Oberentfelden
Gemeinderat will Eltern künftig etwas an die Betreuungskosten zahlen

Der Oberentfelder Gemeinderat will nicht mehr die Kindertagesstätte, sondern die Eltern finanziell unterstützen. Ein entsprechendes Traktandum kommt an der Wintergmeind zur Abstimmung.

Katja Schlegel
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Maximal 70 Prozent der Betreuungskosten würde die Gemeinde übernehmen.

Maximal 70 Prozent der Betreuungskosten würde die Gemeinde übernehmen.

az-Archiv

Oberentfelden will Familien und Alleinerziehenden unter die Arme greifen: Unterstützte die Gemeinde bislang direkt die einzige Kindertagesstätte im Dorf, das «Äntenäscht», sollen künftig die Eltern einen Beitrag an die Betreuungskosten erhalten. Der Grundsatzbeschluss und die Ermächtigung an den Gemeinderat zum Erlass eines entsprechenden Reglements sind für die Gemeindeversammlung vom 28. November traktandiert.

Seit der Eröffnung des «Äntenäscht» vor mehr als zehn Jahren unterstützt die Gemeinde die Institution mit einem jährlichen Barbetrag und einem Teilerlass bei den Mietzinsen. So beläuft sich die Unterstützung auf rund 33000 Franken pro Jahr.

«Nachdem das ‹Äntenäscht› einen festen Platz im Dienstleistungsangebot der Gemeinde gefunden hat und die Betreuung von Kindern ausserhalb der Familie einem wachsenden Bedürfnis entspricht, soll die Mitfinanzierung jetzt durch die Gemeinde mit einem Gemeindeversammlungsbeschluss definitiv geregelt werden», schreibt der Gemeinderat am Dienstag in seiner Mitteilung.

Nicht nur für Äntenäscht-Nutzer

Neu soll also nicht mehr die Kita selbst finanziell unterstützt werden, sondern die Eltern. Dies unabhängig davon, ob sie ihre Kinder im «Äntenäscht» oder in einer anderen Krippe in einer anderen Gemeinde betreuen lassen. «Voraussetzung ist einzig, dass die Tagesstätte eine Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde abgeschlossen hat», sagt Gemeindeschreiber Max Haudenschild. So könne der Gemeinderat sicherstellen, dass die Tagessätze und damit die Kosten für die Gemeinde in einem vernünftigen Rahmen bleiben.

Maximale Beteiligung von 70 Prozent

Die Höhe des Gemeindebeitrags soll von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern abhängig sein: Liegt das steuerbare Gesamteinkommen zuzüglich eines Fünftels des steuerbaren Vermögens unter 25000 Franken, übernimmt die Gemeinde 70 Prozent der Betreuungskosten, 30 Prozent tragen die Eltern. Pro 5000 Franken mehr Einkommen reduziert sich der Gemeindebeitrag um 5 Prozent. Ab einem Einkommen von 90000 Franken zahlt die Gemeinde nichts mehr.

Eingestuft werden die Eltern durch das Gemeindesteueramt, an das diese auch ihr Gesuch richten müssen. Bei 64 Oberentfelder Kindern, die aktuell im «Äntenäscht» betreut werden, hätte laut Haudenschild nur gerade die Hälfte aller Eltern Anspruch auf Unterstützung.

Kein Fass ohne Boden

Diese Unterstützung kostet: Der Gemeinderat rechnet mit jährlich mit Ausgaben von maximal 80000 Franken. Langfristig verspricht er sich aber einen Ertrag: «Es ist erwiesen, dass jeder in die familienergänzende Kinderbetreuung investierte Franken in der Form höherer Steuererträge mehrfach zurückfliesst», sagt Haudenschild. Schliesslich erlaube es Familien, dass beide Elternteile berufstätig bleiben beziehungsweise auch Alleinerziehende arbeiten können. Zum Fass ohne Boden werden kann der Beitrag an die familienergänzende Kinderbetreuung auch bei steigender Nachfrage nicht, müssen ihn die Stimmbürger doch mit jedem Budget absegnen.

Noch ist nicht alles bis ins letzte Detail geregelt: Wie das massgebende Einkommen beispielsweise bei Konkubinatspaaren, geschiedenen oder aus anderen Gründen alleinerziehenden Elternteilen gerechnet wird, ist noch nicht festgelegt. Hier möchte sich der Gemeinderat die Kompetenz geben lassen, selber ein Reglement erlassen und dieses und insbesondere den Tarifanhang bei Bedarf anpassen zu können, ohne einen Gemeindeversammlungsbeschluss abwarten zu müssen.