Erlinsbach
Geniessen trotz «Herzgeschichten» – warum die Klinik Barmelweid zur Wanderung einlädt

Die Klinik Barmelweid lud ehemalige Herzpatienten zu einem Auffrischungstag.

Peter Weingartner
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Die rund 50 ehemaligen Herzpatienten der Klinik Barmelweid konnten den Fachleuten Fragen stellen und sich gegenseitig austauschen.

Die rund 50 ehemaligen Herzpatienten der Klinik Barmelweid konnten den Fachleuten Fragen stellen und sich gegenseitig austauschen.

Peter Weingartner

Kardiovaskuläre Rehabilitation, kurz Reha nach behandelter Herzerkrankung, ist ein Spezialgebiet der Klinik Barmelweid. Von Zeit zu Zeit lädt sie ehemalige Klientinnen und Klienten zu einem Auffrischungstag. Auffrischung? Jean-Paul Schmid, Chefarzt Kardiologie: «Wir laden jene ein, bei denen es Sinn macht und die ausreichend belastbar sind.» Denn es geht auf eine kleine Wanderung in zwei Stärkeklassen.

Dabei sind Ärztinnen und Ärzte, aber auch Fachpersonal der Physiotherapie. Jean-Paul Schmid: «Wichtig ist der Austausch, die Gelegenheit, Fragen zu stellen, die einem durch den Kopf gehen.» Ein gutes Format, findet er, zumal sich da auch Leute treffen, die einander bereits kennen. Und aufgefrischt wird Wissen, das sich im Verhalten niederschlagen soll, wenn es nachhaltig sein will. Die Themen: Ernährung, Bewegung, Medikamente. Die rund 50 Personen wandern oder spazieren zur Hardscheune, wo die Klinik Kaffee und Kuchen offeriert.

Christian Bugnard, 64, Aigle VD «Am Morgen war mir schlecht; ich hatte Schmerzen auf der Brust mit Ausstrahlungen Richtung Hals, keine Kraft mehr. Innert 2, 3 Stunden kam ich am 12. Juni ins Uni-Spital in Lausanne», sagt Christian Bugnard. Herzinfarkt. Weil es schnell gegangen sei, habe das Herz aber keinen Schaden genommen. «Ich habe auch noch Schlafapnoe – Aussetzen der Atmung während des Schlafes. Deshalb hab ich nicht nur die Reha auf der Barmelweid gemacht, sondern auch vom Schlaflabor profitiert», sagt er. Er lobt die professionelle Betreuung beim Velofahren, Turnen, Laufen, Fitness. «Ich habe gelernt, mich nicht zu überanstrengen, dafür jeden Tag etwas zu machen. Treppen steigen. Mein Büro ist im fünften Stock. Nun nehme ich erst ab dem zweiten Stock den Lift.» Er meidet nun Fertigprodukte oder Pommes frites, um das Cholesterin im Griff zu halten. «Und das Wichtigste: Meine letzte Zigarette hab ich zwei Stunden vor dem Spitaleintritt geraucht.»
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Edi Jakob, 75, Schöftland «Im November 17 hatte ich eine Schwäche. Der Untersuch zeigte eine undichte Herzklappe, was die Herzleistung reduziert. Herausgefunden hat man es dank der medizinischen Fahrtauglichkeitsprüfung für Senioren. Da wurde ein verdächtiges Geräusch entdeckt. So hat man mir dann die Herzklappe eines Rindes eingesetzt und einen Bypass gemacht, also eine Verengung ersetzt, um eine ausreichende Blutversorgung des Herzens wieder herzustellen», sagt Edi Jakob. Verhaltensänderungen? «Auf den Körper hören, mit den Grosskindern herumrennen, wenn ich Lust habe. Gleiches gilt für die Gartenarbeit», sagt er. Am Auffrischungstag gefallen ihm die Kollegialität und der Austausch.
Hanni Eberhard, 74, Oftringen «Am 18. Januar konnte ich plötzlich fast nicht mehr atmen, nicht einmal die fünf Kaninchen füttern konnte ich», erzählt Hanni Eberhard, «dann habe ich den Herzspezialisten angerufen, der mir vor 9 Jahren bereits einen Bypass eingebaut hat. Vor 5 Jahren hatte ich Stents bekommen, Gefässstützen, doch die Gefässe waren praktisch wieder geschlossen. Also gabs nichts anderes als eine Operation, ein weiterer Bypass wurde nötig.» Hanni Eberhard weiss, Bewegung tut gut. «Ich hüte auf dem Bauernhof das Grosskind und bin einmal pro Monat mit der Wandergruppe Wikon unterwegs.» Sie steigt noch auf die Leiter, um Äpfel zu pflücken, doch stressen lasse sie sich nicht mehr: «Wenn ich arbeiten mag, arbeite ich, sonst lass ichs bleiben.» Es gehe ihr eindeutig besser als vor der Operation, sagt sie und erinnert sich an die Reha auf der Barmelweid: «Ich habe mich gefühlt wie im Hotel, wie in den Ferien.»
Andi Steiner, 61, Brugg «Ich hatte vor 15 Jahren meinen ersten Herzinfarkt; da hat man mir Stents eingelegt», sagt Andi Steiner, «und an Ostern 2018 hatte ich wieder einen Infarkt. Notfallmässig kam ich nach Aarau in die Hirslandenklinik, wo man mir eine neue Herzklappe und einen Bypass aus Venen von meinem Bein eingesetzt hat.» Bei ihm gabs Komplikationen: «Durch einen Hustenanfall ist mein Brustbein wieder auseinandergebrochen. Man hats mit Draht wieder zusammengemacht.» Allgegenwärtig ist der Satz: Du darfst nicht mehr rauchen. «Das war schwierig und mit ein paar Rückschlägen verbunden. Wenn du Zigaretten kaufst, hast du verloren. Da gibts nur eins: Hart bleiben», sagt er.

Christian Bugnard, 64, Aigle VD «Am Morgen war mir schlecht; ich hatte Schmerzen auf der Brust mit Ausstrahlungen Richtung Hals, keine Kraft mehr. Innert 2, 3 Stunden kam ich am 12. Juni ins Uni-Spital in Lausanne», sagt Christian Bugnard. Herzinfarkt. Weil es schnell gegangen sei, habe das Herz aber keinen Schaden genommen. «Ich habe auch noch Schlafapnoe – Aussetzen der Atmung während des Schlafes. Deshalb hab ich nicht nur die Reha auf der Barmelweid gemacht, sondern auch vom Schlaflabor profitiert», sagt er. Er lobt die professionelle Betreuung beim Velofahren, Turnen, Laufen, Fitness. «Ich habe gelernt, mich nicht zu überanstrengen, dafür jeden Tag etwas zu machen. Treppen steigen. Mein Büro ist im fünften Stock. Nun nehme ich erst ab dem zweiten Stock den Lift.» Er meidet nun Fertigprodukte oder Pommes frites, um das Cholesterin im Griff zu halten. «Und das Wichtigste: Meine letzte Zigarette hab ich zwei Stunden vor dem Spitaleintritt geraucht.»

Peter Weingartner

Es wird viel gelacht

Im gemütlichen Rahmen zusammensitzen und diskutieren, Erinnerungen und Erfahrungen austauschen. Der Anlass zeigt, dass man nicht der Einzige ist, der sich einer «Herzrevision» unterzogen, oder, wie es Hugo Trottmann (65) aus Birmenstorf formuliert, den «65000er-Service» gemacht hat.

Es wird viel gelacht. Christa Sprecher aus Aesch BL kommen die Alpakas auf der Barmelweid in den Sinn: «Ein wunderschöner Ort.» In einem kurzen Vortrag macht Jean-Paul Schmid einen Exkurs in die neusten Forschungsergebnisse, was gesunde Ernährung betrifft. Stichworte dazu: einfach, abwechslungsreich, langsam und in Gemeinschaft essen, Gemüse und Früchte nicht vergessen, pflanzliche Fette statt fettarme Produkte, Vollkorn sättig länger. Alkohol? Ein umstrittenes Thema. Das Glas Rotwein pro Tag gönnt er allen, wie überhaupt er dem vernünftigen Genuss das Wort redet. Dazu sollte man sich regelmässig bewegen: fünf Mal 30 Minuten pro Woche, plus zwei Mal Krafttraining.

Die Diskussion zeigt dem medizinischen Personal, wo der Schuh drückt, und die Herzpatienten kommen zu einer öffentlichen Sprechstunde unter ähnlich Betroffenen, von Narben-Entstörung bis zum Sinn einer Grippe-Impfung.