Niederlenz, am Sonntag hat sie dann noch Bahnen am Jugendfest Reitnau, von da gehts nach Lenzburg.

Die Zeit Ende Juni, Anfang Juli hat es in sich. «Es ist heftig», sagt Maya Hauri, und eben, teilen könne sie sich nicht. Wobei: Machmal übernimmt ein anderes Familienmitglied einen Festplatz, oder sie sucht Partner um einen Lunapark doch noch mit genug Bahnen füllen zu können.

Chilbi-Bahn

Chilbi-Bahn

Fritz Thut

Albanifest hat erste Priorität

Das Standardprogramm auf einem Lunapark lautet seit Jahrzehnten: Autoscooter-Bahn, Karussell, Confiserie-Stand. Dieses Mindestangebot wollen auch die kleineren Gemeinden an ihren Jugendfesten bieten.

Doch am kommenden Wochenende ist das eine Herausforderung: Alleine in unserer Region feiern Schöftland, Birrwil, Boniswil, Seon und Küttigen Jugendfest. Einen Bezirk weiter ist in Hausen ebenfalls Jugendfest mit Chilbi.

Um einen Schausteller auf sicher zu haben, reservieren viele Gemeinden schon zwei Jahre im Voraus. «Man muss früh dran sein», sagt Georg Kinzel, Jugendfest-OK-Präsident in Schöftland. Aber selbst dann haben es die kleinen Gemeinden schwer.

Die Schausteller warten oft mit ihrer Zusage: An diesem Wochenende ist auch noch das Albanifest in Winterthur, die Schausteller hoffen von Jahr zu Jahr, da einen Platz zu bekommen. Denn in den Dörfern ist das Geschäft weniger rentabel. «Eine ganze Putschibahn aufzustellen, die dann nur Freitag/Samstag vier oder sechs Stunden lang läuft, wie bei uns, ist aufwendig», ist sich Kinzel bewusst.

Schöftland hat mit Mühe einen Schausteller ausserhalb des Kantons gefunden. Dafür hat der Frauenverein noch ein Eisenbähnli gesponsert und auch für ein Bungee-Trampolin hat es gereicht.

Auch der Bauchef in Küttigen, Didier Bletry, hat die Bahnen fürs Jugendfest schon vor zwei Jahren reserviert. Dennoch hat ein Schausteller kurzfristig abgesagt. Die grossen Bahnen bekommen sie ohnehin nicht. Das stellt auch Schulpflegerin Corinne Neukom in Boniswil fest. «Die stellen lieber in Städten aus», sagt sie.

Ein ständiges Feilschen

Für die kleinen Gemeinden, aber auch für die Schausteller ist es ein ständiges Verhandeln. Dörfer wie Gontenschwil oder Seon müssen den Schaustellern oft den Strom bezahlen, damit sie kommen.

«So kann man noch etwas daran verdienen», sagt Schausteller Otto Hunziker aus Baden, dessen Familie seit hundert Jahren im Geschäft ist und schon lange den Lunapark für Seon organisiert.

Im Gegenzug konnte die Gemeinde erreichen, dass der Schausteller Freifahrten-Billette zur Verfügung stellt. Fünf pro Schüler, bzw. 7000 Billette sind es. Die Hälfte davon bezahlt die Gemeinde, die andere Hunziker.

Die Freibillette sind ein grosses Thema unter den Schaustellern im Kanton, denn im Aargau haben sie Tradition. «Es gab schon früher zu viele davon», sagt Hunziker, «für meinen Vater rentierte das Jugendfest Lenzburg nicht mehr, wenn das Wetter schlecht war.»

Noch heute schenkt die Stadt den Kindern zwölf Fahrten. Die Stadt bekommt sie von Schaustellerin Maya Hauri gratis, diese muss dafür weder Strom noch Platzmiete bezahlen. In Seengen waren es gar 14 Freibillette pro Schüler, doch Schausteller Paul Läuppi aus Buchs konnte diese auf vier runterhandeln, bietet dafür zwei mal eine halbe Stunde Gratis-Fahrt. «Es sind zähe Verhandlungen», sagt Läuppi, «denn mit den Preisen können wir nicht noch weiter rauf.»

In Buchs, wo Läuppi letztes Wochenende den Lunapark organisierte, gab es pro Schüler sechs Freikarten, der Strom war nicht gratis. Das musste er akzeptieren, um nicht von einem Konkurrenten ausgestochen zu werden. Denn obwohl sich die Jugendfeste momentan häufen, kriegen etwas grössere Gemeinden wie Buchs oft mehr als ein Angebot von Schaustellern, die gerne den Platz organisieren möchten.

Die ewige Datums-Diskussion

Bloss haben sie dann oft Mühe, genügend Bahnen für den Platz zu finden. «Es ist schwierig, Ende Juni, Anfang Juli Schausteller zu bekommen», sagt Otto Hunziker. «Blöd, dass die Gemeinden ihre Feste nicht besser koordinieren.»

Auch Maya Hauri sagt: «Es ist schade, dass alles gleichzeitig ist.» Auf die Anregung von Schausteller Läuppi hat Seengen immerhin sein Jugendfest nächstes Jahr um eine Woche vorverlegt und umgeht so das letzte Juni-Wochenende.

OK-Präsident Georg Kinzel in Schöftland sagt: «Den Termin zu verschieben, war bei uns schon x-mal ein Thema.

Aber ein anderes passendes Wochenende zu finden, ist eben auch schwierig.» Nur wenige weichen auf nach den Ferien aus: Die Gemeinde Muhen zum Beispiel feierte 2013 erst Ende August.

Birrwil, wo dieses Wochenende ebenfalls Jugendfest ist, hat das Problem nicht: Die Gemeinde verzichtet dieses Jahr auf einen Lunapark und feiert ein spezielles Mittelalterfest. Die Schüler hätten zuerst schon enttäuscht reagiert, heisst es seitens der Gemeinde, freuten sich nun aber auf die mittelalterlichen Spiele.