Gemeinderatswahlen
Liefert Buchs diesen Herbst einen Wahl-Krimi? Eine Auslegeordnung

Fünf Sitze. Acht Kandidaten. So zeigt sich die Ausgangslage in Buchs. Drei werden vergeben für den Gemeinderat kandidiert haben. Aber welche drei? Das Rennen ist offen wie noch selten.

Nadja Rohner
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Wer zieht ins Gemeindehaus ein?

Wer zieht ins Gemeindehaus ein?

Britta Gut

Während sich in Aarau ein vergleichsweise langweiliger Stadtratswahlkampf abzeichnet, könnte sich die Lage in Buchs zum veritablen Wahl-Krimi entwickeln. Noch selten war die Ausgangslage derart offen – und derart spannend. Sofern es nicht noch überraschende Entwicklungen gibt, präsentiert sich die Ausgangslage so: Ammann Urs Affolter (64, FDP) sowie die Gemeinderäte Anton Kleiber (59, FDP) und Tony Süess (64, Mitte) treten wieder an. Walter Wyler (70, EVP) und Hansruedi Werder (68, SVP) nicht mehr.

Urs Affolter, Gemeindeammann, FDP.

Urs Affolter, Gemeindeammann, FDP.

Die Parteien haben neu Samuel Hasler (24, SVP), Reto Bianchi (56, GLP), Marius Fedeli (26, SP) und Joel Blunier (47, EVP) nominiert. Auch der parteilose Reto Fischer (51) tritt an. Es gibt also acht Kandidaten für fünf Sitze. Frauen haben sich trotz Bemühungen der Parteien keine finden lassen – oder sie durften nicht, weil die Bisherigen portiert wurden.

Anton Kleiber, FDP.

Anton Kleiber, FDP.

Droht den Bisherigen eine Abwahl?

Wer von diesen acht Männern aber das Rennen macht, ist relativ offen. Die Bisherigen sitzen relativ fest im Sattel. Bei den Wahlen vor vier Jahren machte Ammann Urs Affolter das beste Resultat, Anton Kleiber das zweitbeste. Tony Süess als Drittplatzierter lag 96 Stimmen hinter Affolter. Ein enges Rennen also und ohne Hinweis darauf, dass es einem der Drei an Rückhalt fehlt, allerdings war die Konkurrenz damals kleiner (fünf Bisherige und Dimitri Spiess, SP).

Tony Süess, Mitte.

Tony Süess, Mitte.

Gravierende Fehler hat der Gemeinderat in der jetzt laufenden Amtsperiode nicht begangen – allerdings mit wenigen Ausnahmen (Risiacher) auch keine grossen oder innovativen Sprünge gemacht. Frische Köpfe werden auf jeden Fall gut tun.

Joel Blunier, EVP.

Joel Blunier, EVP.

Wahrscheinlicher ist also, dass nur zwei Neue gewählt werden. Aber wer? Bei einer Einschätzung hilft ein Blick in die Kandidatenstimmen der Grossratswahlen 2020. Da liegt Reto Fischer in der Gemeinde Buchs mit 374 Stimmen vor Samuel Hasler (371). Mit einigem Abstand folgen Marius Fedeli (293) und Joel Blunier (233). Reto Bianchi machte 121 Stimmen.

Samuel Hasler, SVP.

Samuel Hasler, SVP.

Betrachtet man die Parteistimmen, so liegt die SVP mit 26,6 Prozent deutlich vorne. Die SP mit 17,6 Prozent und die FDP mit 16,4 liegen nah beieinander. Dahinter folgen die Grünen (10 Prozent), dann die EVP (8,2), die CVP/Mitte (8,2), die GLP (8) und Reto Fischer mit seiner Ein-Mann-Liste (2,8).

Aktuell hat die FDP zwei Gemeinderatssitze, darunter den Ammann. Die SVP hat einen (Vizeammann), die CVP und die EVP ebenso. Im Vergleich mit der Wählerstärke erstaunt dieses Bild – und zeigt, dass Gemeinderatswahlen stark personengetrieben sind.

Reto Fischer, parteilos.

Reto Fischer, parteilos.

Wäre die SVP mit einer Frau im mittleren Alter angetreten – sie wäre durchmarschiert. Und Samuel Hasler? Er ist engagiert und politisiert im Stil eines Andreas Glarner oder einer Martina Bircher. Die hatten damit Erfolg. Auf jeden Fall hätte die SVP Anspruch auf einen Sitz.

Eine Wundertüte ist Reto Fischer – bei den Einwohnerratswahlen vor vier Jahren hat er, der deutlich links von der Mitte politisiert, als parteiloser im Alleingang zwei Sitze gemacht. Ein Hansdampf in allen Gassen – man mag ihn oder man mag ihn nicht.

Marius Fedeli, SP.

Marius Fedeli, SP.

Joel Blunier bringt die grösste politische Erfahrung mit und ist trotzdem noch relativ jung. Er gilt als gemässigt und konziliant. Bei Wählenden, denen jeglicher Anflug von Religion suspekt ist, wird er aber nicht punkten.

Am meisten Wahlkampf-Gas geben muss wohl Reto Bianchi. Die GLP ist zwar auf dem aufsteigenden Ast, liegt aber punkto Wählerstärke noch immer deutlich hinter den etablierten Parteien – und in den Grossratswahlen hat Bianchi nicht übermässig viele Stimmen geholt. Er macht nichts falsch, aber angesichts der starken Konkurrenz müsste er sich noch stärker profilieren.

Reto Bianchi, GLP.

Reto Bianchi, GLP.

Für Marius Fedeli spricht, dass er sicher die SP und die Grünen (haben keine eigene Kandidatur) hinter sich hat. Auch er ist sehr engagiert, steht aber noch am Anfang seiner Politkarriere (seit 2017).

Eine Rolle wird das Alter spielen – im positiven wie im negativen Sinne. Als die SP vor vier Jahren vergeblich mit Dimitri Spiess, damals 29, gegen die Bisherigen antrat, sagte Spiess hinterher, er habe da und dort gehört, er sei zu jung. Nun treten mit Hasler und Fedeli zwei Männer an, die noch jünger sind. Das kleine Leutwil hat zwar mit Lukas Spirgi einen 27-jährigen Ammann und in Lenzburg wurde Andreas Schmid mit 29 Stadtrat –, manche Wähler werden Hasler und Fedeli aber ausschliessen. Andere schreiben sie genau deshalb auf den Wahlzettel: Der aktuelle Gemeinderat ist tendenziell überaltert, die Sichtweise eines Jüngeren möglicherweise gewinnbringend.

Der Gemeinderat in seiner aktuellen Zusammensetzung im Gemeindesaal (Blick von der Zuschauertribüne). v.l.: Walter Wyler, Tony Süess, Anton Kleiber, Hansruedi Werder, Anton Affolter, Gemeindeschreiberin Cornelia Byland.

Der Gemeinderat in seiner aktuellen Zusammensetzung im Gemeindesaal (Blick von der Zuschauertribüne). v.l.: Walter Wyler, Tony Süess, Anton Kleiber, Hansruedi Werder, Anton Affolter, Gemeindeschreiberin Cornelia Byland.

Severin Bigler / AAR

Man darf auch die Frage stellen, wer dereinst Gemeindeammann Urs Affolter beerben könnte. Natürlich kann er es machen wie Kollegen im Wynen- und Seetal und weit über das Pensionsalter hinaus Ammann bleiben. Die Parteien und die Stimmberechtigten sind aber dennoch gut beraten, über die Nachfolge nachzudenken. Weil alle drei Bisherigen im ähnlichen Alter sind, sollte man sich bei der anstehenden Wahl fragen, wer von den Neuen dereinst als Ammann in Frage käme.