AZM-Erbe

Genossenschaft der Milchproduzenten ist eine millionenschwere Beteiligungsgesellschaft

Das Bürogebäude (hinten) und das Grundstück des ehemaligen AZM-Komplexes gehören nach wie vor direkt den Aargauer Milchbauern (über MPM).

Das Bürogebäude (hinten) und das Grundstück des ehemaligen AZM-Komplexes gehören nach wie vor direkt den Aargauer Milchbauern (über MPM).

In den letzten zehn Jahren hat sich die Aargauer Milchwirtschaft stark gewandelt. So hat der Verband beispielsweise einen neuen Namen und nur noch vier Angestellte.

2005 sah die Welt in der Aargauer Milchwirtschaft noch ganz anders aus. Der Aargauer Milchverband betrieb in Suhr die selbstständige, durchaus ambitionierte AZM (Aargauer Zentralmolkerei). 2006 ging unter wirtschaftlichem Druck ein grosser Teil der Autonomie verloren: Der Produktions- und Logistikteil der AZM musste mit einer Tochtergesellschaft des Schweizer Molkereiriesen Emmi fusioniert werden.

2007 entstand aus dem Aargauer Milchverband die Genossenschaft Milchproduzenten Mittelland (MPM). Sie hat 777 Mitglieder (Stand 2015). Vor zehn Jahren waren es noch 1212 Bauern. «Die gesamte Anzahl Mitglieder ist rückläufig und bildet den Strukturwandel unserer Region ab», schreibt die MPM auf ihrer Homepage.

infogr.am Mitgliederzahl Milchgenossenschaft AZM Suhr

In diesem Sommer wurden die Besitzverhältnisse der Fusionsgesellschaft Mittelland Molkerei AG neu geordnet: also jenes Unternehmens, das seit 2006 in Suhr mit 350 Angestellten einen Umsatz in der Grössenordnung von 500 Millionen Franken erzielt. Durch die Verarbeitung von Milch zu Butter, Rahm und Konsummilch (Past und UHT).

Eine 110-Millionen-Transaktion

Emmi übernahm den 40-Prozent-Anteil, den bisher die Aargauer Genossenschaft hielt (über die AZM Verwaltungs AG). Im Rahmen dieser Transaktion wurden Zahlen bekannt, die Aussenstehenden Rückschlüsse auf das Vermögen der Genossenschaft ermöglichen.

Die «NZZ» schrieb, dass Analytiker der mit Emmi bestens vertrauten Zürcher Kantonalbank (ZKB) den Wert des 40-Prozent-Paketes auf 110 Millionen Franken schätzen. Offiziell kommuniziert wurde, dass 34 Millionen Franken davon in Form von Emmi-Aktien abgegolten wurden.

Das heisst, die Aargauer Genossenschaft besitzt nun etwa ein Prozent des Aktienkapitals von Emmi. Sie hält zudem eine namhafte Beteiligung am Seetaler Milchverarbeiter «Hochdorf Holding AG» – und besitzt Aktien von anderen Unternehmen.

Zwei grössere Liegenschaften

Der Genossenschaft gehören aber auch Immobilien. Vom ehemaligen AZM-Komplex in Suhr hat Emmi einzig die Fabrikationsgebäude übernommen. Das Grundstück (Emmi zahlt einen Baurechtszins) und das Verwaltungsgebäude gehören nach wie vor der Genossenschaft.

Im Herzen von Suhr, zwischen dem Bahnhof und dem «Bären», dort wo bis 1973 die «Butteri» stand, liess die Genossenschaft in den Jahren 2014/15 das Wohn- und Geschäftshaus «Suhrportal» erstellen. Es ist heute vergleichsweise gut vermietet. Von den 36 Wohnungen sind nur noch 4 zu haben. Ankermieter bei den Geschäftsräumen ist die Aargauische Kantonalbank (AKB). Mehr als die Hälfte der Ladenfläche ist allerdings noch nicht vermietet.

Namhafte Aktienpakete, zwei grössere Liegenschaften: Die Genossenschaft MPM tut für die Milchbauern nicht nur Gutes – sie ist auch ein Stück Tafelsilber.

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