Aarau
Georgios Antoniadis: «Eine Stadt wie Aarau braucht ein Nachtleben»

Seit der Badener Investor Werner Eglin mit seinem Partner die Liegenschaft Kettenbrücke gekauft hat und aus ihr wieder ein Hotel machen will, weiss man, dass die Tage der Partylokale an diesem Standort gezählt sind. Georgios Antoniadis nimmt im Interview Stellung.

Hubert Keller
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Georgios Antoniadis, noch Betreiber der Disco Kettenbrücke

Georgios Antoniadis, noch Betreiber der Disco Kettenbrücke

Christoph Voellmy

Betreiber der Disco Kettenbrücke und der «Opium Lounge» ist Georgios Antoniadis. Er würde gern an einem anderen Standort in Aarau weitermachen. Bis jetzt sieht es aber nicht so aus, als ob ihm das gelingen würde.

Herr Antoniadis, das Ende der Disco Kettenbrücke und der Opium Lounge ist absehbar. Wann müssen Sie ausziehen?
Georgios Antoniadis: Nachdem die Galgenfrist für einige Monate erstreckt worden war, wofür wir dankbar sind, ist uns nun auf Ende März 2013 definitiv gekündigt worden. Es ist aber möglich, dass es Ende Juni 2013 wird - je nach Projektfortschritt.
Haben Sie in Aarau Ersatzlokalitäten in Aussicht?
Nein. Wir sind zwar ständig auf der Suche, doch fündig geworden sind wir bisher nicht. Einen geeigneten Standort zu finden, ist nicht einfach. Die Lokalität sollte verkehrsmässig gut erschlossen und ausreichend gross sein. Zudem sollten genügend Parkplätze vorhanden sein. Wie die Erfahrung gezeigt hat, darf das Lokal auch nicht an Wohngebiete angrenzen, damit niemand übermässig in seiner Nachtruhe gestört wird.
Also müsste ein allfälliger neuer Standort in einem Randgebiet der Stadt liegen.
Ja. In Aarau kämen so gesehen eigentlich nur Torfeld Süd, das Telli sowie die Areale von Zeughaus und Kaserne infrage.
Haben Sie mit der Stadtbehörde bezüglich der Standortsuche Kontakt. Unterstützt Sie die Stadt?
Lose Gespräche haben stattgefunden. Ich vermisse aber vonseiten der Stadt ein konkretes Zeichen und den Willen, mit dem mir signalisiert würde, dass wir hier weiterhin willkommen sind. Die Stadt müsste zu erkennen geben: Ja, wir wollen euch, wir wollen diese Gastronomie. Ein Standortproblem hat auch das KIFF. Auch wenn dessen Mietvertrag in der Telli verlängert worden ist, ändert das nichts an der Tatsache, dass auch das KiFF langfristig einen neuen Standort haben muss. Wir und das KiFF würden uns gut ergänzen.
Die Partyszene macht in der Altstadt Probleme. Sie ist zumindest in diesem Ausmass in der Altstadt nicht mehr erwünscht.
Das heisst aber doch nicht, dass unser wenn auch kommerzielles Kulturangebot ganz aus der Stadt verschwinden muss. Die Partyszene gehört zum urbanen Leben. Im Übrigen ist Rücksichtslosigkeit, die sich in Littering und Ruhestörung äussert, ein gesellschaftliches Problem und kann nicht der Partyszene angehängt werden. Es sind immer nur wenige, die sich nicht unter Kontrolle haben. Das kennt man auch beim Fussball.
Sie haben früher viele Events in Zofingen durchgeführt, jetzt nicht mehr, auch in Olten sind es weniger geworden. Wie hat sich das auf das Leben in diesen Städten ausgewirkt?
Zofingen ist tot, Olten liegt im Koma. Auch in Zofingen ging man davon aus, dass man die Stadt wieder geniessen könne, wenn nur das laute Partyvolk weg ist. Nichts davon. Veranstalter wie wir bringen Leute in die Stadt, tragen den Namen der Stadt nach draussen und machen sie somit noch bekannter und attraktiver. Davon profitieren auch andere Lokale und Geschäfte.
Darin liegt das Problem: Masse zieht Masse an. Der Erfolg der Bars und Lokale wurde unerträglich.
Das mag für einzelne Menschen so sein, die mit der Situation nicht umgehen können. Dafür habe ich absolutes Verständnis. Ich versuche auch, ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen und mit ihnen gemeinsam Lösungen zu suche, was uns sehr gut gelungen ist. Nur, ist eine ausgestorbene Stadt die Alternative, die man sucht? Eine Stadt wie Aarau braucht auch ein Nachtleben. Aber ein Nachtleben, mit dem alle glücklich und zufrieden sind.
Wie viele Gäste kommen in Ihre Lokale an den Wochenenden?
In der Kettenbrücke gehen in einer Samstagnacht rund 1000 Leute ein und aus. Im Opium sind es nochmals 200 bis 300. In Olten mussten wir das «Metro» schliessen, weil der Platz von der Fachhochschule beansprucht wurde. Folge: Nicht nur das «Metro» machte dicht, zwei weitere Lokale folgten - unfreiwillig. Unsere Gäste sind auch die Gäste der anderen und machen die Stadt attraktiver und zu einem Anziehungspunkt.
Was erwarten Sie von der Stadtbehörde?
Ich vermute, dass der Stadtbehörde noch nicht klar ist, was ein Verlust des Clubs Kettenbrücke für das ganze Aarauer Gewerbe bedeutet. Falls sie weiterhin eine attraktive Stadt mit einem guten Ausgangsmix möchte, erwarte ich von ihr, dass sie Farbe bekennt. Dass sie mit uns zusammensitzt und nach realistischen Massnahmen und Plänen sucht. Wir brauchen keine finanzielle Unterstützung, weil wir uns selber finanzieren können. Wir brauchen lediglich ihren Power, um Türen zu öffnen und Verbindungen herzustellen. Aarau hat noch so viel Potenzial im Freizeitbereich - man muss nur die richtigen Weichen stellen und die richtigen Leute ins Boot holen.
Was passiert mit Ihrer Firma, der Eventagentur Pop Art GmbH, wenn für die Kettenbrücke und das Opium kein Ersatz gefunden wird?
Als Firma werden wir natürlich weiter existieren. Wir werden weiterhin auf Mandatsbasis Grossanlässe organisieren oder unterstützen. An der Fussball Europameisterschaft 2008 haben wir die UBS-Arena in Aarau und Zug sowie in Olten geleitet. Dieses Jahr in der Ukraine durfte ich für die Uefa die Fanmeile in Charkov leiten. Im Herbst organisieren wir das Zofinger Oktoberfest und nächstes Jahr werden wir wieder am Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf ein grosses Festzelt betreiben. Zudem werden wir bestimmt bei nächster Gelegenheit neue Lokale, in welcher Stadt auch immer, eröffnen. Allerdings werden wir das Personal in Aarau radikal abbauen müssen. Es werden rund 100 Leute einen anderen Teilzeitjob suchen müssen, was sehr bedauerlich ist, weil auch diese Mitarbeitenden die Stadt Aarau positiv nach aussen vertreten.