Buchs
Gemeinderatskandidat Reto Fischer: «Hinter hervor gehaltener Hand war auch schon der Ausdruck ‹grossi Schnörre› zu hören»

Acht Männer wollen (wieder) in den Buchser Gemeinderat. Die AZ stellt sie anhand eines standardisierten Fragebogens vor. Heute: Reto Fischer (parteilos).

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Reto Fischer sitzt aktuell als Parteiloser im Buchser Einwohnerrat.

Reto Fischer sitzt aktuell als Parteiloser im Buchser Einwohnerrat.

Fabio Baranzini

Was stört Sie an Buchs?

Reto Fischer: Ui, grad so eine Frage zum Einstieg. Eigentlich möchte ich lieber zuerst sagen, was ich an Buchs mag. Da kommt mir die Vielfältigkeit in den Sinn, das tolle Naherholungsgebiet an der Suhre oder dass ich in Buchs alles finde, was ich zum Leben brauche. Und was mich stört? Nun, seien wir ehrlich: So wirklich zauberhaft schön ist Buchs entlang seiner Hauptstrassen (Aarauer-, Mitteldorf- oder Lenzburgerstrasse) nicht. Es fehlt ein attraktiver Dorfkern und der Bärenplatz ist auch nicht unbedingt ein Eyecatcher. Immerhin versprühen die einzelnen Quartiere ihren ganz eigenen Charme.

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus?

Fünf Sekunden? Und dann setzt aber nach drei Sekunden bereits ein nervöses Zittern ein. Nein, Spass beiseite. Ich bin tatsächlich ein bisschen (sehr) abhängig von meinem Handy, aber das liegt vor allem daran, dass dieses Teufelsgerät inzwischen sehr viele praktische Vorteile vereint: Kamera, Mail, Musik, Fernsehsender, Taschenrechner, die sozialen Medien und so weiter. Nur telefonieren tu ich mit dem Ding eigentlich eher selten.

Warum sind Sie Politiker geworden?

Mein Umfeld sagt, weil ich so gut reden kann und hinter hervor gehaltener Hand war auch schon der Ausdruck ‹grossi Schnörre› zu hören… Es liegt mir am Herzen, der Region und der Gemeinde, in der ich wohne, etwas zurückzugeben. Lebensqualität, so wie wir sie in der Schweiz kennen, ist nicht selbstverständlich. Verwaltungen, Sicherheitsbehörden, Schulen, das Gesundheitswesen – überall sind Menschen Tag für Tag im Einsatz, um unseren hohen Standard zu bewahren. Politisch interessiert und aktiv war ich schon in meiner Jugend. In meinen Zwanzigern dann Mitglied einer Partei, habe mich da aber nie wirklich wohl gefühlt, weil meine Meinungen oft nicht mit dem Parteibuch übereingestimmt haben.

Der Tausendsassa

Reto Fischer (51) ist in einer Beziehung mit Zeliha Cengiz und hat zwei Söhne. Als Berufsbezeichnung nennt der glühende FCA-Fan "Lehrer, Teilzeit-Journi und Hausmann/Papi". Er sass als Parteiloser in der Aarauer Schulpflege und machte vor vier Jahren als Parteiloser mit eigener Liste gleich zwei Sitze im Buchser Einwohnerrat. Er war schon in zahlreichen Vereinen und Gremien aktiv.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Die Begriffe ‹Andreas Glarner› und ‹guter Politiker› in einer Frage? Mutig, mutig. Herr Glarner ist in meinen Augen höchstens ein guter Verkäufer des Produkts ‹Andreas Glarner›. Er weiss genau, welche Hebel er in Bewegung setzen muss, um eine Schlagzeile zu generieren. Oder warum taucht er in diesem Fragebogen zum Thema Buchs auf, obwohl er mit Buchs ja rein gar nichts am Hut hat? Für mich persönlich ist Glarner ein gefährlicher, populistischer Zündler, der sich aktuell gegen die ‹Ehe für alle› ausspricht und mit seinen Aussagen zum Thema Corona bewusst Unruhe stiftet.

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

Nach meinen ersten vier Jahren im Einwohnerrat habe ich nicht den Eindruck, dass der Gemeinderat das Geld aus dem Fenster geworfen hat, vielmehr hat die Gemeinde zahlreiche und teilweise grosse Fixkosten, welche gedeckt werden müssen. Sei es für die Bildung, das Sozialwesen, Instandhaltungen und so weiter. Die Problematik sehe ich darum nicht in den Ausgaben, sondern bei den Einnahmen. In Buchs wird zwar sehr viel gebaut, aber trotzdem fehlt es an finanzstarken Steuerzahlern, seien es Privatpersonen oder Firmen. Ein attraktives Standortmarketing könnte da vielleicht Abhilfe schaffen.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie 10 Millionen Steuer-Franken ausgeben?

Zur Renovation der gemeindeeigenen Immobilien, für den Buchser Pumptrack und ich würde die Liegenschaft kaufen, in welcher das Restaurant ‹Eintracht› drin war, die nun seit fast zwei Jahren mitten im Dorf brach liegt. Und falls noch ein paar Franken übrig bleiben, kämen die dem Bärenplatz und dem Alten Schulhaus zu Gute.

Trauern Sie dem Zukunftsraum nach?

Ja, sehr sogar. Ich trauere aber weniger dem nach, dass Buchs dann zu Aarau gehört hätte, sondern den verschenkten Chancen in Sachen Zusammenarbeit und Ausgabenbremsen. Wenn ich sehe, wie oft Buchserinnen und Buchser in Aarau arbeiten, in den Ausgang gehen, Freunde besuchen oder Einkaufen, dann ist Buchs ja heute schon ein Teil von Aarau. Der Zukunftsraum wäre die Chance gewesen, kostengünstig Abteilungen zusammenzulegen, so wie man das beim Betreibungs- oder Arbeitsamt schon gemacht hat. Aber das Stimmvolk hat entschieden und nun liegt es an der Politik, das entsprechend umzusetzen. Was die Zukunft bringt, werden wir sehen.

Soll Buchs vermehrt sparen oder den hohen Steuerfuss längerfristig akzeptieren?

Es kommt immer darauf an, wo gespart wird. In der Bildung oder im Sozialwesen ist für mich Sparen der falsche Weg. Das Geld bewusst und gezielt ausgeben ja – aber Einsparungen können oft auch zu einem Boomerang werden. Ich habe mich persönlich für den neuen Steuerfuss eingesetzt, die SVP wollte sogar einen noch tieferen Steuerfuss durchsetzen. Wohin das geführt hätte, kann sich inzwischen jeder selber ausrechnen. Den erhöhten Steuerfuss werden wir mittelfristig so akzeptieren müssen, sollten sich die Buchser Finanzen dereinst wieder verbessern, kann man über eine Reduktion diskutieren.

Warum könnten Sie sich vorstellen, in «Little Istanbul» (Aarauerstrasse) zu wohnen?

Weil die Kebabs schmecken, weil die Aarauerstrasse zentral liegt, weil das Gemüse frisch ist, weil ich die Menschen mag und weil mein Bart hier und da froh um einen Barbier ist. Was ich jedoch grässlich finde ist der ständige Durchgangsverkehr und die heruntergekommenen und oftmals leeren Liegenschaften. Aber es ist ja geplant, dass die Aarauerstrasse demnächst ein Upgrade erhält und das Wohnen da dann attraktiver (und hoffentlich aber weiterhin bezahlbar) wird.

Was finden Sie attraktiv an sich?

An mir? Hmmm… meine blauen Augen? Keine Ahnung, das sollen doch andere entscheiden. Was finden Sie attraktiv an mir?

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